Angst vor Sparerpanik Griechenland flog Milliarden mit Militärmaschinen ein

Als Griechenland vor der Staatspleite stand, hoben verängstigte Sparer Milliarden ab. Nun bestätigt die griechische Zentralbank: Eine Panik wurde nur mit Hilfe importierter Scheine verhindert, sie kamen mit Militärmaschinen aus Wien und Rom.
Beladung einer Hercules-Maschine in Schweden: Streng geheime Flüge

Beladung einer Hercules-Maschine in Schweden: Streng geheime Flüge

Foto: PER KNUTSSON/ AFP

Athen - Aus Angst vor einer Massenpanik unter Sparern hat Griechenland mehrfach Gelscheine im Milliardenwert mit Militärmaschinen einfliegen lassen. Das geht aus einem Buch zur Finanzkrise hervor, das die griechische Zentralbank am Donnerstag vorstellte. Darin werden zum Teil Hollywood-reife Szenen aus den Jahren 2010 bis 2012 geschildert, als das Land zeitweise am Rande eines Staatsbankrotts und eines Austritts aus der Eurozone stand.

"Es gab schlaflose Nächte, weil man nicht wusste, mit welcher Währung man aufwachen würde", wird der scheidende Zentralbankchef Giorgos Provopoulos zitiert. In ihrer Angst, kein Geld mehr zu bekommen, hoben viele Griechen fast täglich den höchstmöglichen Betrag an den Bankautomaten ab. Als die brisantesten Tage nennt der Bericht den Donnerstag und den Freitag vor den griechischen Parlamentswahlen am 17. Juni 2012. Damals hoben Sparer insgesamt 3,5 Milliarden Euro ab.

In mindestens drei Fällen sollen Geldautomaten leer und die Bargeldvorräte einzelner Banken erschöpft gewesen sein - eine Situation, welche die Zentralbank aus Sorge vor einer Panik unbedingt vermeiden wollten. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wurden deshalb insgesamt drei Mal Euro-Scheine von den Zentralbanken Italiens und Österreichs in Militärtransportmaschinen vom Typ "Hercules" nach Griechenland gebracht.

Der erste Flug soll im Juni 2010 stattgefunden haben, nachdem die griechische Regierung Finanzhilfen ihrer Euro-Partner beantragt hatte. Eine zweite Ladung mit Euro-Noten kam im November 2011, nachdem die Troika der internationalen Geldgeber vorzeitig abreiste und der damalige Premier Georgios Papandreou überraschend ein Referendum über das Euro-Rettungspaket ankündigte. Allein infolge dieser Ereignisse wurden dem Bericht zufolge acht Milliarden Euro abgehoben.

Der dritte Flug kam kurz vor den Wahlen im Juni 2012 nach Athen. Damals erwog die Zentralbank sogar, die Banken am folgenden Montag schließen zu lassen und Abhebungen von maximal 150 Euro zu erlauben.

dab/cge/dpa