Eurozone Schäuble will Rauswurf von Schuldensündern ermöglichen

Einen zweiten Fall Griechenland soll es nicht geben: Nach Informationen des SPIEGEL will das Bundesfinanzministerium neue Regeln für die Eurozone. Künftig soll es möglich sein, Schuldensünder aus der Währungsunion zu werfen.
Zypriotische Euro-Münze: Angst vor Ansteckungsgefahr durch Grexit

Zypriotische Euro-Münze: Angst vor Ansteckungsgefahr durch Grexit

Foto: Oliver Berg/ dpa

Die Euroländer wollen im Falle eines Grexits einen finanziellen Schutzwall um Zypern errichten. Darauf haben sich nach Informationen des SPIEGEL die Finanzministerien der übrigen Euroländer verständigt.

Die Inselrepublik gilt von allen ehemaligen Krisenländern als am anfälligsten, weil ihre Wirtschaft am stärksten mit der Griechenlands verflochten ist. Bei Bedarf sollen dem Land zusätzliche Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm ESM gewährt werden.

Im Bundesfinanzministerium gibt es zudem weitreichende Überlegungen, um künftig einen Fall wie Griechenland in der Eurozone zu verhindern. Im Regelwerk der Währungsunion müsse eine Vorkehrung geschaffen werden, ein Land, das sich an keine Regel und Abmachung hält, aus dem Euro zu werfen.

Kotzias appelliert an Kompromissfähigkeit

Der griechische Außenminister Nikos Kotzias glaubt jedoch nach wie vor an die europäische Kultur des Kompromisses: "Vorwürfe vonseiten der Europäer sind nur der öffentliche Teil der Verhandlungen, sie sind da, um Druck aufzubauen. Man muss das alles nicht so ernst nehmen", sagte er in einem Interview mit dem SPIEGEL. Er sei optimistisch, dass es noch am Sonntag beim EU-Gipfel zu einer Lösung komme: "Vielleicht sollte man in Deutschland mehr Bloch lesen, über das Prinzip Hoffnung", so Kotzias. (Lesen Sie das vollständige Interview mit Nikos Kotzias im neuen SPIEGEL.)

Kotzias sagte außerdem, in ihm gäbe es nichts Antideutsches, im Gegenteil, er habe eine große Achtung vor dem deutschen Geist und der deutschen Kultur. Auch Kanzlerin Merkel schätze er: "Sie hat wahrscheinlich mehr als jeder andere in Europa die Fähigkeit, den Zeitfaktor als Machtfaktor zu nutzen. Das ist ein großes Talent, davor muss man Hochachtung haben."

Der Politiker verteidigte das Referendum, das seine Regierung vergangenen Sonntag abhielt, es habe dem Land "den Stolz, die Hoffnung und die Möglichkeit zu träumen zurückgegeben". Als Pro-Europäer sei seine größte Sorge, dass Europa heute auf Sanktionen, Bestrafungen und Memoranden reduziert werde. "Wir müssen deshalb eine gute Abmachung erreichen, die keine Neuwahlen erfordert."

Im Video: Wolfgang Schäubles Griechenlandwitz

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