Griechenland-Poker Gläubiger sollen auf bis zu 70 Prozent verzichten

Die Verhandlungen um einen griechischen Schuldenschnitt stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters erklärten sich die privaten Gläubiger des Landes bereit, auf 65 bis 70 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten.
Premierminister Papademos (links) und Finanzminister Venizelos: Vor dem Durchbruch

Premierminister Papademos (links) und Finanzminister Venizelos: Vor dem Durchbruch

Foto: Orestis Panagiotou/ dpa

Athen - Der Schuldenschnitt für Griechenland fällt offenbar höher aus als zunächst geplant. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wollen die privaten Gläubiger des Landes ihre alten Anleihen in neue umtauschen und dabei auf rund zwei Drittel ihrer Forderungen verzichten. "Beide Seiten bewegen sich auf einen Schuldentausch zu, der einen realen Verlust von 65 bis 70 Prozent für die Anleihengläubiger bedeuten würde", zitiert die Agentur einen Vertreter der Banken, der Einblick in die Verhandlungen hat.

Am Donnerstagabend hatte die griechische Regierung unter Premierminister Loukas Papademos und Finanzminister Evangelos Venizelos mit Vertretern des Internationalen Bankenverbandes IIF verhandelt. An diesem Freitag wollte IIF-Verhandlungsführer Charles Dallara in einer Telefonkonferenz die Banken über die Details des geplanten Schuldenschnitts informieren. Die Gespräche mit Griechenland sollen offiziellen Angaben zufolge am Freitagabend um 18.30 Uhr fortgesetzt werden. Spätestens bis Montag soll es eine Einigung geben.

Sicher scheint, dass es zu einem Tausch alter Staatsanleihen gegen neue kommen wird. "Die neuen Anleihen werden wahrscheinlich eine 30-jährige Laufzeit haben und eine tilgungsfreie Zeit von zehn Jahren", zitiert Reuters den ungenannten Bankenvertreter. Die Zinsen sollen im Laufe der Jahre schrittweise steigen und im Schnitt im Bereich von vier Prozent liegen..

Bei einem EU-Gipfel Ende Oktober hatten sich die Regierungen mit den Bankenvertretern eigentlich auf einen freiwilligen Schuldenschnitt von 50 Prozent für die privaten Gläubiger geeinigt. Dadurch sollten die Verbindlichkeiten Griechenlands um insgesamt 100 Milliarden Euro sinken. Der Schnitt ist Teil eines neuen Rettungspakets der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das schuldengeplagte Land.

Die jetzt genannten Zahlen von 65 bis 70 Prozent sind nur bedingt mit den ursprünglich angestrebten 50 Prozent vergleichbar. Während sich die Vereinbarung vom Oktober auf den Nominalwert der Anleihen bezog, soll es nun um den sogenannten Gegenwartswert gehen. Dieser beinhaltet zusätzlich die Zinserwartungen der Gläubiger.

stk/Reuters/dpa
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