Globales Problem Fehlende Krankenpolice treibt Millionen in Armut

Die Weltgesundheitsorganisation schlägt Alarm: 100 Millionen Menschen rutschen jährlich in die Armutsfalle - weil sie nicht krankenversichert sind. Auch in mehreren EU-Ländern sei das der Fall.
Krankenhaus: Problem geht weit über Entwicklungsländer hinaus

Krankenhaus: Problem geht weit über Entwicklungsländer hinaus

Foto: Roland Weihrauch/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Die Zahl ist unvorstellbar groß: 100 Millionen Menschen rutschen jedes Jahr in Armut ab, weil sie nicht krankenversichert sind. Die unzureichende Finanzierung der Gesundheitsversorgung sei nicht nur ein Problem von Entwicklungsländern, heißt es im diesjährigen Weltgesundheitsbericht, aus dem die "Welt" zitiert. So seien in den USA Privatleute meistens deshalb überschuldet, weil sie Behandlungskosten nicht selbst zahlen konnten. Auch in Griechenland, Portugal, Polen und Ungarn erlitten viele Menschen "finanzielle Härten", da sie direkt für ihre medizinische Versorgung zahlen müssten.

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Die stellt ihren Bericht am Montag im Rahmen einer internationalen Ministerkonferenz zur Finanzierung von Gesundheitssystemen in Berlin vor. An der Konferenz nimmt neben Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler und Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (beide FDP) auch WHO-Chefin Margaret Chan teil. Zudem werden mehr als 30 Minister und weitere politische Vertreter aus rund 50 Ländern zu der Veranstaltung erwartet, die sich mit den Kosten medizinischer Behandlung beschäftigen soll.

Krankenhäuser verschwenden 300 Milliarden Dollar jährlich

Laut "Welt" ruft die WHO in ihrem Bericht ärmere Länder dazu auf, die staatlichen Ausgaben für die Gesundheitsversorgung zu erhöhen, etwa durch Steuern auf Alkohol und Tabak. Reichere Länder sollten dagegen für mehr Effizienz in ihren Gesundheitssystemen sorgen. Nach Angaben der WHO werden jährlich fast 300 Milliarden US-Dollar aufgrund von Ineffizienz im Krankenhausbereich vergeudet. Eine Durchsicht zahlreicher Studien habe ergeben, dass Krankenhäuser bei gleichem Aufwand durchschnittlich 15 Prozent mehr leisten könnten. Außerdem seien die Anreize innerhalb der Gesundheitssysteme zum Teil falsch gesetzt, zitiert das Blatt den Bericht.

Die Industrieländer ermahnt die WHO, ihren Verpflichtungen gegenüber Entwicklungsländern stärker nachzukommen. Wenn alle Geberländer ihre Zusagen unverzüglich erfüllen würden, könnten sogar die "Millenniumsziele" erreicht werden, mit denen die Gesundheitsversorgung in den ärmsten Ländern der Welt verbessert werden soll. Bis zum Jahr 2015 könnten dann mehr als drei Millionen Menschenleben gerettet werden. Die WHO fordert in diesem Zusammenhang, die nötigen Gelder auf "innovativen Wegen" zu beschaffen, etwa durch eine Abgabe auf Devisentransaktionen.

yes/AFP
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