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21. November 2013, 18:36 Uhr

Schuldenkrise

Griechen erzielen unerwartet hohen Haushaltsüberschuss

Es ist ein Hoffnungsschimmer für das hochverschuldete Griechenland: Der Haushaltsüberschuss ohne Zinskosten soll laut Regierung mindestens 812 Millionen Euro betragen. Kanzlerin Merkel sprach dem Land ihre Hochachtung aus.

Brüssel - Griechenland erzielt nach jahrelangen Rückschlägen Erfolge im Kampf gegen die Schuldenkrise. Der Überschuss im Staatshaushalt wird der Regierung zufolge in diesem Jahr doppelt so hoch ausfallen wie bislang erwartet. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft zudem endlich der Rezession entkommen. Einen Tag vor einem Treffen mit Ministerpräsident Antonis Samaras sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Land "sehr große Hochachtung" aus. Die Gläubiger-Troika sieht allerdings noch "Klärungsbedarf", bevor sie die nächste Kredittranche freigibt. Zudem wurde gleichzeitig auch Ungeduld über das langsame Tempo der Reformen laut.

Der Primärhaushalt - bei dem die Zinskosten unberücksichtigt bleiben - werde dank unerwartet hoher Steuereinnahmen mit mindestens 812 Millionen Euro im Plus liegen, erklärte die Regierung in Athen. Bislang war lediglich ein Überschuss von 344 Millionen Euro erwartet worden. Nach sechs Jahren Rezession erwartet die Regierung fürs kommende Jahr zudem einen Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent.

Merkel sagte beim Deutschen Handelskongress in Berlin, zwar sei in Griechenland vieles noch nicht so, wie man sich das aus deutscher Sicht vorstelle. Aber die Änderungen in dem Land in den vergangenen Jahren seien "absolut bemerkenswert". "Wir können jetzt die ersten Erfolge sehen", sagte Merkel. Ihren Worten zufolge hätte niemand mit einem Primärüberschuss Griechenlands in diesem Jahr gerechnet.

Die internationalen Geldgeber sprechen nach der aktuellen Prüfung der Reformbemühungen zwar auch von Fortschritten, geben sich aber noch nicht zufrieden. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, äußerte sich zudem frustriert über die Gespräche. "Viele Finanzminister der Euro-Zone verlieren langsam die Geduld", sagte Dijsselbloem der Zeitung "Ta Nea". "Die Gespräche über die Fortschritte des Landes - oder besser den Mangel an Fortschritten - bei der Erfüllung der Pflichten werden fortgesetzt."

Die Regierung in Athen streitet seit Monaten mit der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) darüber, wie eine Lücke im Haushalt geschlossen werden soll. Ohne eine Einigung mit der Regierung steht die Überweisung der nächsten Tranche für das hoch verschuldete Euro-Land auf dem Spiel. Nach Angaben des IWF hat Griechenland jedoch keinen dringenden Finanzbedarf. Das Land könne in den kommenden Monaten notfalls auf seine eigenen Polster zurückgreifen.

cte/Reuters

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