Bundesbank-Reserven 45 Prozent des deutschen Goldes lagern in den USA

133 Milliarden Euro sind die Goldreserven der Bundesbank derzeit wert. Fast die Hälfte der Bestände liegt in Tresoren der US-Notenbank Fed. Bundesbank-Vorstand Thiele verteidigt die Aufbewahrung im Ausland: Sie sei sicher, billig, und die Reserven bestünden zweifelsfrei aus reinstem Feingold.
Goldbarren: Insgesamt besitzt die Deutsche Bundesbank 3396 Tonnen Gold

Goldbarren: Insgesamt besitzt die Deutsche Bundesbank 3396 Tonnen Gold

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt - Mehr als die Hälfte des deutschen Goldes lagert im Ausland, allein fast 45 Prozent in USA. Das hat Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erstmals bestätigt.

Insgesamt besitzt die Deutsche Bundesbank 3396 Tonnen Gold. Der aktuelle Marktwert des Goldschatzes beträgt 133 Milliarden Euro. Nur 1036 Tonnen - also weniger als ein Drittel - lagert sie in Tresoren im Inland. Die US-Notenbank Fed bewahrt laut Thiele in New York fast die Hälfte des deutschen Goldes auf - insgesamt 1536 Tonnen. Zudem lagerten bei der Bank of England in London sowie der Banque de France jeweils 450 beziehungsweise 374 Tonnen Gold.

Die Banken in den USA und Frankreich böten eine kostenlose Aufbewahrung der Goldreserven an, sagte Thiele. Die Bank of England erhebe hingegen Lagergebühren in Höhe von rund 500.000 Euro jährlich. Auch die Lagerung in eigenen Tresoren der Bundesbank ist mit Kosten verbunden.

"Diskussion in Deutschland ist grotesk"

Über die Sicherheit der Goldbestände müssten sich die Deutschen keine Sorgen machen, betonte der Bundesbank-Vorstand. "Unsere Revision hat sich bei wiederholten Besuchen in New York, London und Paris davon überzeugt, dass die dortigen Sicherheitsvorkehrungen den gleichen hohen Ansprüchen genügen wie in Frankfurt."

Es gebe außerdem keinen Zweifel, dass die dort verwahrten Bestände aus reinstem Feingold bestehen. "Ein Teil der Diskussion in Deutschland ist schon einigermaßen grotesk", kritisierte Thiele, der bis zu seinem Wechsel in die Bundesbank für die FDP im Bundestag saß. Zuvor hatte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle eine bessere Prüfung der Bestände gefordert. "Ich würde empfehlen, dass wir immer wieder nachzählen", sagte er am Dienstag. Zudem machte er sich für eine Rückführung des Goldes nach Deutschland stark.

Der Bundesrechnungshof fordert "angesichts des hohen Werts der bei ausländischen Notenbanken gelagerten Goldbestände und der Tatsache, dass diese noch nie aufgenommen wurden" regelmäßige Stichproben.

"Auch in Zukunft wollen wir Gold an internationalen Goldhandelsplätzen halten, um es im Fall der Fälle binnen kürzester Zeit als Währungsreserve verfügbar zu haben", bekräftigte Thiele. In den kommenden drei Jahren werde die Bundesbank jedoch jährlich 50 Tonnen Gold aus New York nach Deutschland bringen. Das gebe der Bundesbank die Gelegenheit, diese Barren zu überprüfen, einzuschmelzen und in die Form des heutzutage im Großhandel üblichen Good-Delivery-Standards zu bringen.