Griechenland EZB deutet indirekte Beteiligung an Schuldenschnitt an

Beteiligt sich die Europäische Zentralbank an der Umschuldung von Griechenland? Bislang war die Antwort ein klares Nein. Jetzt aber nannte EZB-Chef Draghi einen Weg, wie sich die Währungshüter indirekt doch beteiligen könnten: den Verzicht auf Gewinne.

EZB-Zentrale in Frankfurt:
DPA

EZB-Zentrale in Frankfurt:


Athen - Seit sich die Regierung in Athen am Donnerstag auf ein neues Sparpaket einigte, ist der Schuldenschnitt für Griechenland wieder einen Schritt näher gerückt. Schon länger fordern Politiker und Experten, an der Umschuldung sollte sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligen. Doch die Währungshüter lehnten das bislang strikt ab.

Unmittelbar nach der Einigung in Griechenland signalisierte die EZB nun aber ihre Bereitschaft, sich zumindest indirekt an der Umschuldung beteiligen - durch den Verzicht auf Gewinn. EZB-Chef Mario Draghi sagte am Donnerstag in Frankfurt zwar, die Notenbank werde auf keinen Fall das Verbot der Finanzierung von Mitgliedstaaten der Währungsunion übertreten oder rechtliche Tricks anwenden, um Griechenland zu helfen. "Wenn die EZB einen Teil ihres Gewinns aber im Rahmen des Kapitalschlüssels an ihre Mitgliedsländer verteilt, wäre das keine Staatsfinanzierung."

Wie eine solche Verteilung konkret ablaufen könnte, ließ Draghi offen. Eine Möglichkeit wäre, Buch- und Zinsgewinne aus den von der EZB gehaltenen griechischen Staatsanleihen an die Notenbanken der 17 Euro-Länder weiterzugeben. Eine EZB-Sprecherin bestätigte auf Nachfrage, dass Draghi diese Variante gemeint habe.

Damit bekäme die Bundesbank den weitaus größten Betrag von der EZB überwiesen, den sie als einen Teil des Bundesbank-Gewinns an den Bundeshaushalt abführen könnte. Deutschland hält etwas mehr als ein Viertel am Kapital der EZB. Die Bundesregierung könnte den Betrag dann an Griechenland weitergeben.

Bis zu zwölf Milliarden könnten zusammenkommen

Die EZB ist wegen ihrer umstrittenen Anleihekäufe größter Einzelgläubiger des griechischen Staates. Sie hat Papiere mit einem Nennwert von etwa 50 Milliarden Euro gekauft, allerdings zu einem klar darunter liegenden Preis. Sie könnte auf diesen Buchgewinn und auch auf Zinszahlungen aus Athen also verzichten, ohne einen Verlust zu machen. Fachleute glauben, dass dann elf bis zwölf Milliarden für Griechenland zusätzlich zusammenkämen.

Die EZB beließ ihren Leitzins am Donnerstag auf dem Rekordtief von einem Prozent. Spekulationen auf eine Zinssenkung im März dämpfte Draghi. "Offen gesagt, wir haben nicht über die Perspektiven oder eine aktuelle Zinsänderung gesprochen", sagte er nach einer Sitzung des EZB-Rats.

Draghi erklärte, er sei sehr besorgt über die zuletzt zu beobachtende Verlangsamung der Kreditvergabe. Allerdings sei die erste Geldspritze der EZB noch dabei, ihre volle Wirkung zu entfalten. Die Zentralbank hatte den Banken der Euro-Zone Mitte Dezember bei einem auf drei Jahre angelegten Refinanzierungsgeschäft fast eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt. Eine zweite Liquiditätsspritze soll Ende Februar folgen. Die EZB-Fachleute rechnen dann mit einer ähnlich hohen Nachfrage wie beim ersten Mal.

