Gleichstellung in Firmen Kristina Schröder will Frauenquote nach Belieben

Familienministerin Kristina Schröder will beim Thema Frauenquote nicht allzu viel Druck auf Firmen ausüben. Diese sollten zwar mehr Frauen in Führungspositionen beschäftigen - den Anteil aber selbst bestimmen. Ihre Kollegin von der Leyen hat da radikalere Pläne.
Familienministerin Schröder: Kleine Anleitung zur Frauenquote

Familienministerin Schröder: Kleine Anleitung zur Frauenquote

Foto: Tim Brakemeier/ dpa

Ursula von der Leyen

Kristina Schröder

Berlin - Beim Thema Frauenquote machen sich zwei CDU-Bundesministerinnen gegenseitig Konkurrenz. Kurz nachdem Arbeitsministerin mit einem Vorschlag vorpreschte, kommt nun Familienministerin aus der Deckung.

In ihren Vorschlägen unterscheiden sich die Kabinettskolleginnen fundamental. Während Schröder bei den Firmen auf Freiwilligkeit setzt, plädierte von der Leyen knallhart für eine gesetzliche Quote.

Schröder, die sich auch Frauenministerin nennen darf, will große Unternehmen zwar zu einer höheren Frauenquote auf der Führungsebene verpflichten, die Firmen sollen aber selbst entscheiden, wie hoch diese Quote ist. In einem Beitrag für das "Handelsblatt" kündigte Schröder einen Stufenplan im Frühjahr an. Kern dieses Plans sei eine "gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung", schreibt sie. "Unternehmen werden ab einer gewissen Größe gesetzlich verpflichtet, individuell für sich eine selbst bestimmte Frauenquote festzulegen und zu veröffentlichen." Diese Quote gelte für Vorstand und Aufsichtsrat und solle binnen zwei Jahren erreicht werden.

Es sei klar, dass ein Maschinenbauer sich andere Ziele setzen würde als ein "attraktiver Autohersteller, der über genügend qualifizierte Mitarbeiterinnen verfügt", schreibt Schröder. Doch sie gab sich optimistisch, dass es zum Wettbewerb kommt: Es werde nicht lange dauern, bis die Zielvorgaben der einzelnen Unternehmen in Rankings verglichen würden.

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Arbeitsministerin von der Leyen dagegen traut den Firmen in Sachen Frauenquote nicht über den Weg. Sie hat die "nur mit der Lupe erkennbaren Fortschritte der vergangenen zehn Jahre" gerügt und den deutschen Unternehmen ein Ultimatum gestellt: entweder Selbstverpflichtung der Wirtschaft oder gesetzliche Frauenquote. Die Ministerin forderte einen Frauenanteil in Führungspositionen von 25 bis 30 Prozent. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen liegt laut einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bei 3,2 Prozent.

Bislang lehnen die einflussreichsten Konzerne Deutschlands bis auf sehr wenige Ausnahmen eine Quote ab. In Deutschland haben sich die Unternehmen zwar vor zehn Jahren in einem Abkommen mit der Bundesregierung verpflichtet, aus freien Stücken mehr für die Förderung von Frauen in Führungspositionen zu tun. Getan hat sich jedoch wenig: Nur 29 von 906 Vorstandsposten in den 200 größten Unternehmen wurden 2010 von Frauen besetzt.

Frauen in Vorständen der 200 größten Unternehmen (2010)

Unternehmen* Name
E.on Regine Stachelhaus
Siemens Brigitte Ederer, Barbara Kux
Opel Rita Forst, Susanna Webber
SAP Dr. Angelika Dammann
Vodafone Dr. Susan Hennersdorf
Volkswagen Leasing Dr. Heidrun Zirfas
Schlecker Christa Schlecker, Meike Schlecker
DB Regio Dr. Bettina Volkens
Sandoz International Isabell Remus (Vorsitz), Susanne Faust
dm-Drogerie Markt Petra Schäfer
Fujitsu Technology Sabine Schweiger
OMV Ana-Barbara Kuncic, Hannelore Scheidt
IBM Deutschland Martina Koederitz
Telefónica O2 Andrea Folgueiras
Havi Global Logistics Eva-Daniela Menzky
Nestlé Deutschland Elke Strathmann
Ikea Deutschland Petra Hesser (Vorsitz), Zuzana Poláková, Claudia Willvonseder
Citiworks Stephanie Möller
Air Berlin Elke Schütt
Douglas Anke Giesen
Tchibo Wioletta Rosolowska
Rossmann Alice Schardt-Roßmann
Quelle: DIW
* Nicht aufgeführte Unternehmen haben keine Frau im Vorstand.
mmq/AFP/dpa
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