Griechen-Krise EU rüstet zum Schaukampf gegen Spekulanten

Spekulanten machen derzeit Bombengeschäfte: In der Griechen-Krise wetten sie mit Milliarden auf die Pleite des Landes - und verschärfen damit die Probleme der Athener Regierung. Deutschland und Frankreich wollen manche Finanzdeals nun ganz verbieten, doch die Erfolgsaussichten sind gering.
Finanzzentrum in Frankfurt am Main: "Der Spekulant ist nur der Bote"

Finanzzentrum in Frankfurt am Main: "Der Spekulant ist nur der Bote"

Foto: A3796 Uwe Anspach/ dpa

Es kann einem angst und bange werden angesichts solcher Nachrichten: Der legendäre US-Finanzinvestor George Soros soll sich dem "Wall Street Journal" zufolge mit anderen Branchen-Gurus verabredet haben, gegen den Euro   und gegen Griechenland zu wetten. Das US-Justizministerium habe Ermittlungen eingeleitet, so der Bericht. Sofort werden unheimliche Erinnerungen wach: Soros wurde in den neunziger Jahren mit Spekulationen gegen die britische Währung berühmt - das Pfund musste damals das Europäische Wechselkurssystem (EWS) verlassen, verlor extrem an Wert.

Auch die Finanzaufsicht BaFin weist in einer Expertise für das Bundesfinanzministerium auf das rasante Wachstum beim Handel mit Kreditausfallversicherungen für Griechenland hin. Beobachter warnen, der Anstieg sei auch den eifrigen Geschäften von Spekulanten geschuldet, die das Krisenland entdeckt hätten.

So wundert es wenig, dass die Euro-Länder sich zur Wehr setzen wollen gegen die unheimlichen Angreifer. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy einen Brief an EU-Kommissionschef José Manuel Barroso schreiben, in dem dieser zum Handeln aufgefordert wird. Zu den Verfassern der Erklärung gehörten auch der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, und der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou. Nach ihrem Willen soll der Handel mit bestimmten Wertpapieren beschränkt oder sogar komplett verboten werden.

Im Visier haben Merkel und ihre Mitstreiter vor allem zwei Instrumente: Ungedeckte Leerverkäufe sollen verboten, sogenannte Credit Default Swaps (CDS) reguliert werden.

Je größer die Angst vor einem Bankrott, desto höher der Gewinn

Bei ungedeckten Leerverkäufen veräußern Banken oder Investmentfonds Aktien, die sie gar nicht besitzen, mit dem Ziel, den Börsenkurs zu drücken und die Papiere dann günstig einzukaufen. Mit einem CDS können sich Käufer etwa von Staatsanleihen gegen einen Bankrott des Gläubigers versichern. Allerdings werden die Assets längst losgelöst von den Anleihen rege gehandelt. Investoren nämlich spekulieren darauf, die Papiere wegen der wachsenden Sorge über die Staatsfinanzen mit Gewinn weiterverkaufen zu können. Je größer die Angst vor einem Staatsbankrott, desto höher wird der Gewinn.

Das Problem dabei: Die Märkte interpretieren den mit der Nachfrage steigenden Preis der CDS als Signal für ein höheres Ausfallrisiko der betreffenden Staatsanleihen. Dadurch steigen wiederum die Zinsen, die kriselnde Staaten wie Griechenland für neue Kredite zahlen müssen.

Es scheint einleuchtend, dass die EU den Handel mit diesem vermeintlichen Teufelszeug in den Griff bekommen will.

So mancher Wissenschaftler hält den Vorstoß denn auch für überfällig. "CDS werden immer noch völlig unkontrolliert zwischen den Banken gehandelt", sagt etwa Rudolf Hickel, Professor an der Universität Bremen. "Es gibt keine Meldepflicht und keine Risikovorsorgepflicht", sagt er. "Es ist richtig, dass das geändert werden soll." Der Euro werde auf diese Weise stabilisiert.

"Der Spekulant ist nur der Bote"

Griechenland-Krise

Trotzdem setzt der Vorstoß Deutschlands und Frankreichs nach Meinung vieler Experten eher an den Symptomen der an als an deren Ursachen. "Dass die Spekulanten schuld sind, ist Unsinn", sagt der Leiter der Abteilung Öffentliche Finanzwirtschaft beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Friedrich Heinemann. Auch der Hohenheimer Bankenprofessor Hans-Peter Burghof ist überzeugt: "Der Spekulant ist nur der Bote, der die schlechte Nachricht überbringt." Tatsächlich hätten die zahlreichen Wetten auf eine griechische Staatspleite doch ihr Gutes, findet Burghof: Sie seien ein klarer Hinweis auf den dramatischen Zustand des griechischen Haushalts.

Die eigentliche Krise hätten nicht die Investoren ausgelöst, sondern griechische Politiker, erinnert Burghof, "weil sie über Jahre hinweg eine hochunseriöse Haushaltspolitik betrieben haben".

Griechenland hatte sich 2001 mit gefälschten Statistiken in die Euro-Zone geschummelt, auch in den Jahren danach fehlte jede Haushaltsdisziplin. 300 Milliarden Euro Schulden häufte das Land an. Doch die dramatischen Zustände wurden sorgsam verschleiert. Erst als der amtierende Premier Georgios Papandreou die Regierungsmacht übernahm, sprach er Tacheles: Das Haushaltsdefizit für 2009 liege mit 12,7 Prozent mehr als doppelt so hoch wie ursprünglich erwartet, meldete er nach Brüssel. Der Schock an den Märkten war enorm: Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen schossen in die Höhe.

Gegen solide Staatsfinanzen sind Spekulanten machtlos

Möglicherweise haben Investoren mit höchst zweifelhaften Zockereien die verheerende Situation verschärft. Im Februar hielten Anleger der BaFin zufolge Kreditausfallversicherungen für griechische Staatsanleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar. Das ist doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Die BaFin erklärt in einer Stellungnahme jedoch, für massive Spekulationen gegen griechische Anleihen gebe es bislang noch keine Anzeichen. Das Wachstum erkläre sich vor allem durch die gestiegene Nachfrage "nach Kreditabsicherung für das Länderrisiko Griechenland".

Ökonom Burghof ist zudem überzeugt: Wenn der EU-Stabilitätspakt konsequent angewandt würde, jedes Land also seine Verschuldung im Griff hätte und solide wirtschaften würde, "dann kann auch ein Spekulant mit Wetten gegen das Land nichts ausrichten - weil er am Ende falsch liegt".

Die aktuelle Marktentwicklung scheint dem Hohenheimer recht zu geben. Mittlerweile ist es für Griechenland wieder deutlich billiger geworden, an den Märkten Geld zu leihen. So ging der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen zurück: Im Vergleich zu zehnjährigen Bundesanleihen liegt er derzeit bei 2,8 Prozentpunkten. Ende Januar waren es noch vier Prozentpunkte. Auch ein CDS zur Absicherung griechischer Staatsschulden über zehn Millionen Euro kostet mittlerweile nur noch rund 283.000 und nicht mehr 444.700 Euro wie Anfang Februar. So mancher Beobachter führt das auf das rigide Sparprogramm zurück, das Papandreou in Griechenland eingeleitet hat.

Mit anderen Worten: Sobald ein Staat wieder solide wirtschaftet, sind die Spekulanten machtlos.

mit Material von Reuters
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