Mehr als zwei Milliarden überwiesen Griechenland übersteht den Schreckens-Freitag

Griechenland hat diese Woche ohne Pleite überstanden. Jetzt muss sich die Regierung aber immer wieder eine Frage stellen: Wer bekommt Geld - die internationalen Gläubiger oder die eigenen Bürger?
Sonnenuntergang über der Akropolis: Ausreichend Geld bis nächste Woche

Sonnenuntergang über der Akropolis: Ausreichend Geld bis nächste Woche

Foto: AP/dpa

Hamburg - Es ist wieder Zahltag für Griechenland - wie schon so oft und wie noch sehr häufig in diesem Jahr. Und natürlich werden die wichtigsten Geldgeber zuerst bedient: Am Freitag hat das Land die fällige Kreditrate von rund 350 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überwiesen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) wurde mit 110 Millionen Euro Zinsen bedacht.

Gleichzeitig wurden kurz laufende Staatsanleihen, sogenannte T-Bills, in Höhe von 1,6 Milliarden Euro fällig. Gehalten wurden diese Anleihen vollständig von der Piraeus Asset Management MFMC, der Tochter einer der großen griechischen Banken, der Piraeus Bank. Auch diese Anleihen musste die Syriza-Regierung zurückzahlen, um keine Staatspleite zu riskieren. Wie viel Geld sich jetzt noch in der Staatskasse befindet, ist unklar.

Normalerweise könnte Griechenland zur Finanzierung einfach neue T-Bills ausgeben, schließlich haben Investoren bisher immer zugegriffen. Das Risiko war überschaubar, das Land musste ja nur drei oder sechs Monate zahlungsfähig bleiben. Jetzt ist aber nicht einmal mehr das sicher, da sich die EZB weigert, die geltende Höchstgrenze von 15 Milliarden Euro anzuheben, bis zu der Griechenland solche Kurzfristpapiere ausgeben darf.

Zudem gibt es weitere pikante Verpflichtungen.

Ebenfalls am Freitag wurden Zinsen auf ein sogenanntes Swap-Geschäft fällig, dass die damalige griechische Regierung im Jahr 2001 mit der US-Investmentbank Goldman Sachs abgeschlossen hat. Pikant ist das deshalb, weil mit dem Deal damals das griechische Haushaltsdefizit kaschiert wurde, um den Beitritt zum Euro zu ermöglichen. Griechenland bekam einen hohen Betrag überwiesen, der das Defizit reduzierte - für die Folgejahre wurden hohe Zinszahlungen vereinbart, von denen jetzt eine fällig wird.

Über die Höhe der Zahlungsverpflichtung ist nichts bekannt, aber auch dieses Geld soll heute geflossen sein. Allerdings ging die Überweisung nicht bei Goldman ein: Die Investmentbanker verkauften das Recht an den Zinszahlungen schon vor der Schuldenkrise an andere Gläubiger weiter.

Dieser Freitag ist also überstanden: "Alles ist bezahlt", zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg eine nicht näher genannte griechische Quelle. Insgesamt soll Griechenland heute rund 2,5 Milliarden Euro an seine Gläubiger überwiesen haben. Die Finanzcommunity kann vorerst aufatmen - doch Millionen griechische Bürger müssen weiter zittern.

Ende März nämlich erwarten viele Griechen eine direkte Zahlung: Dann müssen Rentnern, Staatsangestellten und Beamten die Gehälter, Bezüge und Pensionen überwiesen werden. Sollte die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras die dafür notwendigen mehr als zwei Milliarden Euro nicht aufbringen können, würde sie an Glaubwürdigkeit und Unterstützung im Volk verlieren.

Aber es wäre nicht die Euro-Schuldenkrise, wenn es nicht doch noch eine letzte Möglichkeit, einen kleinen Lichtblick gäbe: Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf einen EU-Beamten berichtet, könnte Griechenland noch kurzfristig Hilfen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro erhalten. Es ist das Geld aus den Gewinnen des EZB-Anleihekaufprogramms, das die Syriza-Regierung schon länger einfordert.

Die Finanzminister der Eurozone könnten sich bereits am 27. März treffen, um über die Freigabe der Mittel zu beraten, hieß es in dem Bericht. Auch die einzige Bedingung klingt bekannt: Griechenland müsse ein Reformprogramm vorlegen. Diese Summe könnte gerade eben ausreichen, um die Rentner und öffentlichen Bediensteten für den März zu entlohnen.

Aber selbst wenn die 1,9 Milliarden Euro umgehend ausgezahlt werden, klafft schon das nächste Loch: Schon in vier Wochen werden die zwei nächsten T-Bills fällig, weitere 2,4 Milliarden Euro.

Insgesamt reichen die von den Euro-Partnern schon Mitte Februar zugesagten Hilfen gerade so aus, um die bekannten Zahlungsverpflichtungen bis Ende April zu erfüllen.

Immer wieder wird die griechische Regierung in den kommenden Monaten vor dem perversen Dilemma stehen: Entweder sie bedient die Ansprüche der Gläubiger - oder die der Bürger.

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