Hektik vor Euro-Gipfel Brüssel hofft auf Angebot aus Athen in letzter Minute

Die Zeit für eine Einigung zwischen Griechenland und seinen Geldgebern ist nahezu abgelaufen. Am Tag vor dem entscheidenden Euro-Gipfel laufen fieberhafte Vorbereitungen in Brüssel und in Athen - und es wird telefoniert.

Griechischer Premier Tsipras: Entscheidende Verhandlungen am Montag
AP

Griechischer Premier Tsipras: Entscheidende Verhandlungen am Montag

Von , Brüssel


In rund 24 Stunden beginnt der Countdown für Griechenland, und bereits am Sonntag laufen auf allen Ebenen die Vorbereitungen - in der Hoffnung, doch noch eine Lösung zu finden. EU-Quellen zufolge hat der griechische Regierungschef Alexis Tsipras schon am Samstagabend mit dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker telefoniert, allerdings habe es keine konkreten Ergebnisse gegeben. Immerhin gibt es wieder Kontakt auf höchster politischer Ebene, nachdem der Versuch gescheitert war, auf dem Euro-Gruppen-Treffen in Luxemburg eine Einigung zu erzielen.

Im Laufe des Sonntags sind Juncker und Tsipras EU-Quellen zufolge erneut für ein Telefongespräch verabredet, ein Treffen in Brüssel ist unwahrscheinlich. Auf der sogenannten "technischen Ebene" gibt es demnach ebenfalls Kontakte, die Beamten, die das Euro-Gruppen-Treffen und den Euro-Gipfel am Montag vorbereiten, sprechen also ebenfalls miteinander. EU-Diplomaten äußerten die Hoffnung, dass Tsipras noch am Sonntag einen neuen Vorschlag übermittelt, den die Institutionen IWF, EZB und EU-Kommission durchgehen können, bevor die Euro-Gruppe zusammenkommt.

Das Treffen der 19 Euro-Finanzminister, das für Montag angesetzt ist, wurde kurzfristig von 15.00 Uhr auf 12.30 Uhr vorverlegt. Unklar ist, ob das als gutes oder schlechtes Zeichen gewertet werden muss.

Griechenlands Ministerpräsident Tsipras hat für Sonntagmittag eine Kabinettsitzung einberufen: möglicherweise um über den neuen Vorschlag an die Gläubiger zu diskutieren. Schon am Vortag hatte es mehrere Stunden lang Beratungen zu den von den Institutionen geforderten Sparmaßnahmen im Regierungssitz gegeben.

Die griechische Regierung steht massiv unter Zugzwang: Wenn sie ihren Gläubigern aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission keine neuen Vorschläge präsentiert kann, dann wird das aktuelle Hilfsprogramm nicht verlängert, werden die restlichen Milliarden nicht ausgezahlt. Griechenland droht im Juli die Zahlungsunfähigkeit. Die Gläubiger haben in den letzten Tagen klargestellt, dass es ohne Kompromisse auf der griechischen Seite keine Möglichkeit gibt, dem Land finanziell zu helfen.

Auch im Land wächst der Druck: Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") zufolge klafft schon Ende Juni ein Milliardenloch im griechischen Haushalt, Renten und Beamtengehälter müssten gekürzt werden. Nach internen Berechnungen erwarten die Gläubiger demnach wegen dramatisch gesunkener Steuereinnahmen ein Minus von 2 bis 3,6 Milliarden Euro.

Die Regierung in Athen dementierte den Bericht umgehend: "Die Renten sind gesichert und werden an dem Tag gezahlt, an dem sie ausgezahlt werden müssen", sagte der Chef der größten griechischen Rentenkasse IKA, Giannis Theonas, im griechischen Fernsehen. "Die deutschen Zeitungen betreiben ihre eigene Politik." Vizefinanzminister Dimitris Mardas sagte im Staatsfernsehen ERT1: "Ich weiß nicht, woher diese Fakten kommen. Wir werden die Renten und Löhne normal zahlen."

Gleichzeitig bekommen die Banken in Griechenland mittlerweile Schwierigkeiten, die Bargeldnachfrage zu befriedigen. Seit Monaten fließt immer mehr Kapital aus dem Land, allein in der vergangenen Woche hoben Griechen mehrere Milliarden Euro von ihren Bankkonten. Wie SPIEGEL ONLINE aus griechischen Bankenkreisen erfuhr, bereiten sich die Geldinstitute darauf vor, am Dienstag geschlossen zu bleiben.

