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14. Juni 2012, 16:39 Uhr

Griechenland

Deutsche Firmen sollen Konten räumen

Der erste Regierungschef der Euro-Zone spricht offen über einen Austritt Griechenlands: Wenn bei der Wahl am Sonntag die Reformgegner gewinnen, will der slowakische Premier die Rückkehr zur Drachme fordern. Ein Unternehmensberater rät deutschen Firmen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Frankfurt am Main - Aus Angst vor einem Bankenkollaps räumen viele Griechen ihre Konten leer. Führende Mitarbeiter der Geldinstitute sprechen von täglich bis zu 500 Millionen Euro, die abgezogen werden. Nach offiziellen Angaben beträgt die Gesamtsumme seit 2009 rund 80 Milliarden Euro. Auch deutsche Unternehmen seien gut beraten, ihre Kontostände bei Banken in Griechenland zu reduzieren, sagte nun Folker Trepte, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Es sei "ratsam, die Bestände in dem Land auf das notwendige Maß zu reduzieren".

Denn sollten die Reformgegner die Wahl an diesem Sonntag gewinnen, könnte Griechenland schon bald aus der Euro-Zone austreten. Das Linksbündnis Syriza hat angekündigt, bei einem Wahlsieg die Vereinbarungen mit EU und IWF aufzukündigen. Wenn die Geldgeber dann ihre Zahlungen einstellen, droht dem Land der Kollaps.

Die Regierung in Athen müsse dann relativ schnell eine eigene Währung einführen, sagte PwC-Experte Trepte: "Im Moment werden schon sehr viele Euro abgehoben." Er empfiehlt deutschen Unternehmen, ihre Geldbestände möglichst in Euro zu belassen, die Zahlungsfähigkeit in Griechenland aber sicherzustellen: "Das heißt, sie benötigen lokale Konten, über die sie, etwa mit griechischen Drachmen bei Austritt aus dem Euro, weiter am Geschäftsleben teilnehmen können." Allerdings sollte auf diesen Konten nur das Geld bleiben, das für den Geschäftsbetrieb unbedingt erforderlich ist.

Deutsche Bank rechnet nicht mit Griechen-Austritt

Die Deutsche Bank hält einen Euro-Austritt Griechenlands dagegen für unwahrscheinlich. Die Bank habe zwar intern mögliche Konsequenzen eines Euro-Austritts erörtert, jedoch mit der Überzeugung einer sehr niedrigen Wahrscheinlichkeit, sagte Finanzvorstand Stefan Krause am Donnerstag. Er übte scharfe Kritik an den Rating-Agenturen. Sie müssten transparenter agieren, um Vertrauen wieder herzustellen.

In Gesprächen mit Investoren sei Krause aufgefallen, dass die Besorgnis um die Zukunft des Euro umso mehr steigt, je weiter man sich von den Kernländern entfernt. Die Risiken eines Euro-Austritts seien sehr hoch, betonte Krause. "Wir wissen nicht, wie dann die Dominosteine fallen werden", erklärte er.

Slowakischer Regierungschef droht Griechenland

Die Finanzminister der Euro-Länder halten sich bereit, am Sonntag unmittelbar nach der Wahl in Griechenland über mögliche Konsequenzen zu beraten. "Jeder wird in Bereitschaft sein", sagte ein EU-Insider. Bevor das Wahlergebnis nicht feststehe, ist aber offiziell nichts geplant. Eine Telefonkonferenz sei jedoch "schnell einzuberufen", sagte ein Sprecher des Euro-Gruppen-Vorsitzenden Jean-Claude Juncker.

Bei einem Abweichen Griechenlands vom vereinbarten Reformweg dringt die Slowakei auf den Euro-Austritt des klammen Landes. Sollte Griechenland den in den Rettungsprogrammen festgelegten Auflagen nicht nachkommen, werde die Slowakei Griechenlands Austritt verlangen, sagte der slowakische Regierungschef Robert Fico. Das gelte insbesondere für die Rückzahlung der Kredite.

cte/dpa/Reuters

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