Erfolgreiches Comeback Griechenland scheffelt drei Milliarden Euro mit Anleihe-Verkauf

Griechenland feiert einen beeindruckenden Erfolg mit seinem Anleiheverkauf: Die Anleger rissen dem Krisenland die Staatsanleihen förmlich aus der Hand und geben sich mit überraschend niedrigen Zinsen zufrieden.


Athen/Frankfurt am Main/London - So etwas nennt man ein überzeugendes Comeback: Fast vier Jahre nach dem finanziellen Kollaps hat sich Griechenland am Donnerstag erstmals wieder Kapital bei privaten Investoren beschafft. Laut dem Finanzministerium in Athen spülte die Auktion von Staatsanleihen mit fünfjähriger Laufzeit drei Milliarden Euro in die Kassen. Die Anleger erhalten dafür einen Zinssatz von 4,75 Prozent.

"Die Nachfrage nach den Bonds war sehr stark", teilte das Finanzministerium mit. Etwa 90 Prozent der Staatsanleihen seien an institutionelle Investoren im Ausland gegangen.

Damit übertraf die Ausgabe der Anleihen deutlich die Erwartungen der Regierung in Athen. Denn im Vorfeld waren aus dem Umfeld des Finanzministeriums zwei Zielmarken genannt worden: Demnach sollte die Auktion 2,5 Milliarden Euro einspielen, am besten zu Zinsen unter 5,3 Prozent.

Schon kurz nach Beginn um 10 Uhr deutscher Zeit ließen erste Informationen von den Finanzmärkten auf einen riesigen Erfolg der Auktion schließen: 550 Anleger hatten demnach zusammen mehr als 20 Milliarden Euro für die fünfjährige Staatsanleihe geboten. Auch Vizeministerpräsident Evangelos Venizelos hatte die Summe indirekt bei einem Auftritt im griechischen Fernsehen bestätigt.

So funktionieren Staatsanleihen
Warum geben Staaten Anleihen aus?
Staaten brauchen Geld, um ihre Ausgaben zu finanzieren, zum Beispiel für Beamte, Sozialleistungen, Bundeswehr oder Straßenbau. Wenn ein Staat nicht genügend Geld mit Steuern und Abgaben einnimmt, muss er Schulden machen. Dazu verkauft er Anleihen an Investoren. Diese Papiere sind wie Schuldscheine: Der Staat leiht sich damit zum Beispiel 1000 Euro pro Papier und verpflichtet sich, den Betrag zum Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Die Laufzeit kann zum Beispiel 2, 5, 10 oder 30 Jahre betragen.
Wie hoch sind die Zinsen?
Damit sich das Geschäft für die Geldgeber lohnt, muss der Staat ihnen Zinsen versprechen. Wie hoch diese sind, hängt vom allgemeinen Zinsniveau am Kapitalmarkt ab, aber auch von der Wahrscheinlichkeit, mit der die Investoren ihr Geld am Ende der Laufzeit wiederbekommen, also von der Bonität des Schuldners. Deutschland etwa gilt als sehr guter Schuldner und muss den Investoren traditionell nur sehr niedrige Zinsen bieten. Bei anderen Staaten sind die Anleger vorsichtiger und kaufen Anleihen nur, wenn sie dafür hohe Renditen bekommen.
Wie läuft der Verkauf der Anleihen?
Die Anleihen werden in der Regel in einer Auktion versteigert. In Deutschland macht das die Finanzagentur. Sie versteigert die Papiere zunächst an einen festen Kreis von Banken, die im Rahmen einer vorgegebenen Preisspanne Gebote abgeben. Je nach Nachfrage ergibt sich daraus ein etwas höherer oder niedrigerer Ausgabekurs. Zusammen mit dem Zinssatz bestimmt dieser Kurs die jährliche Rendite der Anleihen.
Warum verändert sich die Rendite einer Anleihe?
Der Zins einer Anleihe bleibt in der Regel über die gesamte Laufzeit gleich, aber die Rendite der Investoren kann sich drastisch ändern. Sie ergibt sich nämlich aus dem festgelegten Zins (auch Kupon genannt) und dem Kurs der Anleihe. Fällt der Kurs, weil mehr Anleger verkaufen als kaufen wollen, steigt die Rendite. Sie spiegelt damit ein höheres Risiko für die Investoren wider, man spricht deshalb auch vor einem Risikoaufschlag.
Regelrecht euphorisch kommentierten griechische und europäische Finanzexperten die Rückkehr des Krisenstaats an die Finanzmärkte. "Das sind extrem gute Nachrichten", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia in Athen. Die gelungene Auktion werde in Europa Vertrauen stärken, dass die Krise überwunden werde. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) lobte den Schritt: Es sei ein "Zeichen, dass Griechenland auf dem richtigen Weg ist", sagte IWF-Direktorin Christine Lagarde in Washington. Griechenlands Finanzminister Yannis Stournaras sprach von einem "riesigen Erfolg".