dab/Reuters



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
rabenkrähe 09.02.2012
1. jaja
Zitat von sysopDPABeteiligt sich die Europäische Zentralbank an der Umschuldung von Griechenland? Bislang war die Antwort ein klares Nein. Jetzt aber nannte EZB-Chef Draghi einen Weg, wie sich die Währungshüter indirekt doch beteiligen könnten: den Verzicht auf Gewinne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814394,00.html
......... Die EZB, jedenfalls unter Draghi, wird über kurz oder lang für alle Staatsanleihen kollabierender EU-Staaten aufkommen, schließlich können nur sie Geld drucken, und Euro und EU sollen um jeden Preis aufrechterhalten bleiben, die Wirtschaft und die Globalisierung nach US.Maß verlangen dies. Natürlich wird auf diese Weise das Elend der Schuldenstaaten in die anderen, die ja irgendwann irgendwie für die Schulden durch die "Geldschöpfung" aufkommen müssen, exportiert. Aber das kann ja noch ein paar Monate oder Jahre dauern, also Augen zu und durch! rabenkrähe
doc 123 09.02.2012
2. Letzte Ansprache!
Zitat von sysopDPABeteiligt sich die Europäische Zentralbank an der Umschuldung von Griechenland? Bislang war die Antwort ein klares Nein. Jetzt aber nannte EZB-Chef Draghi einen Weg, wie sich die Währungshüter indirekt doch beteiligen könnten: den Verzicht auf Gewinne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814394,00.html
Sehr geehrte Frau Bundeskanzerlin, bitte ersparen Sie UNS, Ihren Untertanen, derartig weitere Verarschungen und Volksverdummungen. Wir wissen bereits, dass Griechenland pleite ist und durch rein gar nichts davor gerettet werden kann, außer durch die Zahlung von zig Milliarden durch den deutschen Steuerzahler, diesen Umstand haben Sie jedoch bereits glücklicherweise mehrfach ausgeschlossen! Sie stehen jetzt da mitten in einem offensichtlich ernsthaften Dilemma. Entweder wollen Sie uns weiter volksverdummen und diese abstruse EU-Diktatur, samt Solidaritätsreden eines noch abstruseren EU-Parlamentspräsidenten Schulz, retten oder .... Sie vertreten einmal ernsthaft wieder die Interessen des deutschen Volkes! Dies würde bedeuten, entweder Ausschluss von Griechenland aus der Euro-Zone oder Austritt von Deutschland aus der Euro-Zone, da es ERNSTHAFT keine weiteren Alternativen gibt. Die unsäglichst zahlreichen Argumente dafür erspare ich mir jetzt nochmalig anzuführen. Ich hoffe auf IHre staatsmännische Entscheidung zu Gunsten des Deutschen Volkes und seiner Bevölkerung. Mit den soweit überhaupt möglich, besten Grüßen, Ihr....
wwwwebman 09.02.2012
3. man wird das gefühl nicht los, ...
...das an allen stellen nur schlupflöcher gesucht werden, über die man den junkie griechenland weiter mit stoff versorgen kann >> "Damit bekäme die Bundesbank den weitaus größten Betrag von der EZB überwiesen, den sie als einen Teil des Bundesbank-Gewinns an den Bundeshaushalt abführen könnte. Deutschland hält etwas mehr als ein Viertel am Kapital der EZB. Die Bundesregierung könnte den Betrag dann an Griechenland weitergeben." wir könnten das geld auch einfach behalten und davon unsere schulen, strassen, krankenhäuser, ... sanieren...
semaphil 09.02.2012
4. ein Verzicht auf Gewinne ..
Zitat von sysopDPABeteiligt sich die Europäische Zentralbank an der Umschuldung von Griechenland? Bislang war die Antwort ein klares Nein. Jetzt aber nannte EZB-Chef Draghi einen Weg, wie sich die Währungshüter indirekt doch beteiligen könnten: den Verzicht auf Gewinne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814394,00.html
geht nur, wenn man Gewinne hat. Unglaubwürdig, daß die GR-Anleihen Gewinne abwerfen sollten. Das ist nur eine neue Hebelung unter anderem Namen bei sofort eingefahrenem Totalverlust. Wem will die EZB eigentlich etwas vormachen? Unsere Kindergartenkinder dürfen doch noch gar nicht wählen.
nick999 09.02.2012
5. Ok, wenn die EZB keine Miese macht
Zitat von sysopDPABeteiligt sich die Europäische Zentralbank an der Umschuldung von Griechenland? Bislang war die Antwort ein klares Nein. Jetzt aber nannte EZB-Chef Draghi einen Weg, wie sich die Währungshüter indirekt doch beteiligen könnten: den Verzicht auf Gewinne. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814394,00.html
Wenn die EZB für 40% griechische Staatsanleihen von der Börse gekauft hat, finde ich es ok, wenn sie diese Griechenland für 40% (+Zinsen) berechnet. Aber nicht einen Cent billiger. Die EZB hat gefälligst keine Schattenfinanzierung zu betreiben. Sie sollte aber auch keine Spekulationsgewinne zu Lasten von Mitgliedsländern einstreichen.
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