Griechenland Schuldenerleichterung könnte über 100 Milliarden Euro kosten

Griechenlands Gläubiger sind über die Frage von Schuldenerleichterungen zerstritten. Nach SPIEGEL-Informationen könnte die Hilfe bis zu 123 Milliarden Euro kosten.

Bundesfinanzminister Schäuble
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Bundesfinanzminister Schäuble


Neue Schuldenerleichterungen für Griechenland kommen die Geberländer nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums (BMF) teuer zu stehen. Je nach Sparanstrengungen, Wachstum und Aufschub für Zins und Tilgung von alten Krediten könnten nach SPIEGEL-Informationen bis Mitte des Jahrhunderts bis zu 123 Milliarden Euro fällig werden.

Dieses Szenario träte ein, wenn die Wirtschaft Griechenlands nur um ein Prozent im Jahr zulegen, der Primärüberschuss, also das Etatplus vor Schuldendienst, langfristig bei 1,5 Prozent liegen und die Laufzeit der Hilfskredite um 17,5 Jahre verlängert würden. Zinszahlungen und Tilgung würden dabei bis 2048 komplett ausgesetzt. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Bei einer solchen Zinsstundung würde es sich faktisch um einen neuen Kredit handeln", schreiben die BMF-Experten in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages. Zwischen 84 und 89 Milliarden Euro müssten die Geberländer aufbringen, wenn Überschüsse und Wachstum etwas höher ausfielen, die Laufzeiten bis zu 15 Jahre verlängert und die Zinsen bei einem Prozent gedeckelt würden. Gut ein Viertel der Kosten entfielen auf Deutschland.

Würde Griechenland auf lange Sicht Primärüberschüsse von 2,6 Prozent erwirtschaften und um 1,3 Prozent wachsen, wären keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich. Grundlagen für die BMF-Berechnungen waren Szenarien, die der europäische Rettungsschirm ESM vorgegeben hatte. Der Internationale Währungsfonds hält die erste Variante für wahrscheinlich, das BMF bevorzugt die letzte.

In der Vergangenheit haben sich die Wachstumsprognosen für die griechische Wirtschaft meist als zu optimistisch herausgestellt. Am Freitag musste das Griechische Statistikamt seine Schätzung für das erste Quartal 2017 dagegen kräftig nach oben revidieren. Statt wie prognostiziert leicht zu schrumpfen, legte die griechische Wirtschaft um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu.

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rei

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protonendichte 02.06.2017
1. Gutes Geld Schlechtem hinterher werfen.
Es zeigt sich doch überdeutlich, daß Griechenland nicht in Lage oder Willens ist das Land zu reformieren und den Staatshaushalt zu sarnieren. Wie viele Milliarden r will man noch in ein Faß ohne Boden werfen, wie lange will man noch warten, um zu erkennen, daß diese ständige Herumdoktorei zu nichts führen wird, ausser noch mehr Geld zu verbrennen. Man sollte den Tatsachen und der Realität Griechenlands ins Auge sehen und (endlich) die notwendigen Konsequenzen ziehen.
lollipoppey 02.06.2017
2. Bei aller Liebe zur EU.....
...der Betrag von über 100 Milliarden ist einfach zuviel. Zusätzlich zu bedenken sind die beiden Schuldenerleichterungen aus der Vergangenheit. Es muss ernsthaft die Frage gestellt werden, ob GR überhaupt in der Lage ist mit dem Euro auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn nicht, werden die übrigen Euro-Staaten ständig Transferzahlungen leisten müssen. D.h. GR wird auf Kosten der anderen Staaten leben müssen. Dies ist nicht gerade förderlich für die Akzeptanz für Europa bei den Bürgern!
goaduke42 02.06.2017
3. Scheiß drauf...
...wir könnens uns leisten. Und was wäre die Alternative? Griechenland raus aus dem Euro und der EU? Wäre wahrscheinlich noch teurer und wir würden die Wiege der Demokratie vor die Tür setzen. Was für ein Zeichen...
Freidenker10 02.06.2017
4.
Warum schaffen es vergleichbare Länder wie Polen, Tschechei und die kleinen wie Estland usw. sich aus dem Sumpf zu ziehen nur Griechenland nicht? Sind die Bürger der anderen Länder fleißiger, haben die bessere Politiker? Sind deren Bürger vielleicht auch steuerehrlicher? Aber gut, ich will mich mal nicht zuweit aus dem Fenster lehnen, denn bei unserer Abgaben und Steuerwut würden vermutlich auch viele Steuern hinterziehen wenn es so leicht möglich wäre wie in Griechenland!
hotgorn 02.06.2017
5.
Was wäre wenn wäre nicht nötig wenn man gesamteuropäische sozial und Finanzpolitik betreiben würde. Um in Griechenland Wachstum zu erreichen und Korruption zu bekämpfen sind Investitionen nötig z.B. in eine Griechische Sozial und Arbeitslosenhilfe statt um dem Beamtentum und der Rentenkorruption dort beizukommen. Ob Schäuble den günstigsten Weg für Europa einschlägt bezweifle ich und der moralistischste Weg ist der des Giftschwabens aus Baden schon lange nicht.
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