Griechenland-Krise US-Experten bangen um europäische Banken

Euro-Land atmet auf, die griechische Regierung bleibt im Amt - doch amerikanische Finanzmarktexperten beruhigt das nicht. Sie sorgen sich vor allem um die Stabilität europäischer Finanzhäuser. Wenn diese kollabieren, könnte das auch Kleinanleger mit in den Schuldenstrudel ziehen.

Pariser Finanzviertel La Defense: Leiden auch Banken in Deutschland, England, Frankreich?
AFP

Pariser Finanzviertel La Defense: Leiden auch Banken in Deutschland, England, Frankreich?


New York/Berlin - Es gibt zumindest ein positives Signal: Eine akute Regierungskrise ist in Griechenland vorerst abgewendet. Ministerpräsident Georgios Papandreou hat die Vertrauensabstimmung überstanden. Europas Politiker sind erleichtert - doch die Akteure an den Finanzmärkten zögern noch. Sie wollen vor allem Erfolge im Kampf gegen die Schuldenkrise sehen.

Wie ernst die Lage in Griechenland immer noch ist, zeigen Reaktionen in den USA. Dort werden Experten zunehmend unruhig und beschwören böse Erinnerungen an den Lehman-Crash herauf: Der Zusammenbruch der US-Bank hatte 2008 das weltweite Finanzsystem ins Wanken gebracht. Erst kürzlich warnte der US-Einlagensicherungsfonds FDIC, dass es dieses Mal europäische Banken sein könnten, die das System zum Kollabieren bringen.

Deshalb sorgen sich US-Finanzaufseher mittlerweile sogar um die Stabilität von US-Geldmarktfonds. Diese haben zwar kaum Griechenland-Anleihen im Portfolio, doch sie halten Papiere von europäischen Banken, berichtet das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf Analysten. Die größten US-Geldmarktfonds besitzen demnach Anleihen von Instituten wie BNP Paribas Chart zeigen, Barclays Chart zeigen und der Deutschen Bank Chart zeigenin Höhe von einer Billion US-Dollar. Die Sorge der US-Experten: Wenn die europäischen Banken in den Strudel der Griechenland-Krise geraten, dann erwischt es womöglich auch die Geldmarktfonds.

Solche Fonds gelten eigentlich als sichere Investments, in denen auch Kleinanleger häufig ihr Geld parken. Nur in großen Krisen, wie zuletzt der Lehman-Pleite 2008, geraten auch sie in Turbulenzen. Die Sorge der US-Experten zeigt, welches Potential sie der Griechenland-Krise zutrauen. Ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses, der die gesamte Finanzdienstleistungsbranche überwacht, will sich laut "WSJ" demnächst mit der finanziellen Stabilität der Geldmarktfonds befassen. "Für den US-Markt ist die Situation in Europa ein psychologischer Faktor", sagte Ausschuss-Mitglied David Schweikert. "Wir beobachten, dass sich die Leute zunehmend um Staatsanleihen Sorgen machen."

Bundesregierung spricht mit Banken über Umschuldung

Während die Aufsichtsbehörden vor Auswirkungen auf die Geldmarktfonds warnen, sehen Finanzmanager laut "WSJ" die Situation entspannter. Sie argumentieren, die Fonds hätten sich in den vergangenen Monaten bereits von Anlagen ferngehalten, die als besonders krisenanfällig gelten. "Die Fonds sind heute in einer viel besseren Ausgangslage, Probleme, wie wir sie 2008 hatten, zu bewältigen", sagte Paul Stevens, ein wichtiger Vertreter der Fonds-Branche.

Auch der Chef des weltgrößten Staatsanleihenhändlers Pimco, Mohamed El-Erian, warnt vor Panik. Der Manager sagte, er erwarte im Zuge der Schuldenkrise Zahlungsausfälle in Griechenland sowie in weiteren europäischen Ländern. Dabei sei es jedoch eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich, dass ein griechischer Zahlungsausfall eine weitere globale Finanzkrise auslöse. "In den nächsten drei Jahren werden wir sehen, wie verschiedene Volkswirtschaften verschiedene Probleme angehen", sagte El-Erian.

Der Interimschef des Internationalen Währungsfonds (IWF), John Lipsky, machte Griechenland in der Schuldenkrise auch Hoffnung. Wenn das unter "schwierigen Umständen" erarbeitete Sparprogramm der Regierung vollständig umgesetzt werde, habe es auch Aussicht auf Erfolg, sagte er in Berlin. Griechenland leide vor allem unter dem Verlust seiner Wettbewerbsfähigkeit, seiner "Isolation" in der Euro-Zone und einem mangelhaften Steuersystem. Das Land habe vom Euro nicht profitiert.

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Griechenland-Krise: Die Vertrauensfrage
Derweil kommt in die Bemühungen der EU-Politiker um eine freiwillige Umschuldung Griechenlands offenbar Bewegung. In Frankfurt sollen am Mittwoch Experten des Finanzministeriums und Vertreter der größten deutschen Banken und Versicherungen zusammenkommen, um über einen Beitrag zur Rettung Griechenlands zu beraten, berichtete die Agentur Reuters. Bankenvertreter hatten zuletzt Anreize gefordert, damit die Institute sich auf Optionen wie eine Laufzeitverlängerung von Anleihen einlassen.

