Bestechungsverdacht gegen Beamten Razzia in der "Gorch Fock"-Werft

Im Korruptionsfall um die "Gorch Fock" drücken die Ermittler aufs Tempo: Wegen Verdunklungsgefahr durchsuchte die Justiz das Haus eines Bundeswehr-Beamten und die Werft, in der das Segelschulschiff liegt.

Das Schulschiff "Gorch Fock" (Archivbild)
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Das Schulschiff "Gorch Fock" (Archivbild)

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Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat wegen des Korruptionsverdachts bei der Renovierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" im Eiltempo gleich mehrere Durchsuchungen veranlasst. Nach SPIEGEL-Informationen wurden Beamte am Donnerstagnachmittag bei der Elsflether Werft und bei einem anderen an der Reparatur beteiligten Unternehmen vorstellig.

Neben den beiden Firmen wurden auch die Häuser des verdächtigten Bundeswehr-Beamten und zweier Mitarbeiter der Werft und des anderen Unternehmens durchsucht. Nach Angaben der Fahnder wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter Akten und elektronische Datenträger. Diese werden nun ausgewertet, hieß es von den Ermittlern.

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Segelschulschiff: Was wird aus der "Gorch Fock"?

Die Justiz war in dem Fall in Zugzwang gekommen: Da der Korruptionsverdacht gegen den Beamten des Marinearsenals Wilhelmshaven am Donnerstag durch eine Information des Verteidigungsministeriums öffentlich geworden war, mussten die Fahnder davon ausgehen, dass die Tatbeteiligten Beweismittel verschwinden lassen könnten. Folglich erließ ein Richter im Eiltempo Durchsuchungsbeschlüsse.

Darlehen wohl fast ohne Zinsen

In Osnabrück ist man über den Vorgang ziemlich unglücklich. "Wir lesen ungern von Korruptionsfällen aus der Zeitung, bevor wir selbst mit den Ermittlungen begonnen haben", hieß es aus Ermittlerkreisen. Gerade in solchen Fällen sei es wichtig, dass die Behörden möglichen Tätern nachspüren könnten, ohne dass diese gewarnt würden.

Der Fall war Mitte der Woche durch eine Selbstanzeige des Bundeswehr-Beamten aufgeflogen. Bei seinem Vorgesetzten im Marinearsenal räumte der Mann ein, wegen eines Bauprojekts in finanzielle Probleme geraten zu sein. Deswegen habe er sich bei der Elsflether Werft und einem Unternehmen, das an der "Gorch Fock"-Reparatur beteiligt ist, Beträge in sechsstelliger Höhe geliehen.

Die beiden Darlehen, die der Bundeswehr-Mann wohl fast ohne Zinsen erhielt, gelten für die Fahnder als klare Vorteilsnahme. Da der Beamte als technischer Preisprüfer für die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der "Gorch Fock" eingesetzt war, liegt der Verdacht auf der Hand. Der Verdächtige ist offenbar geständig; die Ermittlungen dürften daher nicht allzu lange dauern, hieß es.

"Eigentlich als Bestechungsgeld werten"

Ob es sich überhaupt um Darlehen oder direkte Zuwendungen handelt, gilt es noch zu ermitteln. Aus anderen Korruptionsfällen kennen die Fahnder das Muster, dass Firmen Bestechungszahlungen als zinslose Darlehen abbuchen, deren Rückzahlung aber nicht geplant ist. "Ein Darlehen ohne feste Modalitäten für die Rückzahlung muss man eigentlich als Bestechungsgeld werten", so ein Fahnder. Allerdings ist dies schwer nachzuweisen, da am Ende die Unschuldsvermutung gilt.

Im Fall des Bundeswehr-Beamten wiegt der Verdacht schwer. Seit das weltweit bekannte Segelschulschiff im Jahr 2015 für eine Überholung in der Elsflether Werft einlief, explodierten die Kosten für die geplante Renovierung: Wurde am Anfang noch mit einem Budget von zehn Millionen Euro kalkuliert, liegen die aktuellen Zahlen bei 135 Millionen Euro.

Der Verdächtige spielte bei den Kostenkalkulationen für die Reparatur der "Gorch Fock" eine wichtige Rolle, da er diese für die Bundeswehr prüfte und als plausibel einstufte. Die Bundeswehr sagte einen für die kommenden Tage geplanten Festakt zum 60-jährigen Jubiläum des Vorzeigeschiffs wegen des Skandals vorerst ab.



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