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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Kostensteigerung auf 135 Millionen Euro Korruptionsverdacht bei "Gorch Fock"-Reparatur

Zehn Millionen Euro waren für die Sanierung des Marine-Segelschulschiffs "Gorch Fock" veranschlagt, dann liefen die Ausgaben völlig aus dem Ruder. Nun hat sich ein Beamter nach SPIEGEL-Informationen selbst angezeigt.

Die Bundeswehr ermittelt im Zusammenhang mit der immer teurer werdenden Renovierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" wegen Korruption. Mittlerweile wurde ein Beamter des Marinearsenals Wilhelmshaven bei der Staatsanwaltschaft angezeigt, da er von der ausführenden Werft und einer an der Renovierung beteiligten Firmen Geld angenommen haben soll.

Nach SPIEGEL-Informationen hatte sich der Beamte, der beim Marinearsenal als technischer Preisprüfer für die aufwendigen Arbeiten am Segelschulschiff eingesetzt ist, in den vergangenen Tagen selbst bei seinem Vorgesetzten gemeldet.

Dort gab er an, finanzielle Probleme zu haben. Deswegen habe er von der Elsflether Werft und dem Unternehmen Darlehen in sechsstelliger Höhe angenommen. Beide sind Auftragnehmer für die aufwendige Instandsetzung der "Gorch Fock".

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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

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Seinen eigenen Angaben nach bekam der Beamte die großzügigen Kredite zu einem sehr günstigen Zinssatz. In Bundeswehrkreisen wurde nicht ausgeschlossen, dass es sich bei der Darstellung, das Geld sei ein Darlehen, das er zurückzahlen müsse, nur um eine Schutzbehauptung handelt. Ob dieser Verdacht zutrifft soll nun ermittelt werden.

Selbst ein vergünstigter Zinssatz bei solch hohen Summen aber würden schon den Verdacht der Korruption begründen, da der Beamte die Angebote der beiden Firmen prüfte und absegnete, hieß es. Offiziell wollte die Truppe den Fall nicht bestätigen, bei der zuständigen Staatsanwaltschaft war am Mittwochabend niemand mehr zu erreichen.

Allerdings unterrichtete der Leiter der Rechtsabteilung des Verteidigungsministeriums die Obleute des zuständigen Bundestags-Ausschuss über die internen Ermittlungen und die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Der Vorgang sorgte bei den Fachleuten für Stirnrunzeln, da die geplante Renovierung der "Gorch Fock" sich in den letzten Monaten Schritt für Schritt in fast unwirkliche Höhen gesteigert hatte.

Als das Segelschiff 2016 in die Werft kam, waren für die Wiederinstandsetzung des historischen Schiffs zehn Millionen Euro angesetzt worden. Schritt für Schritt steigerte sich dieser Preis auf heute satte 135 Millionen Euro.

Die "Gorch Fock" wurde vor knapp 60 Jahren, am 17. Dezember 1958, in Dienst gestellt. Über Jahrzehnte bildete die Marine ihre Rekruten auf dem historischen Schiff aus. Am Montag hatte die Marine eigentlich den Geburtstag ausgiebig feiern wollen.

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