Griechenlands Geldnot Auf zum Endspurt, der nie endet

Schluss mit der Osterruhe: Diese Woche stellt Griechenland vor neue Entscheidungen. Unter anderem muss das Land eine Kreditrate an den Internationalen Währungsfonds überweisen. Doch wovon?

Olympiastadion in Athen (Archiv): Wird der Verhandlungsmarathon jemals enden?
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Olympiastadion in Athen (Archiv): Wird der Verhandlungsmarathon jemals enden?

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Die Osterfeiertage haben der griechischen Regierung nur wenig Ruhe gebracht: Finanzminister Gianis Varoufakis musste der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, persönlich versichern, dass Griechenland den am 9. April fälligen Kredit zurückzahlen - und die stockenden Gespräche mit den Gläubigern "verbessern" werde. Die US-Regierung speiste den Griechen gar mit einem Gesprächspartner aus der zweiten Reihe ab. Der Finanz-Staatssekretär durfte aber von Athen ebenfalls "ernsthafte Verhandlungen" mit den Gläubigern verlangen.

Auch die EU erhöht Druck erneut - , vor allem weil Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras am Mittwoch zum russischen Präsidenten Wladimir Putin reist. Der Ministerpräsident dürfte auch in Moskau nach Möglichkeiten suchen, seinen Staatshaushalt zu sanieren. Freundliche Signale sendet die Syriza-Regierung schon seit Ende Januar Richtung Kreml. Um die Geldnot der Griechen zu lindern, wären mehrere Hilfen denkbar:

  • Putin könnte Rabatte auf Gaslieferungen des Staatskonzerns Gazprom anbieten. Griechenland bezieht mehr als 60 Prozent seiner Gaslieferungen von Gazprom. Der Kreml könnte sich von einem Griechen-Rabatt langfristige strategische Vorteile versprechen: Nachdem im vergangenen Jahr die South-Stream-Pipeline durch Bulgarien scheiterte, könnte Moskau versuchen, die Leitungen direkt durch die Türkei nach Griechenland zu legen.

  • Der russischen Tageszeitung "Kommersant" zufolge dürfte Putin der griechischen Regierung aber auch Kredite in Aussicht stellen. Demnach soll der russische Präsident als Gegenleistung Anteile an griechischem Staatsbesitz im Auge haben. Um diese Kredite zu stemmen, hat Russland trotz der Wirtschaftskrise noch ausreichend Reserven.

  • Im Ukraine-Konflikt hat die EU Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Die will Moskau loswerden - und sucht dafür in der EU nach Verbündeten. Tsipras hat sich schon mehrfach für eine Lockerung der Sanktionen ausgesprochen, auch aus eigenem Interesse: Russland hat im Gegenzug den Import einiger Produkte aus der EU verboten. Griechische Landwirte sind davon besonders hart betroffen, gut ein Viertel ihrer Produktion von Erdbeeren, Kiwis oder Pfirsichen geht normalerweise nach Russland - die Einbußen werden auf rund 430 Millionen Dollar geschätzt. Moskau hat angekündigt, die Aussetzung des Einfuhrstopps für griechisches Obst in dieser Woche zu prüfen.

Was auch immer Tsipras und Putin vereinbaren könnten, der Druck auf den Griechen ist hoch: Seit Wochen bittet Griechenland vor allem bei der Euro-Gruppe um frisches Geld, um wenigstens die bis Juni anstehenden Zahlungen leisten zu können. Jetzt beginnt ein neuer Endspurt - der eher einem Marathon gleicht. Denn nach der am 9. April fälligen Kreditrate an den IWF gibt es keine Pause. Bis Mitte Mai muss das Land insgesamt 6,6 Milliarden Euro Schulden und Zinsen begleichen, darunter fast eine Milliarde an den IWF (siehe Grafik).

In Athen hofft man weiter auf eine schnelle Auszahlung der restlichen gut sieben Milliarden Euro aus dem Hilfspaket, allerdings stocken die Verhandlungen darüber. In gut zwei Wochen will Griechenland das Geld zusammen haben. Die nächsten Schritte:

  • In dieser Woche sollen die technischen Prüfungen von IWF-Experten in Athen wieder aufgenommen werden.

  • Am 8. April reist Ministerpräsident Alexis Tsipras zu Gesprächen nach Moskau.

  • Am selben Tag beraten die EU-Finanzstaatssekretäre über die aktuellen Reformpläne der Griechen. Bis Donnerstagmorgen sollen sie die griechischen Reformvorschläge genauer unter die Lupe nehmen und das kommende Finanzministertreffen vorbereiten.

  • Am 24. April nämlich treffen sich in Riga die Finanzminister der Euro-Gruppe. Spätestens bis zu diesem Termin will die griechische Regierung nach eigener Aussage den Durchbruch schaffen.

Sollte es nicht dazu kommen, wird Athen entgegen der jüngsten Äußerung wohl doch erneut die harte Entscheidung treffen müssen: Soll sie erst die Gläubiger bedienen oder erst die Renten und die Gehälter an die Staatsbediensteten auszahlen?

insgesamt 157 Beiträge
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spmc-129372683232763 07.04.2015
1. Es gibt nur zwei ebenso aktuelle wie entscheidende
Informationen: 1. "Die Mitgliedschaft im € ist unumkehrbar!"( Merkel) 2. "Gerade wir Deutschen müssen Griechenland retten- wieder und wieder"!( Schäuble) Daraus folgt: Die Griechen werden (am Ende) ein Angebot bekommen,"das sie nicht ablehnen können"!
ulrich g 07.04.2015
2. Ilias
Was Varouvakis veranstaltet erinnert in verblüffender Art und Weise an die Ilias: die Irrfahrten des Odiseus. Da sich auch andere Heroen der griechischen Geschichte - wie z.B. Jason auf der Suche nach dem goldenen Flies - über mehrere Jahre in der Weltgeschichte verirrten, muss man fasst annehmen, dass Irrfahrten eine griechische Tugend sind. Mal schauen wo Varouvakis als nächstes strandet.
cheftoni 07.04.2015
3. Ostern, die zweite
Schluss mit der Osterruhe!!! ???. Tja, in Griechenland gehen die Osterfeste erst los. Also keine Panik.
mont_ventoux 07.04.2015
4. Totes Pferd
Griechenland hat sich den Zugang zum Euro durch Betrug erschlichen. Die erforderlichen Kriterien wurden nie erfüllt. Weshalb sollte also eine erneute, kurzfristige "Rettung" mit europäischem Steuergeld irgendwas ändern? Wenn man ein totes Pferd reitet, muss man absteigen.
eskimoser 07.04.2015
5.
Ach, wenn doch der Schrecken bloss bald mal ein Ende finden wuerde! Wenn Mutti doch nur nicht solche 'Alternativlos' Politik machen wuerde ....!
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