Schuldenkrise Griechenland tastet nach drittem Rettungspaket

Gerade haben die Euro-Retter ein zweites Rettungspaket für Griechenland beschlossen - da deutet Regierungschef Papademos schon Bedarf für ein drittes an: Selbst wenn sein Land eisern spare, seien weitere Hilfen nicht ausgeschlossen.
Griechisches Parlament in Athen: Noch ein Rettungspaket?

Griechisches Parlament in Athen: Noch ein Rettungspaket?

Foto: ARIS MESSINIS/ AFP

Ein milliardenschweres Rettungspaket, dann ein zweites, dazu ein Schuldenschnitt der Privatgläubiger - was hat Europa nicht schon alles getan, um Griechenland vor der Pleite zu bewahren. Unzählige Krisengipfel wurden abgehalten, Milliarden über Milliarden an Hilfen aufgetürmt. Und doch geht es dem Land noch immer miserabel. Und doch hat es nicht lange gedauert, bis der Premierminister schon mal vorsichtshalber weiteren Hilfsbedarf anmeldet.

Am 15. März wurde das zweite Rettungspaket endgültig abgesegnet. Gerade mal 15 Tage ist das her. Jetzt spricht Lukas Papademos vom dritten Rettungspaket.

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige finanzielle Unterstützung notwendig sein wird", sagte er der italienischen Tageszeitung "Il Sole 24 Ore". "Noch müssen wir uns anstrengen, ein solches Ergebnis zu vermeiden."

Sein Land werde alles dafür tun. Doch könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich auch nach Auslaufen des zweiten Rettungspakets im Jahr 2015 am freien Markt kein Geld zu keinen erschwinglichen Zinsen leihen können wird.

In der Tat: Das ist keine unrealistische Einschätzung. Denn das Land steckt trotz mehreren Rettungspaketen und trotz aller Sparbemühungen tief in der Krise. Und es hat kaum eine wirtschaftliche Basis. Wo das Wachstum herkommen soll, das für den Abbau der Schulden nötig ist, steht in den Sternen. Ohne Wachstum aber dürften Geldgeber kaum Vertrauen in das Land fassen und ihm wieder vermehrt Staatsanleihen abnehmen. Ohne diese Nachfrage wiederum werden die Zinsen für griechische Anleihen nicht sinken. Das Land bleibt vom Markt abgeschottet.

Auch die Troika sieht zusätzlichen Bedarf

Schon seit zwei Jahren ist Athen auf Hilfe von außen angewiesen, weil es an den Finanzmärkten nur zu hohen Zinsen neue Kredite bekommt. Schon 2010 wiesen Experten darauf hin, dass sich die Euro-Retter entscheiden müssen. Wer einmal anfängt, dem Land Geld zu geben, müsse sich darauf einstellen, sehr lange immer neue Hilfen zu zahlen.

Auch die Finanzkontrolleure von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds, der sogenannten Troika, sehen zusätzlichen Bedarf. Den Umfang für ein drittes Rettungspaket beziffern sie nach SPIEGEL-Informationen auf bis zu 50 Milliarden Euro.

Papademos aber will kämpfen. Vor dem Parlament in Athen kündigte er eine Kürzung der Staatsausgaben in den Jahren 2013 und 2014 an - um zwölf Milliarden Euro. Es müsse alles getan werden, um "verschwenderische Ausgaben" zu reduzieren, sagte der Regierungschef.

Im Gegenzug für das erste Rettungspaket vom Mai 2010 in Höhe von 110 Milliarden Euro hat Athen bereits erheblich Kürzungen zugesagt. Die Regierung will das Haushaltsdefizit von 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2009 bis 2014 auf drei Prozent reduzieren.

Eines will Papademos auf gar keinen Fall: den Austritt seines Landes aus der Euro-Zone und die Rückkehr zur Drachme. Er warnte vor "verheerenden" Folgen für die Wirtschaft des Landes. Seine Regierung verspürt zunehmend Gegenwind von politischen Gruppen, die sich den Bedingungen der Vereinbarungen über Hilfszahlungen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds widersetzen.

ssu/dapd/Reuters