Ehemaliger EU-Währungskommissar Rehn will griechische Schuldenlast reduzieren

Angela Merkel will Griechenland nicht mehr um jeden Preis in der Eurozone halten. Der ehemalige EU-Währungskommissar Olli Rehn hingegen erwartet nach SPIEGEL-Informationen weitere Zugeständnisse der EU-Partner gegenüber Athen.
Europa-Parlamentarier Rehn: Weitere Zugeständnisse aus Brüssel

Europa-Parlamentarier Rehn: Weitere Zugeständnisse aus Brüssel

Foto: Olivier Hoslet/ dpa

Hamburg - Olli Rehn sieht einem möglichen Wahlsieg der radikallinken Syriza-Partei in Griechenland gelassen entgegen. "Es erscheint mir übertrieben, dass einige den Teufel an die Wand malen", sagte der frühere EU-Währungskommissar dem SPIEGEL. "Jede mögliche Turbulenz, die Griechenland verursachen mag, könnte die Eurozone nicht so erschüttern wie 2010 oder 2012." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Das Oppositionsbündnis Syriza sei eine Kirche mit vielen Strömungen, sagte der Finne, der jetzt Abgeordneter im Europaparlament ist. "Es wird schwierig sein, diese Allianz zusammenzuhalten". Auch deshalb werde es Zugeständnisse aus Brüssel bedürfen.

Einen Schuldenschnitt, wie von Syriza-Chef Alexis Tsipras gefordert, hält Rehn für vermeidbar. Die EU-Partner müssten Griechenland jedoch helfen, die griechische Schuldenlast zu reduzieren. "Das können wir aber auch durch eine Verlängerung der Laufzeiten der Kredite erreichen."

Die Bundesregierung hingegen hält nach SPIEGEL-Informationen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für nahezu unausweichlich, wenn Tsipras nach den Neuwahlen die Regierung übernimmt, den Sparkurs aufgibt und die Schulden des Landes nicht mehr bedient.

Entgegen ihrer bisherigen Linie ist die Bundesregierung bereit, Griechenland notfalls aus der Eurozone ausscheiden zu lassen. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) halten einen Austritt des Landes aus der Gemeinschaftswährung für verkraftbar.

Grund dafür seien die Fortschritte, die die Eurozone seit dem Krisenhöhepunkt 2012 gemacht habe, heißt es in Regierungskreisen. So sei die Ansteckungsgefahr für andere Länder begrenzt, weil Portugal und Irland als saniert gelten. Zudem stehe mit dem ESM ein schlagkräftiger Rettungsmechanismus zur Verfügung, für die Sicherheit großer Kreditinstitute sorge die Bankenunion.