Griechenland-Krise Wirtschaftsweiser erklärt Umschuldung für unausweichlich

Es ist eine unschöne Prophezeiung: Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard geht davon aus, dass die Krise in Griechenland noch lange nicht ausgestanden ist. Der Ökonom schlägt eine Umstrukturierung der Schulden des Landes vor - und stößt damit auf heftigen Widerstand der Bundesregierung.

Akropolis in Athen: Schuldenkrise noch lange nicht ausgestanden?
dpa

Akropolis in Athen: Schuldenkrise noch lange nicht ausgestanden?


Berlin - Griechenland wird auch über das Jahr 2013 hinaus Finanzhilfen brauchen, befürchtet der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard. "Auch nach Auslaufen der Hilfen wird Europa Griechenland unterstützen müssen, und für die Hilfen könnte der deutsche Steuerzahler aufkommen müssen", sagte Wiegard der "Welt".

Der Ökonom geht davon aus, dass es zu einer Umstrukturierung der griechischen Schulden kommen wird. "Dass Griechenland ohne eine Umschuldung auskommt, daran kann man begründete Zweifel haben. Die Frage ist, wer dann die Zeche zahlen muss", sagte Wiegard. "Ich kann mir da Mechanismen vorstellen, bei denen nur die Banken im Boot sitzen, nicht aber der deutsche Steuerzahler."

Dafür müssten allerdings die Pläne für einen permanenten Krisenmechanismus verschärft werden. "Der jetzige Vorschlag reicht nicht aus", sagte Wiegard. Eine Grundvoraussetzung für Hilfen sollte seiner Meinung nach sein, dass private Gläubiger immer einbezogen werden.

Es drohe die Gefahr, dass die Politik nie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werde. Der Regensburger Ökonomieprofessor schlägt vor: "Um eine Bankenkrise zu verhindern, sollten Finanzhäuser Kapital für risikobehaftete Staatsanleihen vorhalten müssen. "Je schlechter das Rating, desto höher sollte das Eigenkapital sein, dass die Banken hinterlegen müssen. Wenn das erreicht wird, ist der deutsche Steuerzahler weitgehend raus", sagte Wiegard.

Für die deutsche Bundesregierung kommt eine Umstrukturierung der griechischen Schulden hingegen nicht infrage. Als Beitrag zu einer umfassenden Lösung der Probleme in der Eurozone ist die Regierung aber bereit, Griechenland bei der Bewältigung seiner hohen Schuldenlast zu helfen. Dafür würden verschiedene Optionen in der EU diskutiert, hieß es am Mittwoch in Regierungskreisen.

Allerdings wies Deutschland den Vorschlag etwa des griechischen Arbeitsministers Louka Katseli klar zurück, der vorläufige Euro-Rettungsschirm EFSF könne direkt griechische Anleihen aufkaufen. "Es ist nicht in unserem Interesse, dass der EFSF Anleihen kaufen kann. Dies ist nicht verwirklichbar", hieß es in den Kreisen.

"Euro als ganzes nicht in der Krise"

Als Erklärung dafür, dass Deutschland nun doch bereit ist, über Griechenlandhilfen nachzudenken, wird in Regierungskreisen das Motiv genannt, mit einem umfassenden Maßnahmenpaket Ende März die Eurozone dauerhaft zu stabilisieren. Dazu könnten eben auch Hilfen für Griechenland gehören, wenn sich die Zweifel nicht zerstreuen ließen, dass das Land seine Schulden zurückzahlen könne.

Griechenland hatte im vergangenen Mai als erstes Land Finanzhilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 110 Milliarden Euro erhalten. Für 2013 wird die Schuldenlast des Mittelmeerlandes auf 158 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Offiziell gehen EU-Kommission und IWF bisher davon aus, dass das Land angesichts seines ehrgeizigen Reformprogramms seine Schuldenlast langfristig reduzieren kann.

Den Euro als Ganzes sieht auch der Wirtschaftsweise Wiegard nicht in einer Krise. "Wir erleben keine Krise des Euro, sondern eine Schuldenkrise einzelner Staaten sowie des institutionellen Regelwerkes innerhalb des Währungsgefüges", sagte er. Der Euro sei seit Ausbruch der Krise in einer geringen Bandbreite geschwankt. "Von einer Weichwährung kann keine Rede sein", sagte Wiegard.

lgr/dapd/Reuters

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