Zahlungsstopp bei Reparatur Verteidigungsministerium prüft Zukunft der "Gorch Fock"

Eine Kostenexplosion und ein Korruptionsfall behindern die Reparatur des Segelschulschiffs "Gorch Fock". Nun hat das Verteidigungsministerium einen Zahlungsstopp verfügt und will untersuchen, wie es weitergeht.

Segelschulschiff "Gorch Fock"
DPA

Segelschulschiff "Gorch Fock"


Im Verteidigungsministerium wird auf höchster Ebene über das Segelschulschiff "Gorch Fock" der Marine beraten. Wegen der erheblichen Probleme bei der Restaurierung des Vorzeigeschiffs hat das Ministerium einen vorläufigen Zahlungsstopp angewiesen. Eine Entscheidung über die Zukunft des Schiffes könne erst nach weiteren Prüfungen getroffen werden, teilte ein Sprecher mit.

Wegen der Kostenexplosion bei dem Projekt sowie eines Korruptionsverdachts gegen einen Mitarbeiter hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit der Spitze der Marine beraten. "Ich mache mir große Sorgen um die 'Gorch Fock'", sagte die Ministerin der "Rheinischen Post".

Es gebe viele offene Fragen an die Werft. Die Staatsanwaltschaft müsse den Korruptionsverdacht so schnell wie möglich klären. Die Bundeswehr überprüfe intern alle Kostenberechnungen, sagte von der Leyen. "Erst mit einem klaren Gesamtbild können wir belastbare Entscheidungen über die Zukunft der 'Gorch Fock' treffen."

Der 1958 gebaute Dreimaster wird seit 2016 überholt. Ursprünglich mit zehn Millionen Euro veranschlagt, werden die Kosten mittlerweile auf 135 Millionen Euro beziffert.

"Bisher sind für die Restaurierung der 'Gorch Fock' 69,5 Millionen Euro abgeflossen", teilte der Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Die Entscheidung über den Zahlungsstopp sei wegen der "noch unklaren Situation" getroffen worden. "Die Werft hat von sich aus Aufklärungsbemühungen versprochen. Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft Osnabrück, mit der die Bundeswehr eng kooperiert", erklärte er.

Zunächst gab es keine unmittelbaren Hinweise, dass Korruption und Kostensteigerungen in einem Zusammenhang stehen. Gegen den Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven, der sich selbst angezeigt hatte, wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte wegen des Korruptionsverdachts auch Büros der Elsflether Werft durchsucht.

mmq/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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fritz_64 20.12.2018
1. Neu bauen
wäre sicher die günstigere Alternative gewesen, verbunden mit richtungsweisender neuer Technologie für Grosssegelschiffe
ursusmichaelis 20.12.2018
2. Gorch Fock = Unnötig wie der sprichwörtliche Kropf
Marinesoldaten haben heute so gravierend andere Aufgaben, dass Trainings im x-Master-Segeln NUR überflüssig sind - Reine Energievergeudung für unverbesserliche Nostalgiker und ewig Gestrige. Damit kann man/frau Figuren eventuell beeindrucken, wie Leute aus der CSU oder der AfD. Das rechnet sich nie - rächt sich aber - früher oder später.... Stellt den Windjammer ins Museum - das reicht - ein bisschen Farbe - hat bei der Marine schon nie geschadet - und kostet alle paar Jahre halt ein wenig Aufwand... aus Eintrittsgeldern.
hegoat 20.12.2018
3.
Wofür brauchen wir ein Segelschiff in der Marine? Seefahrt lernt man auch auf regulären Schiffen und moderne Technik dazu. Die Gorch Fock ist ein Steckenpferd für Nostalgiker genauso wie das Musikkorps oder ähnliche Spaßveranstaltungen, die nur Steuergeld kosten.
frenchie3 20.12.2018
4. @2 Waren Sie auf der Gorch Fock
und wissen Sie was da gelehrt wird? Warum? Nur mal dumm gefragt zum qualifizierten Kommentar
tompike 20.12.2018
5. Teamgeist
und der Kampf gegen die Wellen, das Navigationshandwerk kann auch auf modernen Segelschiffen erlernt werden und kostet sicher weniger als der Betrieb eines solchen alten Schulschiffes. Schließlich werden mit den modernen Seglern Pokale gewonnen.
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