Pipeline-Pläne Schäuble bezweifelt russische Hilfe für Griechenland

Wolfgang Schäuble teilt erneut gegen Griechenland aus: Die Regierung solle sich keine Hoffnung auf Kredite aus Russland oder China machen, sagt der Bundesfinanzminister. Dabei hatte er einen solchen Deal ursprünglich begrüßt.

Griechen-Kritiker Schäuble: "Die Chinesen verschenken kein Geld"
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Griechen-Kritiker Schäuble: "Die Chinesen verschenken kein Geld"


Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die griechische Regierung davor gewarnt, auf Russland oder China als Geldgeber zu setzen. "Niemand auf der Welt ist bereit, die griechischen Probleme auch nur in Ansätzen zu lösen", sagte Schäuble bei einer Diskussionsrunde mit Schülern und Auszubildenden in Berlin. "Griechenland findet Hilfe von Europa oder es muss mit weniger Hilfe auskommen."

Vertreter der griechischen Regierung hatten wiederholt angedeutet, sie könnten sich auch außerhalb der EU Finanzhilfen besorgen. Die Hoffnungen ruhen dabei besonders auf einem Pipeline-Projekt mit dem russischen Energiekonzern Gazprom, für das Griechenland einen milliardenschweren Zuschuss erhalten könnte.

Schäuble hatte den möglichen Deal ursprünglich begrüßt. "Ich freue mich für Griechenland, wenn's so ist. Hoffentlich ist es so", sagte er. "Alles, was Griechenland hilft, ist gut." Bei einem Besuch von Gazprom-Chef Alexej Miller in Athen war es kürzlich jedoch nicht zur erhofften Vertragsunterzeichnung gekommen.

Russland habe selbst enorme Probleme, sagte Schäuble nun. Der russische Haushalt werde im Wesentlichen mit dem Verkauf von Öl und Erdgas finanziert, dessen Preise zuletzt stark gefallen sind. Nun kämen die Sanktionen gegen Moskau im Zuge der Ukraine-Krise hinzu, die massive Rubel-Abwertung sowie das gesunkene Vertrauen internationaler Kreditgeber.

"Und die Chinesen verschenken kein Geld", so der Minister weiter. Allenfalls gehe es um Privatisierungen an chinesische Investoren. Aber das sei zu wenig.

Die Diskussion mit Schäuble fand aus Anlass des Europa-Projekttages für Schulen statt. Schon bei einer Veranstaltung der Adenauer-Stiftung im März hatte Schäuble gegen die griechische Regierung ausgeteilt. Diese habe "alles Vertrauen zerstört", sagte er damals.

Schäuble wiederholte nun auch frühere Aussagen, wonach die Verantwortung für die wirtschaftliche Misere Griechenlands bei den Griechen selbst liege. "Weder die Troika, noch Europa, noch Deutschland ist schuld an den griechischen Problemen", sagte der CDU-Politiker. "Griechenland hat über viele Jahre über seine Verhältnisse gelebt."

dab/dpa/Reuters

insgesamt 47 Beiträge
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taurus3000 06.05.2015
1. Schäuble sollte seine Skepsis
oder was auch immer er ausdrücken will, nicht zu laut in die Welt hinausposaunen. "Bösartige Verwünschungen" können im Handumdrehen wahr werden und - hast Du nicht gesehen - führt Griechenland seine Drachme wieder ein und unser Austeritätsminister steht vor dem Scherbenhaufen seiner Politik. Und sage keiner, dies sei ausgeschlossen. Es hat auch keiner an die Finanzkrise 2008 geglaubt, bis sie da war. Auch so mancher Kriegsausbruch ist von keinem Orakel vorausgesagt worden.
53er 06.05.2015
2. Schäuble spielt den Henkel,
er kann es einfach nicht lassen, seine Weisheiten unters Volk zu bringen. Gerade im Gespräch mit jungen Menschen sollte man solche Äußerungen unterlassen, sie können nicht erkennen, dass es sich nur um eine private Meinung Schäubles handelt und keineswegs um Fakten. Leider müssen diese jungen Menschen dann damit leben was unsere Politik im Umgang mit Griechenland anrichtet.
fritzyoski 06.05.2015
3. Kredite aus Russland
Auch Putin hat kein Geld zu verschenken, wer haette das gedacht.
stand.40 06.05.2015
4. Was sagt Schäuble ?
Ich verstehe es so : Hilfe nur von Europa , verspricht er wieder .Null Einsicht der Geldgeber. Ist ja nicht sein Geld ,außerdem nicht mehr der Jüngste was kann da schon noch passieren.
Leser1000 06.05.2015
5. Es kommt darauf an....
...sagt der Jurist. Weder China noch Russland werden gewillt sein Griechenlands Probleme wirklich lösen zu wollen, wenn damit mittelbar dem Westen geholfen würde. Also würden China oder RUS GR nur dann helfen, wenn ein wirklicher strategischer Gewinn dabei herauskommen würde, der zu Lasten der EU/USA gehen würde. Nur würde das in der Konsequenz wohl mehr oder weniger das "Aus" oder mindestens eine "Finnlandisierung" Gr´s in exponentialer Form bedeuten. Die Frage ist, ob die Mehrheit der Griechen dies wirkliche Option begreife würde. China und Russland sind nicht gerade Länder, die einen "Wohlfühlstatus" vermitteln. Im Falle RUS kommt hinzu - Modernität? In weiten Bereichen Fehlanzeige, statt dessen Rückständigkeit.
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