Euro-Gruppe Griechenland bekommt weitere Schuldenerleichterungen

Die Europartner haben die Kreditbedingungen für Griechenland ein weiteres Mal verbessert. Die Hilfe könnte laut ESM-Chef Regling erheblich sein.

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem
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Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem


Die Europartner helfen Griechenland mit einem Paket zum besseren Schuldenmanagement. Die Finanzminister der Euroländer billigten am Montagabend eine Reihe von Maßnahmen, die in den kommenden Jahrzehnten Risiken bei Zinssteigerungen verringern sollen und teilweise die Laufzeiten der Schulden verlängern.

Seit 2010 ist Griechenland von internationalen Krediten abhängig. Für das dritte Hilfsprogramm in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro hatten sich die griechische Regierung und die Geldgeber auf ein umfangreiches Reformprogramm bis 2018 geeinigt. Welche Maßnahmen anschließend ergriffen werden könnten, sei noch nicht absehbar, sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.

Die Grundlage für die jetzigen Zugeständnisse der Eurofinanzminister seien bereits im Mai gelegt worden, sagte Dijsselbloem. Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) habe nun Details vorgelegt, die von den Ministern bewilligt wurden. Diese seien unabhängig von der laufenden Überprüfung des Spar- und Reformprogramms des Landes, bei der es vor allem bei der Arbeitsmarktreform noch Differenzen gebe.

ESM-Chef Klaus Regling zufolge sollen nun zunächst einmal durch eine Reihe technischer Maßnahmen die Kosten des griechischen Schuldendiensts reduziert werden. So sollen Rückzahlungszeiträume für Kredite aus dem zweiten Hilfsprogramm von 28 auf rund 32 Jahre gestreckt werden. Zudem soll Griechenland von den derzeit extrem günstigen Zinsen profitieren.

Alle Maßnahmen zusammen könnten nach ESM-Berechnungen den Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bis 2060 um etwa 20 Prozentpunkte verringern. Solch langfristige Berechnungen sind allerdings unsicher. Zuletzt betrugen die griechischen Staatsschulden rund 315 Milliarden Euro - etwa 180 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Unklar ist noch immer, wann der Internationale Währungsfonds (IWF) über eine Beteiligung am griechischen Hilfsprogramm entscheidet. Der IWF wollte sich dazu eigentlich bis Ende des Jahres äußern - damit rechnet Dijsselbloem nun nicht mehr.

Der Fonds, der aktuell nur als Berater am laufenden Hilfsprogramm beteiligt ist, hatte zuletzt immer wieder weitreichende Schuldenerleichterungen für Griechenland gefordert, damit das Land längerfristig wirtschaftlich wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Vor allem Deutschland stand den Forderungen bis dato kritisch gegenüber.

jgs/dpa/AFP



insgesamt 18 Beiträge
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Zukunft3.0 05.12.2016
1. Aufschub bis zum Skt. Nimmerleinstag
Schuldenstand bis 2060 um 20% im Verhältnis zum BIP verringern. Hat irgendjemand eine Vorstellung, wann GR die Schulden zurückgezahlt haben wird. Das ist soweit in die Zukunft, dass es von diesen Generationen keinen mehr interessiert, weil es schlicht viele gar nicht mehr wissen, zumindest der Ottonormalverbraucher nicht mehr. Die jeweils Herrschende Klasse ist fein raus und verlagert das Problem immer weiter in die Zukunft. Jeder weiß, dass GR diese Schulden niemals tilgen wird. Dies jetzt zuzugeben, wäre politischer Selbstmord. Wer will das schon. Also werden die Leute weiter verarscht.
rathals 05.12.2016
2. Dieses Herumgeeiere
ist schon mehr als peinlich. Jeder der noch 2 + 2 zusammen zählen kann weiß, dass GR niemals die Kredite zurückzahlen kann und auch will. Die Pläne sind wiedermal nur auf Zeit angelegt, um diese Fehlkonstruktion EU noch einige Jahre am Leben zu halten. Der 100 %ige Schuldenschnitt wird kommen - und wir werden zahlen müssen, dank Merkel.
hansriedl 06.12.2016
3. Schuldenuhr zu den Staatsschulden von Griechenland
Wer glaubt, die Griechen werden jemals ohne Fremdfinanzierung überleben muss ein Pharisäer sein, oder Schäuble heißen. Die Schuldenuhr der Griechen. http://www.haushaltssteuerung.de/schuldenuhr-griechenland.html Der Euroländer http://www.haushaltssteuerung.de/schuldenuhr-europa-eu-vergleich.html http://www.haushaltssteuerung.de/schuldenuhr-staatsverschuldung-usa.html Wünsche schöne fröhliche Weihnachten
DerDifferenzierteBlick 06.12.2016
4. Reale Schulden Griechenlands möglicherweise nicht einmal halb so groß
Vor ein paar Tagen waren bei Spon noch ein paar interessante Berechnungen genannt worden, nach denen der Schuldenstand Griechenlands real eigentlich nicht einmal halb so groß ist (nur 71% des BIP), da durch den bereits vor Jahren genehmigten versteckten Schuldenschnitt der europäischen Geldgeber - nämlich die niedrigen Zinsen, die Stundungen und die sehr langen Laufzeiten - der Zeitwert der Verbindlichkeiten deutlich niedriger ist. Dazu passen auch die Zahlen, dass Griechenlands Schuldendienst im Verhältnis teilweise niedriger ist, als bei Ländern wie Portugal oder Italien, die ja eigentlich eine sehr viel niedrigere Staatsverschuldung aufweisen.
DerDifferenzierteBlick 06.12.2016
5. Und hier noch der Link zu dem Artikel
(Siehe vorheriger Kommentar) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-und-die-schuldenlast-die-groesste-luege-des-jahrhunderts-a-1123999.html
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