Elsflether Werft Vorstand nach "Gorch Fock"-Debakel entlassen

Bei der Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" explodierten die Kosten, nun zieht die beauftragte Werft Konsequenzen. Die ehemalige Führung soll "erhebliche Pflichtverletzungen" begangen haben.

dpa/Wulf Pfeiffer

Die wegen der Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" in die Kritik geratene Elsflether Werft AG hat Vorstand und Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung abberufen. Das teilten die beiden von der Hamburger Justizbehörde neu berufenen Vorstände der Sky-Stiftung mit. Die Stiftung ist faktisch alleinige Anteilsinhaberin der niedersächsischen Traditionswerft.

Nach bisherigen Erkenntnissen stünden der bisherige Aufsichtsrat und Vorstand unter dem Anfangsverdacht, erhebliche Pflichtverletzungen zulasten der Werft und damit auch des Stiftungsvermögens begangen zu haben, hieß es in einer Mitteilung der Sky-Stiftung. Gegen den bisherigen Vorstand laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue.

Ein vertraulicher Prüfbericht über die seit mittlerweile drei Jahren andauernde Reparatur des Segelschulschiffs hatte chaotische Zustände bei der Werft aber auch im Verteidigungsministerium enthüllt. Die Kostensteigerung für die Reparatur der "Gorch Fock" sei nur durch gravierendes Missmanagement bei Marine, Beschaffungsamt und auch im Ministerium möglich geworden, hieß es in dem Bericht.

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war wegen der massiven Kostensteigerung bei der Reparatur unter Druck geraten. Rund 80 Millionen Euro des 135-Millionen-Budgets seien bereits ausgegeben, sagte sie am Dienstag vor Fachpolitikern der Großen Koalition.

Bei der Elsflether Werft hatte es bereits im Dezember wegen des Verdachts der Korruption Durchsuchungen gegeben. Dabei war nach Angaben der Fahnder umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Neuer Aufsichtsratsvorsitzender ist der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Vorstandschef Axel Birk. Oberstes Ziel sei die Sicherung der 120 Arbeitsplätze in der Werft, hieß es.

fek/dpa



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