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04. Juli 2012, 07:53 Uhr

Rabatte

IWF-Chefin Lagarde sagt "non" zu neuem Griechenland-Deal

Die neue griechische Regierung will die Sparbeschlüsse mit den Geldgebern aufweichen - doch IWF-Chefin Christine Lagarde sperrt sich vehement: Sie habe "überhaupt keine Lust", neu zu verhandeln, sagte sie in einem Interview.

Washington - Wenn es um Griechenland geht, nimmt die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, kein Blatt vor den Mund. Beim jüngsten Beispiel geht es um mögliche Rabatte der Geldgeber für das schuldengeplagte Land. Lagarde dazu: "Ich habe überhaupt keine Lust, zu verhandeln oder neu zu verhandeln", sagte sie am Dienstag dem US-Sender CNBC.

Erst kürzlich hatte Lagarde die griechischen Bürger mit harten Worten zu mehr Steuerdisziplin ermahnt - und damit heftige Empörung ausgelöst. Kurz darauf entschuldigte sich die IWF-Chefin.

Im jetzigen CNBC-Interview war die Französin vorsichtiger - und schob schnell einige freundliche Sätze hinterher. Sie sei sicher, dass die griechische Regierung "exzellente Zahlen" bei der Umsetzung des Rettungspakets vorlegen werde. Sie sei gespannt, was Athen in den vergangenen Monaten geleistet habe, um sich den Bedingungen des Sparprogramms anzupassen, ergänzte Lagarde.

Griechenland hat seit 2010 zwei Hilfspakete von der Euro-Zone und dem IWF erhalten, muss im Gegenzug aber strenge Sparauflagen erfüllen. Die neue Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras will allerdings eine Lockerung der Bedingungen erreichen. Seit vergangenen Dienstag halten sich wieder Experten der internationalen Gläubiger-Troika von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und IWF in Athen auf, um die Einhaltung der Sparbeschlüsse zu überprüfen.

Lagarde rät EZB von Zinssenkung ab

Es wird erwartet, dass die EZB am Donnerstag als neue Maßnahme in der Schuldenkrise den Leitzins senken wird. Lagarde sieht das kritisch: "Wir sind uns nicht sicher, ob das im Moment der beste Weg ist", sagte sie. Nicht allen Euro-Ländern würden niedrigere Zinsen weiterhelfen. Sie setzt dagegen auf verstärkte Anleihen-Käufe.

Erstmals in der Geschichte der Währungsunion dürften die EZB-Notenbanker um Präsident Mario Draghi den Leitzins unter ein Prozent senken. Davon geht nach den jüngsten Äußerungen von EZB-Chefökonom Peter Praet die große Mehrheit der geldpolitischen Beobachter aus. Dass der EZB-Rat zudem mit einer Absenkung des Einlagezinses - den die Banken für geparktes Geld bei der EZB bekommen - auf null noch weitergeht, gilt ebenfalls als nicht ausgeschlossen.

yes/AFP/Reuters

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