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03. Dezember 2012, 15:02 Uhr

Profiteure der Krise

Das dreifache Dilemma der Euro-Retter

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Griechenland, Spanien, Zypern - bei den Krisenstaaten, über die die Euro-Finanzminister heute beraten, zeigt sich ein Problem: Von den Rettungsaktionen profitieren vor allem Akteure, die es nicht verdienen. Nämlich Hedgefonds, Großbanken und russische Oligarchen.

Hamburg - Die Idee klingt zunächst einleuchtend: Der griechische Staat reduziert seine Schuldenlast, indem er Anleihen von den Gläubigern zurückkauft. Er zahlt dafür maximal 40 Prozent des Wertes - statt in einigen Jahren die volle Summe berappen zu müssen. Mit zehn Milliarden Euro Investitionen reduziert Athen so mal eben seinen Schuldenstand um 30 Milliarden Euro, baut also in der Summe 20 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten ab.

So weit die Idee. Problematisch wird der Plan allerdings, wenn man sich anschaut, wer von diesem Schuldenrückkauf profitiert. Es sind vor allem spekulative Hedgefonds, Profi-Investoren, die sich nach dem Schuldenschnitt Anfang des Jahres billig mit griechischen Anleihen eingedeckt haben. Sie können nun die verzweifelte Lage Griechenlands ausnutzen und die riskanten Papiere mit hohen Gewinnen abstoßen.

Athen bleibt dabei kaum eine Wahl. Die Regierung ist auf die Gunst der Spekulanten angewiesen, um die Vorgaben der internationalen Geldgeber von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zu erfüllen. Am Nachmittag treffen sich in Brüssel die Finanzminister der Euro-Zone. Der griechische Amtsinhaber Yannis Stournaras soll seinen Kollegen dann die Details des Rückkaufprogramms erläutern. Außerdem auf der Tagesordnung: die Milliardenhilfen für spanische Banken und das 17,5-Milliarden-Programm für Zypern.

Bei allen drei Programmpunkten wird ein durchgehendes Dilemma deutlich. Um das übergeordnete Ziel, die Stabilisierung der Währungsunion, zu erreichen, nehmen die Euro-Retter eine schwerwiegende Nebenwirkung in Kauf: Von den nun anstehenden Rettungsaktionen profitieren Spekulanten, Oligarchen und Großbanken - also jene, die die Hilfe weder nötig noch verdient haben.

Die drei Beispiele zeigen, welche Nebenwirkungen die Strategie der Euro-Retter hat. "Das Krisenmanagement führt dazu, dass häufig die Falschen gewinnen und die Masse der Bürgerinnen und Bürger bezahlen", sagt Grünen-Politiker Schick.

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