Sechsmonats-Papiere Griechenland leiht sich kurzfristig Geld

Die griechische Regierung kann die akute Finanznot des Landes kurzfristig lindern: Athen sammelt mit Sechsmonats-Papieren mehr als 800 Millionen Euro ein - zu geringeren Zinsen als im Vormonat.


Athen - Es ist ein klitzekleiner Lichtblick: Das von der Staatspleite bedrohte Griechenland hat am Dienstag 812,5 Millionen Euro frisches Geld am Kapitalmarkt eingesammelt. Das teilte die griechische Schuldenagentur PDMA mit. Die Laufzeit der Papiere beträgt 26 Wochen und der Zinssatz 4,68 Prozent. Er liegt damit geringfügig niedriger als im Juli. Damals betrug der Zinssatz 4,7 Prozent.

Die Regierung in Athen hatte kürzlich Alarm geschlagen, weil die Barmittel knapp werden. Das Land leiht sich immer wieder für kurze Zeit Geld am Kapitalmarkt, um Rechnungen zu begleichen. An Kredite mit längerer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren ist angesichts hoher Zinsen derzeit nicht zu denken. Das Land ist daher von Rettungshilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) abhängig.

Die nächste Auszahlung von Hilfen aus dem Rettungsprogramm hängt nun von dem für September erwarteten Bericht der sogenannten Troika ab. Griechenland hat sich im Gegenzug für ein 130 Milliarden Euro schweres Rettungspaket zu Reformen und einem strikten Sparkurs verpflichtet, mit dem die Staatsverschuldung innerhalb der nächsten acht Jahre auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung gedrückt werden soll.

Die EU-Kommission bekräftigte am Dienstag die geltenden Schuldenziele für das Land. "Das ist ein ehrgeiziges Ziel für Griechenland bis 2020 und wir halten an dieser Abmachung fest", sagte ein Sprecher am Mittwoch in Brüssel. Einen Bericht des "Wall Street Journal", laut dem der IWF auf Änderungen der Bedingungen pocht, wollte der Sprecher nicht bestätigen.

Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf nicht genannte Quellen im IWF berichtet, der Währungsfonds wolle die griechische Staatsverschuldung bis 2020 in der Nähe von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung sehen. Damit das gelingt, sollte dem Land ein weiterer Teil seiner Schulden erlassen werden.

Experten weisen allerdings daraufhin, dass solche Zahlen angesichts der desolaten Wirtschaftslage in Griechenland ohnehin völlig willkürlich gewählt sind - die Entwicklung in den kommenden Jahren gilt als nicht vorhersehbar.

Die Staatsverschuldung Griechenlands beträgt nach Zahlen der EU-Kommission derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung, fast doppelt so viel wie in Deutschland. Euro-Länder haben eigentlich ein Schuldenziel von maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.

yes/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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2wwk 07.08.2012
1. Hatte die EZB nicht die Regeln geaendert
damit GR diese Anleihen durchziehen konnte. Ohne diese Aenderung waeren die GR Anleihen vielleicht nicht so billig fuer GR geworden. Ich denke ich habe in der letzten Woche gelesen, dass die EZB Regeln fuer GR geaendert haben.
godfather58 07.08.2012
2. Natürlich sind die Regeln geändert
Die Anleihen wurden vermutlich an griechische Banken verkauft und die geben sie dann als Sicherheit an die griechische Notenbank und bekommen von dort die Gelder. Und dafür haftet die EZB und damit die zahlungsfähigen EU-Stzeuerzahler. Ich würde mich auch nicht wundern, wenn bei dieser Transaktion in jeder Stufe noch kräftig die Hand für Provisionen, Gebühren, Disagio oder was auch immer aufgehalten würde.
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