Griechenland Bundesregierung angeblich bereit zu weiteren Schuldenerleichterungen

Deutschland weicht offenbar von seiner harten Linie ab, um die Griechenland-Verhandlungen bald abzuschließen. Nach Angaben aus Athen ist die Bundesregierung offen für neue Zugeständnisse.
Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras

Foto: Thanassis Stavrakis/ dpa

In die Verhandlungen zwischen Griechenland und den Euro-Partnern kommt Bewegung. "Wir sind nur eine Haaresbreite von einer Einigung entfernt", sagte ein hochrangiger griechischer Verhandlungsteilnehmer am Samstag dem SPIEGEL.

Demnach ist die Bundesregierung bereit, vor 2018 der Regierung von Premier Alexis Tsipras weitere Schuldenerleichterungen zu gewähren. Dies könnte in Form von Zinsanpassung und Laufzeitverlängerung geschehen. Auch besteht Berlin offenbar nicht mehr darauf, dass Griechenland zehn Jahre lang einen Primärüberschuss von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erwirtschaften muss. Beides wäre eine Abkehr von bisherigen Positionen. Griechenland will im Gegenzug umstrittene Reformen sofort umsetzen.

Seit Monaten ringen Griechenland und die Geldgeber darum, die zweite Überprüfung des laufenden dritten Hilfsprogramms von bis zu 86 Milliarden Euro erfolgreich abzuschließen. Geprüft werden die Reformfortschritte Athens. Davon ist die Freigabe der nächsten Kredittranchen abhängig. Auch will der Internationale Währungsfonds (IWF) danach entschieden, ob er sich an dem Programm beteiligt.

Nach Angaben des griechischen Verhandlungsteilnehmers ist der IWF inzwischen bereit, die griechische Staatsverschuldung als tragfähig anzuerkennen und das Programm zu unterstützen.

Der sich abzeichnende Kompromiss verlangt ein Einlenken auf allen Seiten: Deutschland muss weitere Schuldenerleichterungen schlucken, Griechenland weitere Reformen akzeptieren und der IWF Abstriche an seinen ursprünglichen Konditionen hinnehmen.

Die Alternative wäre eine endlose Hängepartie mit möglicherweise desaströsen Folgen. Spätestens im Juli würde Athen das Geld ausgehen, wenn große Kredite fällig werden. Die Euro-Zone stünde vor einer neuen Grexit-Debatte im Sommer.

Schon jetzt leidet Griechenland unter der monatelangen Verzögerung. Große internationale Unternehmen halten Investitionen zurück, die Zahl der Kreditausfälle steigt, Spareinlagen bei den Banken stagnieren oder fallen, nachdem sie bereits wieder gestiegen waren.

Im Fall einer Einigung will Griechenland noch 2017 zum ersten Mal wieder Staatsanleihen an den Finanzmärkten platzieren. "Wir streben zunächst eine vorläufige Rückkehr an den Kapitalmarkt an", sagte Vizepremier Yannis Dragasakis dem SPIEGEL. "Das könnte noch in diesem Jahr geschehen, wenn die zweite Überprüfung schnell abgeschlossen ist und Griechenland wieder ins Anleihekaufprogramm der EZB aufgenommen ist." Wenn das dritte Hilfspaket im Sommer 2018 ausläuft, soll das Land wieder wirtschaftlich unabhängig sein.

Zentralbankchef Yannis Stournaras schlug am Samstag bei einer Wirtschaftskonferenz in Delphi vor, dass das Ziel eines jährlichen Primärüberschusses von 3,5 Prozent nur bis 2020 gelten sollte. Danach sollten zwei Prozent ausreichen. So könne Griechenland versuchen, über niedrigere Steuersätze das Wachstum anzukurbeln. Nach Informationen des SPIEGEL haben griechische Vertreter diesen Vorschlag bereits dem französischen Finanzministerium vorgestellt - und auch Berlin soll sich offen zeigen.

Fotostrecke

Fotostrecke: Die Chronik der Griechenlandkrise

Foto: ? Reuters Photographer / Reuters/ REUTERS
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.