Griechischer Ministerpräsident Tsipras "Die EZB hält das Seil um unseren Hals"

Wie bekommt Griechenland die dringend benötigten Milliarden für die kommenden Wochen? Durch die Ausgabe kurzfristiger Anleihen, sagt Ministerpräsident Alexis Tsipras im SPIEGEL-Gespräch - und schiebt die Verantwortung der EZB zu.
Griechenlands Ministerpräsident Tsipras: "Dann kehrt der Thriller zurück"

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras: "Dann kehrt der Thriller zurück"

Foto: ALKIS KONSTANTINIDIS/ REUTERS

Hamburg - Griechenland will seine drohende Finanzierungslücke in den kommenden Wochen mit kurzfristigen Anleihen überbrücken. Das kündigte Ministerpräsident Alexis Tsipras in einem SPIEGEL-Gespräch an. Sollte die Europäische Zentralbank diesem Plan nicht zustimmen, übernehme sie eine große Verantwortung, drohte er: "Dann kehrt der Thriller zurück, den wir vor dem 20. Februar gesehen haben." Das wäre aber eine politische Entscheidung, "die nicht von Technokraten gefällt werden sollte". Tsipras sagte: "Die EZB hält immer noch das Seil, das um unseren Hals liegt." (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Einen "Grexit" schließe er aus, "weil ich Europa liebe". Mit der Eurozone, ergänzte Tsipras, verhalte es sich wie mit einem Wollpullover: "Wenn er einmal anfängt sich aufzulösen, dann lässt sich das nicht mehr stoppen."

Tsipras verteidigte die sechs Reformvorschläge, die seine Regierung am Montag bei der Sitzung der Euro-Gruppe in Brüssel vorlegen wird. "Erstens: die Bekämpfung der humanitären Krise. Wir wollen eine elektronische Bürgerkarte schaffen, mit der staatliche Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können." Mit ihr sollen Bedürftige künftig Lebensmittel und Strom beziehen.

Als weitere Punkte nannte er eine notwendige Verwaltungsreform, Ratenzahlungen für Steuerschulden, die Einrichtung eines politisch unabhängigen Steuerrates sowie eine Taskforce für Steuerkontrollen. Die Besetzung der Taskforce solle alle zwei Monate geändert werden, um Korruption zu verhindern.

Tsipras sagte zu Meldungen, dass er seinen Finanzminister Giannis Varoufakis zurückgerufen habe: "Ich habe von allen Mitgliedern des Ministerrates weniger Worte und mehr Taten gefordert, nicht nur von Herrn Varoufakis."

Im Video: Der Wutfänger - Die Karriere von Alexis Tsipras

DER SPIEGEL