Streit mit Euro-Partnern Tsipras erklärt sich im Griechenland-Poker zum Sieger

"Wir lassen die Sparmaßnahmen hinter uns": Der griechische Premier Tsipras hält seine Regierung für die Gewinnerin im Streit mit den Euro-Partnern - auch wenn das Beobachter ganz anders sehen.
Griechischer Premier Tsipras: Das Schwierigste kommt noch

Griechischer Premier Tsipras: Das Schwierigste kommt noch

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP

Athen - Die griechische Regierung verkauft die vorläufige Einigung im Streit mit der Euro-Gruppe als Sieg für ihr Land. Nach Darstellung von Ministerpräsident Alexis Tsipras sind damit die bisherigen Sparauflagen vom Tisch. "Gestern haben wir einen entscheidenden Schritt gemacht", sagte Tsipras am Samstag im griechischen Fernsehen. "Wir lassen die Sparmaßnahmen, das Rettungsprogramm und die Troika hinter uns."

Es müsse noch vieles getan werden, damit das Land aus der Krise herauskomme und auf eigenen Beinen stehen könne, sagte Tsipras. "Wir haben einen Kampf gewonnen, aber nicht den Krieg." Die wahren Schwierigkeiten kämen erst noch. Das Volk wisse das.

Die Euro-Finanzminister hatten sich am Freitagabend nach langem Ringen mit der griechischen Regierung auf eine Verlängerung des Hilfsprogramms um vier Monate geeinigt. Bevor dies endgültig genehmigt wird, muss Griechenland bis Montag eine Liste von Reformvorhaben vorlegen. Noch am Samstag will Tsipras mit seinem Kabinett über mögliche Vorschläge beraten.

Unterschiedliche Interpretationen

Griechenland habe am Freitag die Pläne konservativer Kräfte im In- und Ausland abgewendet, die die Absicht hatten, "das Land zu ersticken", sagte Tsipras in seiner Ansprache. Die Einigung von Brüssel öffne eine breite Tür für Reformen, wie die Bekämpfung der Steuerhinterziehung und der Korruption. Die Verhandlungen gingen nun in eine neue Phase, die zu Wachstum und Beschäftigung führen.

Damit interpretiert der Ministerpräsident die Einigung vom Freitagabend deutlich anders als etwa der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der hatte unmittelbar nach den Verhandlungen noch erklärt, die Verpflichtungen Griechenlands bezögen sich nun ausdrücklich auf das bisherige Hilfsprogramm. Nur wenn das Land dieses Programm erfolgreich beende, könne es weitere Hilfsgelder bekommen. So steht es auch im Originaltext, den die Euro-Gruppe am Freitagabend veröffentlichte . (Eine Analyse der Vereinbarung lesen Sie hier.)

Die unterschiedlichen Interpretationen deuten darauf hin, dass es noch weiter gehen könnte mit dem Streit um die richtigen Reformen. Selbst wenn die am Montag vorzulegende Liste erst einmal genehmigt würde, müssten bis Ende April Details ausgearbeitet werden. Erst dann wird entschieden, ob die Hilfsgelder tatsächlich fließen.

stk/Reuters/AP/dpa
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