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Gewalt bei Generalstreik in Athen: Molotowcocktails und Tränengas

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Generalstreik in Griechenland Polizei und Anarchisten liefern sich Straßenschlacht

Griechenlands Premier Tsipras sieht sich mit einem Generalstreik konfrontiert. Dabei kommt es in Athen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen: Jugendliche werfen Molotowcocktails, die Polizei setzt Betäubungsgranaten ein.

Die griechischen Gewerkschaften haben an diesem Donnerstag mit einem Generalstreik das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt. Der Ausstand, der am Morgen begann, richtet sich gegen weitere Sparmaßnahmen in dem hoch verschuldeten Land, darunter etwa zusätzliche Einschnitte bei den Renten. Gegen Mittag begannen die Proteste in Athen zu eskalieren.

Zwischen der Polizei und vor allem jüngeren Demonstranten kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Jugendliche sonderten sich von dem Protestmarsch ab und warfen am zentralen Syntagma-Platz Molotowcocktails auf die Einsatzkräfte, diese antworteten auf den Angriff mit Tränengas und Betäubungsgranaten. Griechischen Medienberichten zufolge zogen die Anarchisten daraufhin in die Panepistimiou-Straße weiter und attackierten Bankfilialen.

Den Streikaufrufen der Gewerkschaften, die Arbeit niederzulegen und auf die Straße zu gehen, folgten am Donnerstagmorgen in Athen nach ersten Schätzungen der Polizei rund 16.000 Menschen. Behörden, Museen und andere öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen, der öffentliche Nahverkehr in Athen, der Zugverkehr sowie Fährverbindungen zu den griechischen Inseln kamen zum Erliegen. Zahlreiche Inlandsflüge wurden gestrichen.

Versammlung der Demonstranten vor dem Parlament in Athen: Generalstreik

Versammlung der Demonstranten vor dem Parlament in Athen: Generalstreik

Foto: Thanassis Stavrakis/ AP/dpa

Es ist der erste derartige Streik während der Amtszeit von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Der linke Premier war Ende September wiedergewählt worden. Seine Regierung war im Januar angetreten mit dem Versprechen, die unbeliebte Sparpolitik der Vorgänger zu beenden. Inzwischen hat sie die Bedingungen für ein drittes Hilfsprogramm akzeptiert, will aber nach eigenen Angaben die Folgen für die Bevölkerung abfedern.

Tsipras' deutlicher Wahlsieg hatte gezeigt, dass die Griechen dem jungen Politiker trotz aller Enttäuschungen noch immer am ehesten zutrauen, die Dinge nach jahrelanger Krise zum Besseren zu wenden. "Wir setzen ein Abkommen um, das Maßnahmen vorsieht, die ungerecht sind", sagte eine Regierungssprecherin. Der Streikaufruf wird auch von Tsipras' Syriza-Partei unterstützt.

Angesichts des drohenden Staatsbankrotts hatten sich die Euroländer und die griechische Regierung Mitte August auf ein neues Rettungspaket mit einem Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro über die kommenden drei Jahre geeinigt. Es sieht eine Reihe von Auflagen und Reformen vor, die Athen erfüllen muss.

Derzeit liegt die linksgeführte Regierung in Athen wieder im Clinch mit den Gläubigern der Euroländer. Die Eurofinanzminister verschoben am Montag erneut einen Beschluss zur Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von zwei Milliarden Euro und gaben Griechenland eine Woche mehr Zeit, geforderte Reformen umzusetzen. Athen will aber massenhafte Pfändungen von Immobilienbesitz bei überschuldeten Privathaushalten verhindern.

Welche Reformen in Griechenland noch für Streitigkeiten sorgen, können Sie hier im Überblick nachlesen.

bos/gec/AP/AFP/Reuters