Griechenland-Hilfen Lagarde dringt auf Schuldendiskussion

IWF-Chefin Lagarde fordert von den Euro-Geldgebern eine baldige Diskussion über Schuldenerleichterungen für Griechenland. Erst dann werde der Fonds über eine Beteiligung am Kreditprogramm entscheiden.

IWF-Direktorin Christine Lagarde (in Brüssel)
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IWF-Direktorin Christine Lagarde (in Brüssel)


Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert konkrete Vereinbarungen zu Schuldenerleichterungen für Griechenland nach 2018, bevor er über die Beteiligung am Hilfsprogramm entscheidet. In der Diskussion sei erst die "Hälfte des Wegs" zurückgelegt, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde in Brüssel.

Die Euro-Gruppe und Griechenland hatten sich am Freitag im Prinzip auf weitere Reformschritte geeinigt, die den Weg zu weiteren Hilfszahlungen aus dem bis zu 86 Milliarden Euro schweren Programm ebnen sollen. (Eine Analyse über die aktuelle Lage in Griechenland lesen sie hier.)

Der IWF will aber erst nach der Verabschiedung der Reformen und einer Analyse über die Tragfähigkeit der griechischen Schulden entscheiden, ob er sich am Programm finanziell beteiligt. Diese Beteiligung halten die Parlamente in den Niederlanden und Deutschland für unabdingbar.

Lagarde äußerte sich auch zur Lage der Weltwirtschaft, die aus Sicht des IWF an Fahrt gewinnt. Für die Industrieländer habe sich der Ausblick verbessert, Schwellenländer würden 2017 mehr als drei Viertel zum globalen Wachstum beitragen und weniger entwickelte Länder profitierten von höheren Rohstoffpreisen, sagte die IWF-Direktorin. "Alles zusammengenommen sehen wir eine Weltwirtschaft in beschwingtem Schritt." Zahlen werde sie in der kommenden Woche bei der IWF-Tagung vorlegen.

Gleichzeitig warnte Lagarde vor Risiken. Dazu zählte sie in Europa die Bedingungen des EU-Austritts Großbritanniens und das "Schwert des Protektionismus" über dem Welthandel. Nötig seien mehr internationale Zusammenarbeit und mehr internationaler Handel in einer "hypervernetzten Welt".