"Es ist ein Durchbruch"

Auch unabhängige Wirtschaftsexperten bewerteten die ersten Zahlen sehr positiv. "Es ist ein Durchbruch, vor allem weil die Markterwartungen in der Ökonomie besonders wichtig sind", sagte Thodoris Pelagidis, Ökonom an der Universität von Piräus und Senior Fellow der Brookings Institution, SPIEGEL ONLINE. "Wir neigen dazu, Milliarden als Kleinigkeiten zu sehen. Dies ist kein Feuerwerk, sondern echtes Geld."

Eine erfolgreiche Auktion ändere jedoch nichts an zwei Fakten: "Wir müssen wie versprochen über die Tragfähigkeit der übrigen Schulden verhandeln, und Griechenland braucht weitere Reformen." Pelagidis wies darauf hin, dass mit dem eingenommenen Geld auch eine neue Finanzlücke gestopft werden müsse. Diese entstehe dadurch, dass angestrebte Privatisierungserlöse nicht wie geplant erzielt werden. Die ursprünglich für 2014 angestrebte Summe von 3,6 Milliarden Euro wurde vergangene Woche auf 1,5 Milliarden Euro reduziert.

In der griechischen Öffentlichkeit war die Auktion im Vorfeld mit gemischten Gefühlen erwartet worden. Während viele Bürger sich äußerst skeptisch zeigten, feierten viele führende Zeitungen die geplante Auktion als Zeichen der Emanzipation. Eher linke Zeitungen wiesen jedoch darauf hin, dass die Zinsen für die Anleihen höher liegen würden als die für die Hilfskredite. Neue, harte Sparmaßnahmen seien wahrscheinlich. Auch der griechische Regierungschef Antonis Samaras warnte im Fernsehen davor, schon das Ende aller Mühen auszurufen. "Macht keinen Fehler: Wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte Samaras. Griechenland habe nun einen entscheidenden Schritt gemacht und die Bürger würden bald auch die positiven Folgen dieser Politik spüren.

Der bis zu diesem Donnerstag letzte Versuch Griechenlands, Kredite von privaten Investoren zu erhalten, war traumatisch verlaufen: Athen wollte sich im April 2010 eine Milliarde Euro für 20 Jahre leihen. Es kamen aber nur Angebote für lediglich 390 Millionen Euro zusammen. Wenige Tage später rief Athen die Euro-Partner zu Hilfe. Seitdem war das Land vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten und konnte seine Zahlungsfähigkeit nur durch Kreditpakete der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufrechterhalten. In der Hochphase der Schuldenkrise kletterte die Rendite zehnjähriger Papiere deswegen zeitweise auf über 30 Prozent.

fdi/dab/gec/Reuters/dpa-AFX/AFP

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sci666 10.04.2014
1. ... wenns jetzt weider bergauf geht ...
... dann kann ja das tolle Griechenland seine Schulden die es bei uns hat bezahlen ??!
xtommysx 10.04.2014
2. comeback
wieso scheffeln die denn 3 milliarden und wo gehen die genau hin ? die garantie liegt beim normalen bürger und steuerzahler das diese anleihen überhaupt etwas wert sind , denn wenn nicht dann müssen die wieder einspringen und den investoren = banken das ausgeliehene geld zurückzahlen geld das sich die banken selbst geliehen haben zu niedrigeren zinsen , wie verdreht und dreist das alles ist ...
subzero81 10.04.2014
3. Grundübel
ZITAT BEGIN SPIEGEL zu "warum geben Staaten Anleihen aus": Staaten brauchen Geld, um ihre Ausgaben zu finanzieren, zum Beispiel für Beamte, Sozialleistungen, Bundeswehr oder Straßenbau. Wenn ein Staat nicht genügend Geld mit Steuern und Abgaben einnimmt, muss er Schulden machen. Dazu verkauft er Anleihen an Investoren. Diese Papiere sind wie Schuldscheine: Der Staat leiht sich damit zum Beispiel 1000 Euro pro Papier und verpflichtet sich, den Betrag zum Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Die Laufzeit kann zum Beispiel 2, 5, 10 oder 30 Jahre betragen. ZITAT ENDE Na? Wer erkennt das Grundübel??? -> jetzt geht das ganze Drama wieder von vorne los. Bis sie das nächste Mal zahlungsunfähig sind... Schande!
max-mustermann 10.04.2014
4.
Ist doch logisch, die EU hat ja gesagt das sie Griechenland nicht Pleite gehen lassen wird, koste es den Europäischen Steuerzahler was es wolle, ergo sind die Staatsanleihen eine super Sache für die Zocker.
angnaria 10.04.2014
5. Die Hedgefonds
machen es nicht anders wie jeder vernünftige Drogendealer: Jetzt wird dem Opfer günstig Stoff gegeben, bis er (erneut) in Abhängigkeit gerät. Ist das Opfer dann erst süchtig, wird die Schraube angedreht.
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