Griechen-Krise EU beziffert Finanzloch auf 120 Milliarden Euro

Schlechte Nachrichten aus Griechenland: Die Wirtschaft des Landes schaffte zu Jahresbeginn nur ein Miniwachstum. Die Regierung will mit einem neuen Sparprogramm die Pleite verhindern. Doch die EU stellt sich bereits auf eine Finanzspritze von bis zu 120 Milliarden Euro ein.

Hafen in Thessaloniki: Kein Aufschwung absehbar
AFP

Hafen in Thessaloniki: Kein Aufschwung absehbar


Brüssel/Berlin - Es ist ein weiterer Beweis für die desolate Lage Griechenlands: Die Wirtschaft ist zu Jahresbeginn deutlich schwächer gewachsen als erwartet. Ein Plus von 0,8 Prozent hatten Experten erwartet - doch das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März lediglich um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt mitteilte. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal um 1,5 Prozent gewachsen.

Am Donnerstag beschloss das Kabinett in Athen neue Sparmaßnahmen. Einzelheiten wurden noch nicht offiziell mitgeteilt. Es gibt jedoch Hinweise, dass die Steuern auf Benzin, Limonaden und Tabak, für Restaurants und Bars sowie die Grundsteuer erhöht werden sollen. Das steuerfreie Mindesteinkommen soll stark abgesenkt werden, zudem müssen Rentner möglicherweise künftig mehr Steuern zahlen.

Angesichts der schlechten Wirtschaftslage scheint es dennoch utopisch, dass die griechische Regierung ihre ehrgeizige Reform- und Sparziele erreichen kann. Diese wiederum sind Grundlage für die Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Das Sparprogramm muss noch vom Parlament in Athen gebilligt werden. Die entscheidende Abstimmung soll laut Berichten am 28. Juni stattfinden.

Die EU-Partner stellen sich bereits auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland ein. Finanzminister Wolfgang Schäuble will dabei private Gläubiger beteiligen, indem sie im Rahmen einer sanften Umschuldung freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

In Brüssel hieß es, dass das Finanzloch des hoch verschuldeten Griechenlands annähernd 120 Milliarden Euro betrage. 90 Milliarden Euro sollen von neuen Hilfen aus dem Ausland kommen, einschließlich eines Beitrags privater Investoren. Die übrigen 30 Milliarden Euro sollen die Griechen selbst durch die Privatisierung von Staatsbesitz aufbringen. Die Entscheidung über ein zweites Hilfspaket wird voraussichtlich beim EU-Gipfel am 24. Juni fallen.

EZB stellt sich in der Umschuldungsdebatte quer

Eine wichtige Rolle bei den Hilfen für Griechenland spielt die Europäische Zentralbank (EZB). Diese steht den Umschuldungs-Vorschlägen von Schäuble enorm skeptisch gegenüber.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet machte nach einer Ratssitzung der Notenbank klar, dass diese einen Schuldenschnitt ablehnt. "Wir sind nicht für eine Umschuldung. Wir schließen alle Konzepte aus, die nicht völlig freiwillig sind", sagte Trichet.

Schäubles Vorschlag sieht vor, dass die Banken ihre alten griechischen Staatsanleihen gegen neue mit längerer Laufzeit umtauschen. Viele private Gläubiger haben sich aber bereits von Anleihen getrennt. So haben die deutschen Versicherer nach Verbandsangaben ihre Anlagen in griechische Staatsanleihen binnen eines Jahres halbiert und sind nur noch marginal engagiert.

Die EU-Kommission rechnet nicht damit, dass Griechenland bald aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommt, sondern erwartet ein weiteres Rezessionsjahr. Die Kommission rechnet mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von 3,5 Prozent, nachdem es 2010 sogar um 4,5 Prozent nach unten gegangen war. Erst 2012 wird wieder ein leichtes Wachstum von 1,1 Prozent erwartet.

Griechenland war im Mai 2010 gegen Sparauflagen mit einem 110 Milliarden Euro schweren Rettungspaket von der EU und dem IWF vor der Pleite bewahrt worden. Da es aber nicht wie ursprünglich erhofft im kommenden Jahr an die Kapitalmärkte zurückkehren kann, braucht das Land nun eine zusätzliche Finanzspritze.

mmq/Reuters

insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
xeniabloom 09.06.2011
1. Schlechte Nachrichten aus Griechenland? Wirklich?
Zitat von sysopSchlechte Nachrichten aus Griechenland: Die Wirtschaft des Landes schaffte zu Jahresbeginn nur ein Miniwachstum. Die Regierung will mit einem neuen Sparprogramm die Pleite verhindern. Doch die EU stellt sich bereits auf eine Finanzspritze von bis zu 120 Milliarden Euro ein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767767,00.html
Das überrascht mich aber. Durch welches Wunder hat die gr. Wirtschaft ein Miniwachstum geschafft? Griechische Statistik? Genug davon,
Hennes 09.06.2011
2. Zahlenermittlung nach Junckers' Art?
13.05.11: "... Das größte Sorgenkind der Euro-Zone legte im ersten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent hin." (Spon, unter Berufung auf Eurostat) 09.06.11: ".. doch das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März lediglich um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt mitteilte." (Spon, unter Berufung auf Eurostat)
nicknow, 09.06.2011
3. Ekelhaft...
G ist ein Faß ohne Boden. Scheibchenweise werden die Beträge erhöht und die Griechen besitzen noch die Frechheit D zu bepöbeln, während die Prvaten Gläubiger Fakten schaffen und fast keine Forderungen mehr haben auf die sie "freiwillig" verzichten könnten. Wie war das noch? Manchmal kann ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte !!
marc0815 09.06.2011
4. mit schulden wachsen
Zitat von Hennes13.05.11: "... Das größte Sorgenkind der Euro-Zone legte im ersten Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent hin." (Spon, unter Berufung auf Eurostat) 09.06.11: ".. doch das Bruttoinlandsprodukt legte von Januar bis März lediglich um 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistikamt mitteilte." (Spon, unter Berufung auf Eurostat)
wahrscheinlich zählen die Schulden auch mit zum Umsatz... Statistiken sind das Papier nicht wert auf dem sie stehen, griechische schon garnicht.
belohorizonte 09.06.2011
5. Nur 120 MRD ?
griechischen Banken benoetigen aufgrund ausfallender Konsumkredite einen gigantischen u/i Betrag. Hat sich irgendein EU Statistiker schon mal damit näher beschaeftigt?. Die griechische Dienstleistungswirtschaft alleine kann nicht das notwendige Steueraufkommen stemmen. Ansonsten wird doch nicht viel produziert oder seht ihr bluehende Agrarlandschaften ? Ich nicht. Auch keine produktiven Industriezentren. Nur Lagerhallen fuer Importe. Mit Importlizenzen konnte die griechische Politoligarchie Markt und Politk für sich einnehmen. Die nächsten Hiobsbotschaften stehen binnen 6 Monate an. Jeder "reisende Depp" weiss um die eigentlichen Defizite derartiger Laender. Nur unsere EU-Entscheidungsträger versuchen, uns kriminell verdummend, die Sommerferien zu überstehen. Liebe Griechen, streikt heftig zur Tourismussaison, dann geht auch dieser Resteinnahmetraum flöten.
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