nck/Reuters/dpa

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ProDe 12.04.2017
1. Theater geht in die Verlängerung...
es bleibt das miese alte Spiel. Der IWF ist genauso extremistisch, ideologisch neoliberal wie Schäuble und wird sich auch diesmal beteiligen. Ich frage mich nur warum unsere Regierung diesen ganzen Umweg über Privatisierung der Infrastruktur und Maut geht - sie kann das Steuer-Geld den Versicherungen und Banken über die Griechenland-Rettungen doch viel einfacher zukommen lassen. Aber vielleicht ist das sozusagen Extra-Money...
retterdernation 12.04.2017
2. Da würde ich Geld darauf setzen
das vor den Bundestagswahlen unter keinen Umständen verhandelt wird. Erinnern Wir uns, wie es vor den letzten BW war ... in den zwei Jahren danach - brauchten die Griechen im Halbjahrestakt frisches, neues Geld. Was auch kein Wunder ist, wenn das BIP zwischen 2008 und 2015 von 330,84 auf 195,32 Milliarden Euro gefallen ist. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14398/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-griechenland/. Wenn man seinen Wohlstand verteidigt - dann braucht man Geld - wenn es dazu nicht mehr erwirtschaftet wird. Seit dem ersten Rettungspaket etwa 2010 haben die Griechen bis 11/2016 - 248 Milliarden Euro bekommen. Sicherlich auch - um alte Kredite abzulösen - aber auch, um die Staatsausgaben zu decken, was etwa 40% ausmacht, die die anderen EU Staaten für die Griechen tragen durch die Kredite. Also - die Griechen brauchen neues Geld - die Wette gilt - vor den Bundestagswahlen geht aber nichts! Danach dann um so mehr.
kurowski86 13.04.2017
3. An Griechenland zerbricht die EU
Mit England ist erstes Geberland ausgeschieden. Neben vielen Gründen war der Hauptgrund, zu viel Geld nach Brüssel überweisen zu müssen. Von diesen Überweisungen hat Griechenland in den letzten 15 Jahres mit Zinsstundung, Schuldenschnitt u.ä. ca. 400 Milliarden bekommen (Für 10 Mill. Griechen) Also mehr als die Bundesrepublik in einem Jahr ausgibt ( 2016 waren es 316 Milliarden für 80 Mill. Bürger ). Im gleichen Zeitraum stiegen aber die nationalen griechischen Schulden weiter an (Verschuldung 2005 = 132 Milliarden, heute 177 % des BIB = 316 Milliarden Euro). Griechenland muss also seit 2005 ca. 584 Milliarden (400 + 184) verprasst haben, denn Fortschritte in Zukunft von Wirtschaft und Bildung, nicht mal Gesundheit, ist nicht zu finden. Wo ist das Geld? Nach Presseberichten haben Griechen 400 Milliarden auf Schweizer Konten (wohl kaum beweisbar, aber glaubhaft) Nach einer Erhebung der EZB hat ein deutscher Haushalt ca. 50 000 € und ein griechischer Haushalt ca. 110 000 € zur Verfügung. Griechen sind also doppelt so reich wie Deutsche. Gleich welche Mängel die Erhebung haben mag, bei gleicher Anwendung ist sie doch vergleichbar. Auch in Deutschland sind 20 % von Armut bedroht und unsere Verkehrssysteme ist nicht nur marode, sondern für die heutige Wirtschaft schon völlig rückständig (s jährliche Staumeldungen). Nur mit entsprechender Presse und deutschem Untertanentum ist das ertragbar. In England gibt es das nicht. Deshalb sind die jetzt weg. Und die Bürger der anderen Geberländer lassen warnend europaablehende Parteien wachsen. Ohne einen realistischen Umgang mit den orientalischen Gehabe der Griechen wir die Europaidee sterben. Kein Geld mehr an Griechenland. Europäische Investitionen nur direkt in Zukunftsobjekte in Griechenland unter europäischer Führung. Alle Staatsgehälter, inkl. Ruhegehälter für 2 Jahre auf höchsten 2000 €/ Monat deckeln (Damit wären Renten von 8000 € endlich erledigt). Die wirklich Armen würden davon gar nichts merken! Alle Migranten bis zur Asylentscheidung nach Griechenland (vielleicht eine Insel) und mit europäischem Geld menschenwürdig versorgen (da finden Griechen endlich Arbeit!) Bei keiner Insolvenzfirma wird auf die persönliche Befindlichkeit Rücksicht genommen. Alte gefühlte Verantwortlichkeiten aus der Geschichte können auch mal für 2 Jahre ausgesetzt werden.
dallmann67 13.04.2017
4. Ursache und Wirkung
Ursache und Wirkung sollte man nicht vertauschen. Objektiv betrachtet stellt sich die "causa Griechenland" wie folgt dar: 1. Griechenland schummelt sich durch Vorlage gefälschter Bilanzen in die EU. 2. Griechenland will jetzt Hilfen, um nicht Bankrott zu gehen. Die von den Gläubigern dafür eingeforderten Reformen werden zwar - teilweise - versprochen, aber nicht umgesetzt (Korruption, Liberalisierung (zB Taxigewerbe), Einführung einer EFFEKTIVEN Steuerverwaltung, etc.......alles was einen modernen und funktions- sowie überlebensfähigen Staat eben ausmacht........ Griechenland will NICHT. Deshalb sollte man endlich die Reißleine ziehen. "Geopolitische Aspekte" dürfen nicht der maßgebliche Grund sein, Griechenland immer weiter zu finanzieren. Man muss sich hier einfach mal ehrlich machen. Spielregeln müssen nun mal eingehalten werden, wenn man mitspielen will. Sonst gibt es dir "Rote Karte"!
schulz-fan 13.04.2017
5.
Ich habe das Griechen-Bashing langsam satt. Seit zehn Jahren geht das Land am Stock. Den einfachen Griechen geht es echt dreckig. Was nützt es dem einfachen Mann auf der griechischen Straße, wenn ca. 400 Milliarden auf Schweizer Konten liegen? Davon kann sich kein Armer was kaufen. Das wäre so, wie wenn man in Deutschland sagen würde, wir brauchen kinderreiche Familien nicht zu unterstützen, weil Frau Klatten ja noch so viel auf der Bank liegen hat. - Aber mittlerweile ist ja kein Argument mehr zu schade, um von dem eigentlichen Problem abzulenken: Griechenland ist unterkapitalisiert. Die griechische Ökonomie braucht dringend (lieber gestern als heute) frisches Geld, damit die Talsohle durchschritten werden kann. Wenn ein Unternehmen keine Liquidität mehr hat, braucht es auch frisches Geld. Warum sollte das im Falle des griechischen Staates anders sein? Es ist absurd, zu glauben, Griechenland könne wieder auf die Beine kommen, wenn man das Land ständig knapp bei Kasse hält. Das begreift Schäuble nicht. Er spart Griechenland kaputt. Das muß aufhören. Für mich ist das einer von vielen Gründen, im September mein Kreuz bei Martin Schulz zu machen.
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