Stockende Verhandlungen IWF bricht Griechenland-Gespräche ab

Der Ton im Schuldenstreit mit Griechenland wird schärfer: Der Internationale Währungsfonds zieht seine Unterhändler aus Brüssel ab - wegen "großer Differenzen". Die Börsen gehen auf Talfahrt.
IWF-Chefin Lagarde: Weit von einer Einigung entfernt

IWF-Chefin Lagarde: Weit von einer Einigung entfernt

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Wegen mangelnder Fortschritte in den Reformverhandlungen mit Griechenland zieht der Internationale Währungsfonds (IWF) sein Team vorerst aus Brüssel ab. Das sagte IWF-Sprecher Gerry Rice am Donnerstag.

In ungewöhnlich scharfen Tönen kritisierte Rice einen Mangel an Kompromissbereitschaft der Athener Regierung. Das IWF-Team habe die Verhandlungen in Brüssel verlassen und sei nach Washington zurückgekehrt. Es habe zuletzt keinerlei Fortschritte gegeben, um Differenzen beizulegen. "Der Ball liegt nun sehr deutlich im griechischen Feld".

Auch die griechische Delegation ist offenbar nicht mehr in Brüssel. "Sie sind alle abgereist", sagte eine Person aus dem Umfeld der Verhandlungsgruppe.

Bei den Gesprächen zwischen der griechischen Regierung und den internationalen Gläubigern wurden Rice zufolge in den vergangenen Tagen keine Fortschritte erzielt. "Wir sind noch weit von einer Einigung entfernt." Athen arbeite derzeit an neuen Reformvorschlägen.

Zuvor hatten sich EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und der griechische Premier Alexis Tsipras erneut zu einem Gespräch getroffen. Ein EU-Diplomat bezeichnete das Gespräch laut der Nachrichtenagentur Reuters als "letzten Versuch" eine Einigung zu erzielen. Am Abend schaltete sich auch EU-Ratspräsident Donald Tusk noch einmal ein: "Es gibt keine Zeit mehr für Spielchen", sagte er. "Entscheidend" sei aber letztlich das Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstag kommender Woche. Auch aus der EU-Kommission kamen Signale, dass man weiter auf eine Übereinkunft mit Griechenland hoffe. Die Verhandlungen würden auf technischer Ebene fortgesetzt, sagte der Vize-Präsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis.

Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Kreditgebern über die Bedingungen, zu denen in Aussicht gestellte Hilfen von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt werden sollen. Die Zeit für eine Einigung wird knapp, weil das Hilfsprogramm für Athen Ende Juni ausläuft.

Anleger reagierten bereits auf die Nachricht: Der EuroStoxx 50   büßte am Donnerstagnachmittag binnen Sekunden fast die Hälfte seiner Gewinne ein. Auch die Tagesgewinne des Dax   halbierten sich am Donnerstagnachmittag in Sekundenschnelle.

Seit der Wochenmitte hatte der Dax kräftig von der Hoffnung auf Fortschritte im Schuldenstreit mit Griechenland profitiert. Den jetzigen Absturz begründeten Händler mit den Aussagen des IWF, die neue Sorgen vor einer bevorstehende Pleite Griechenlands und einem Ausscheiden des Landes aus der Eurozone schürten.

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dab/dpa/AFP/Reuters
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