Laut dem Einladungsschreiben des Ministeriums sollen bei dem Treffen alle Optionen einer Beteiligung besprochen werden, hieß es. Die Einladung ging demnach unter anderem an die Deutsche Bank, Commerzbank Chart zeigen, HVB, LBBW, WestLB, DZ Bank, WGZ Bank, Deka Bank, HSH Nordbank, Allianz Chart zeigen und Munich Re Chart zeigen.

mmq/Reuters/dapd



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
HBRSS 22.06.2011
1. Wie soll ich mich verhalten?
Zitat von sysopEuro-Land atmet auf, die griechische Regierung bleibt im Amt - doch amerikanische Finanzmarkt-Experten beruhigt das nicht. Sie sorgen sich vor allem um die Stabilität europäischer Finanzhäuser. Wenn diese kollabieren, könnte das auch Kleinanleger mit in den Schuldenstrudel ziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769820,00.html
Wie kann ich mich darüber aufregen? Habe kein großes Vermögen und somit nix zu verlieren. Mein Mitleid mit den Banken und den diversen Spekulationsblasen hält sich in Grenzen. Also gehe ich gleich mal eine Runde segeln und genieße die Sonne oder wird die auch "abgeschaltet"?
marc0815 22.06.2011
2. Ablenken von den eigenen Problemen
die Amis haben zwar völlig Recht mit ihren "Ängsten" um Europa aber sie stecken selbst noch viel tiefer drin. Ich bin gespannt wer schneller ist beim kollabieren. bitte den Kollaps-Vorsprung für Amerika sichern und mitzeichnen: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?PHPSESSID=74b7fceb230e02edc3cd9e2dbf4ba4a1&action=petition;sa=details;petition=18123 sonst sind wir definitiv eher dran ;)
martinfoto 22.06.2011
3. Scheinheilig und Ablenckung
Zitat von sysopEuro-Land atmet auf, die griechische Regierung bleibt im Amt - doch amerikanische Finanzmarkt-Experten beruhigt das nicht. Sie sorgen sich vor allem um die Stabilität europäischer Finanzhäuser. Wenn diese kollabieren, könnte das auch Kleinanleger mit in den Schuldenstrudel ziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769820,00.html
Es ist einfach nur scheinheilig und Ablenkung von der USA Pleite sich zu sorgen oder wollen die USA das Europa auch noch sie rettet!
wika 22.06.2011
4. Achtung atlantische Lachattacke voraus …
… ok, zugegeben, es ist immer besser sich Sorgen um andere zu machen, als um den Dreck im eigenen Haus. EU Gesamtverschuldung so in etwa 7 Billionen Euro, die USA hart an 14,3 Billionen Dollar. Ich glaube da steht sogar Griechenland noch besser da, wenn mich nicht alles täuscht. Oder geht es nur um PR, wer am Ende zuerst die Segel streichen muss, der hat verloren? Möchten natürlich nicht die USA sein, da kann man sich natürlich auch laut und öffentlich Sorgen um die Euro-Banken machen. Mal ganz ehrlich, ich habe ebensoviel Angst vor dem *„Greenspam“* … Link, der bösen Dollarflut (http://qpress.de/2010/08/11/was-hat-greenspam-mit-dollar-zu-tun/), wo doch „QE 3“ schon wieder meilenweit gegen den Wind stinkt. Ist aber so egal wie „C'est la vie“ oder „Tel Aviv“ … hört sich doch auch alles gleich an.
localpatriot 22.06.2011
5. Man hoert es auf CNN
Zitat von sysopEuro-Land atmet auf, die griechische Regierung bleibt im Amt - doch amerikanische Finanzmarkt-Experten beruhigt das nicht. Sie sorgen sich vor allem um die Stabilität europäischer Finanzhäuser. Wenn diese kollabieren, könnte das auch Kleinanleger mit in den Schuldenstrudel ziehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769820,00.html
CNN hat die Eurokrise entdeckt. Gestern auf den Abendnachrichten wurde die Sache etwas (fuer CNN ganz tief) analysiert. Griechenland selbst ist keine Gefahr fuer die Weltwirtschaft - es ist zu klein. Die US und Canadischen Banken haben den grossen Teil ihrer Griechenlandpapiere abgeschoben - also kein Problem fuer US und CAN. aber Grossbanken in Frankreich (am meisten), in Deutschland (etwas weniger) und Grossbritannien (noch einmal etwas weniger) sitzen auf ueber 100 Milliarden Griechenland Bonds. und Auch die groesseren sind kaum in der Lage eine Griecchenlandpleite ohne Staatshilfe zu ueberstehen. Daher schauen sich die Ratingsagenturen nun diese Grossbannken in F, D und GB an. Frage: Da GB nicht am Rettungsschirm teilnimmt, koennen Britische Banken trotzdem die Nutzniesser sein?
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