Griechenlandkrise Standard & Poor's beziffert Grexit-Wahrscheinlichkeit auf 50 Prozent

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands weiter herabgestuft. Die Bonität des Landes steht nun eine Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall. S&P rechnet zu 50 Prozent mit dem Grexit.

Graffiti in Athen: Ratingagentur mit düsteren Aussichten
AFP

Graffiti in Athen: Ratingagentur mit düsteren Aussichten


Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) zieht Konsequenzen aus dem angekündigten Referendum in Griechenland. Die Agentur hat die Bonität des Landes von CCC auf CCC- gesenkt, was einer Stufe vor dem kompletten Zahlungsausfall entspricht. Die Wahrscheinlichkeit eines Grexits bezifferte S&P nun mit 50 Prozent.

Zur Begründung der Abwertung erklärte Standard & Poor's, die für Sonntag geplante Volksabstimmung sei ein weiterer Hinweis, dass die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras "der Innenpolitik Priorität vor der finanziellen und wirtschaftlichen Stabilität Griechenlands sowie vor der Begleichung seiner Schulden bei kommerziellen Gläubigern und der Mitgliedschaft in der Eurozone geben" werde. Es sei wahrscheinlich, dass Griechenland seine am Dienstag fälligen Ratenzahlungen nicht begleichen werde.

Dazu zählen rund 1,5 Milliarden Euro, die das Land dem Internationalen Währungsfonds (IWF) schuldet. In einem Fernsehinterview machte Tsipras am Montagabend noch einmal deutlich, dass sein Land die Rate nicht fristgerecht begleichen wird.

S&P rechnet mit Schrumpfen der Wirtschaft

Wenn Griechenland fällige Raten bei institutionellen Gläubigern wie dem IWF nicht begleiche, bedeute dies keinen Zahlungsausfall bei kommerziellen Gläubigern, erläuterte S&P. Angesichts der schlechten Finanzlage Griechenlands und der Tatsache, dass keine Besserung in Sicht sei, sei allerdings "ein kommerzieller Zahlungsausfall in den nächsten sechs Monaten unvermeidlich".

Nach S&P-Schätzungen hat Griechenland bei kommerziellen Gläubigern mittel- und langfristige Schulden in Höhe von rund 39 Milliarden Euro. Das Gros seiner Schulden, nämlich 261 Milliarden Euro, habe das Land bei institutionellen Gläubigern. Nicht miteingerechnet seien 15 Milliarden Euro in Schatzbriefen.

Die Ratingagentur rechnet in diesem Zusammenhang auch mit einem deutlichen Schrumpfen der griechischen Wirtschaft: Nach einem Wachstum von 0,8 Prozent im vergangenen Jahr werde es dieses Jahr wohl ein Minus von 3,0 Prozent geben.

Die Ratingagentur Fitch bescheinigte am Montag vier griechischen Banken einen teilweisen Zahlungsausfall. Die Ratingagentur brachte damit ihre Einschätzung zum Ausdruck, dass die Griechische Nationalbank (NBG) sowie die Geldhäuser Piraeus, Eurobank und Alpha zahlungsunfähig gewesen wären, wenn die Regierung in Athen nicht Kapitalverkehrskontrollen eingeführt hätte. Ihre Kreditwürdigkeit wurde daher von CCC beziehungsweise C auf RD herabgestuft, was für "Restricted Default" (Begrenzter Zahlungsausfall) steht.

Die Banken hätten stark unter dem massenhaften Abheben von Guthaben besorgter Kunden sowie unter der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) gelitten, die Notfallkredite des sogenannten ELA-Programms für griechische Banken nicht weiter anzuheben, hieß es in einer Erklärung von Fitch. Zugleich hätten die nun geltenden Einschränkungen im Zahlungsverkehr eine "materielle" Auswirkung auf einen Teil der fälligen Verpflichtungen der genannten Banken.

syd/AFP

insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bettini 30.06.2015
1. 50% - was für eine Analyse
Und dafür braucht es also eine "Rate-Agentur", welch unglaubliche Leistung. Gut, daß wir die haben.
pirx64 30.06.2015
2. das
Das kann ich auch sagen. 50:50, das ist eine Aussage, die immer zutrifft.
Pelao 30.06.2015
3. Tja, ich würde das
Ganze nicht so gelassen sehen ... was nähmlich allen veschwiegen wird ist, dass alle griechischen Euro-Münzen beim GrExit auf einen Schlag ihren Wert verlieren ... ¡Viel Spass beim aussortieren!!!!
Daniel M. 30.06.2015
4. Ach wirklich?
Standard&Poors, ein bekanntes und renommiertes Wirtschaftsprüfungsunternehmen "schätzt" und kommt zu dem Schluss, dass es eine 50 - 50 Chance auf einen Grexit gibt? Und auf derartige Unternehmen hört die Wirtschaftswelt? Meine Güte, was für eine irre Zeit.
kenguru 30.06.2015
5. Lol
Eine Aussage von S+P die mal nicht verschleiert, dass "Rating" wohl von "raten" kommt: eine Wahrscheinlichkeit von 50% bedeutet, dass etwas passieren kann oder auch nicht. Man weiss also nicht, was eher passieren wird, und das hat S+P jetzt mal bekanntgegeben. Tolle Aussage...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.