Die Lage spitzt sich also weiter zu. Zwar hatten einige Finanzminister und Regierungschefs der Eurozone in den vergangenen Wochen die Gefahren eines griechischen Ausscheidens aus der Gemeinschaftswährung heruntergespielt, als Druckmittel in den Verhandlungen hat das aber offenbar nicht genutzt. Jetzt wächst europaweit wieder die Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone - auch wenn die Vorbereitungen dafür auf Hochtouren laufen.

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insgesamt 180 Beiträge
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Seite 1
peterbraun 21.06.2015
1. Schneeballsystem
Das griechische Schneeballsystem scheint nun endlich zu seinem Ende zu kommen. Selbstverständlich tun mir die griechischen kleinen Bürger Leid. Sie sind letztendlich diejenigen die die Suppe auslöffeln müssen. Aber sie sind auch nicht vollkommen unschuldig an der Situation. Sie haben lange genug das politische Sytem genutzt und immer wieder auch gewählt. Und sie haben sich von den falschen Versprechungen der jetzigen Regierung ködern lassen, ohne den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Sie kommen mir vor wie ein Alkoholiker, der sich immer wieder selbst betrügt und jegliche Hilfe ablehnt, solange er sich nicht wirklich als ernsthaft erkrankt erkennt. Da helfen alle gutgemeinten Bemühungen der Co-Abhängigen überhaupt nicht weiter. Wenn die Einsicht nicht vom Abhängigen kommt, gibt er nur den harten Entzug: Keine Unterstützung mehr, mit der Folge des kompletten Zusammenbruchs. Erst dann, vielleicht, kommt die Erkenntnis und damit auch die Bereitschaft sich seinen Problemen wirklich zu stellen. Ist alles sehr sehr unschön. Aber wohl unvermeidlich. Ein Herauszögern aus falsch verstandenem Mitleid bringt garnichts. Also: Dem griechischen Schneeballsystem weiteres Geld verweigern. Die falschen Versprechungen nicht weiter unterstützen oder darauf hoffen. Sondern erkennen dass das Geld ohnehin verloren ist und es mit Fassung tragen.
wirep 21.06.2015
2.
die griechen werden ihre kohle schon kriegen, das ist alternativlos!
quidquidagis1 21.06.2015
3. Warum ein Forum
..wenn sowieso keine Beiträge veröffentlicht werden?
compass 21.06.2015
4. Ein gnädiges Schicksal bewahre uns
-vor dem Grexit? Nein. Vor der Einigung.
peterbraun 21.06.2015
5. Schneeballsystem
Das griechische Schneeballsystem scheint nun endlich zu seinem Ende zu kommen. Selbstverständlich tun mir die griechischen kleinen Bürger Leid. Sie sind letztendlich diejenigen die die Suppe auslöffeln müssen. Aber sie sind auch nicht vollkommen unschuldig an der Situation. Sie haben lange genug das politische Sytem genutzt und immer wieder auch gewählt. Und sie haben sich von den falschen Versprechungen der jetzigen Regierung ködern lassen, ohne den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Sie kommen mir vor wie ein Alkoholiker, der sich immer wieder selbst betrügt und jegliche Hilfe ablehnt, solange er sich nicht wirklich als ernsthaft erkrankt erkennt. Da helfen alle gutgemeinten Bemühungen der Co-Abhängigen überhaupt nicht weiter. Wenn die Einsicht nicht vom Abhängigen kommt, gibt er nur den harten Entzug: Keine Unterstützung mehr, mit der Folge des kompletten Zusammenbruchs. Erst dann, vielleicht, kommt die Erkenntnis und damit auch die Bereitschaft sich seinen Problemen wirklich zu stellen. Ist alles sehr sehr unschön. Aber wohl unvermeidlich. Ein Herauszögern aus falsch verstandenem Mitleid bringt garnichts. Also: Dem griechischen Schneeballsystem weiteres Geld verweigern. Die falschen Versprechungen nicht weiter unterstützen oder darauf hoffen. Sondern erkennen dass das Geld ohnehin verloren ist und es mit Fassung tragen.
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