Vermögensbericht der Allianz Uns geht es gut

Die Welt wird immer reicher. Das Vermögen landet häufiger bei denen, die schon wohlhabend sind. Soweit bekannt. Aber die Mitte wird nicht ärmer deshalb. Im Gegenteil. Unzufrieden ist sie dennoch.
Biergarten in München

Biergarten in München

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa

In den sieben Jahren seit der großen Finanzkrise ist das private Geldvermögen weltweit um 61 Prozent gestiegen - beinahe doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung. Das geht aus dem "Global Wealth Report" hervor, den der Allianz-Konzern am Mittwoch veröffentlicht hat. "Sieben gute Jahre", resümiert Allianz-SE-Chef Oliver Bäte im Vorwort.

Als Ursache des Vermögenszuwachses machen die Autoren des Reports die Politik der Notenbanken aus, die die Märkte jahrelang mit Geld überschwemmt hätten. Die Folge: Der Wert, etwa von Immobilien, stieg auf immer neue Höchststände.

Grund für Jubel sehen die Experten trotz des zunehmenden Wohlstands nicht. Der starke Anstieg des Geldvermögens in den letzten Jahren habe einen entscheidenden Makel, schreiben sie - gerade in den Industrieländern mit extrem niedrigen Zinsen. "Er geht einher mit einer zunehmenden Ungleichheit in der Vermögensverteilung", heißt es in dem Bericht.

Diese spiegele sich allerdings weniger in einer Erosion der Mittelschicht oder in der Verarmung breiter Bevölkerungsschichten wider, im Gegenteil: Deren Anteil ist sogar spürbar gewachsen. Von den drei Vermögensklassen - Arme, Mittelschicht und Reiche - konnte nur eine Klasse in der Währungsunion zulegen - die Mittelklasse. Die beiden übrigen Vermögensklassen - insbesondere die Oberklasse - schrumpften hingegen, sowohl was ihren Anteil an der Bevölkerung als auch am Netto-Geldvermögen angeht. Die befürchtete Erosion der Mitte, die gesellschaftliche Abstiegsängste schürt, lasse sich nicht feststellen, schreiben die Forscher.

Eine Gruppe jedoch stellt die Dynamik der Mittelklasse in den Schatten: Die kleine Gruppe der extrem Reichen entfernt sich weiter vom Durchschnitt. Auch dies sei eine Form zunehmender Ungleichheit, die auf Dauer den sozialen Zusammenhalt belasten könne.

Der überdurchschnittliche Vermögenszuwachs der oberen Tausend lässt sich erklären: Sie sind es, die ihr Geld in erster Linie in Aktien anlegten - die auf Grund der Liquidität auf den Finanzmärkten massiv an Wert zugelegt haben.

Diese Entwicklung führe zu einer wachsenden Unzufriedenheit in der breiten Bevölkerung, heißt es in der Studie. Das Votum der Briten, die EU zu verlassen, solle auch vor diesem Hintergrund gesehen werden. In der Mehrzahl der aufstrebenden Länder dagegen, in denen die Geldpolitik weniger expansiv, das Wirtschaftswachstum höher und das Vermögenswachstum mehr durch Sparanstrengungen als Kurssteigerungen getrieben ist, habe die Ungleichheit der Vermögensverteilung nicht zugenommen.

Die Forscher gehen auch mit den Sparern ins Gericht: Trotz Niedrigst- und Negativzinsen bevorzuge die Mehrzahl der privaten Haushalten weiterhin kurzfristige und sehr liquide Anlagen, deren Rendite bei null liege - sprich: das Girokonto. Langfristige Anlagen, wie Anleihen oder gar ein Engagement an den Aktienmärkten seien dagegen auf dem Rückzug. In Europa zum Beispiel zögen private Haushalte noch immer Geld aus den Kapitalmärkten ab. "Sparen entpuppt sich so bei genauerer Analyse vor allem als 'Geldparken' und nicht als Investieren."

Diese Strategie berge mittel- bis langfristig gravierende Folgen: Das Geld werde im Alter fehlen. Dies gelte umso mehr, als nach sieben Jahren eine Geldpolitik des "Immer-Mehr" an ihre Grenzen zu stoßen scheine. Die Volatilität der Aktienmärkte habe spürbar zugenommen, in der Folge habe sich das Wachstum des globalen Geldvermögens im letzten Jahr bereits deutlich abgeschwächt. Von dieser Entwicklung seien vor allem Europa, die USA und Japan betroffen. "Ohne Preissteigerungen, die fehlende Zinseinnahmen kompensieren können, dürften die fetten Jahre beim Vermögenswachstum vorbei sein", heißt es in der Studie.

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