Angst vor dem Euro-Aus Griechen heben Milliarden von ihren Konten ab

Die griechischen Sparer fürchten den Austritt ihres Landes aus der Euro-Zone - und räumen ihre Konten. Allein im Juni verringerten sich die Einlagen um fast sieben Milliarden Euro. Der Regierung in Athen läuft die Zeit davon, doch die Verhandlungen über einen neuen Sparplan stocken.

Bankfiliale in Athen: Das Vertrauen ist beschädigt
REUTERS

Bankfiliale in Athen: Das Vertrauen ist beschädigt


Frankfurt am Main - Die griechischen Bankkunden haben auch im Juni wieder Milliardenbeträge von ihren Sparkonten abgezogen. Die Einlagen bei den Banken des Landes verringerten sich um fast sieben Milliarden Euro, wie aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht.

Insgesamt hatten die Griechen Ende Juni demnach 156,20 Milliarden Euro auf ihren Konten hinterlegt. Einen Monat zuvor waren es noch 163,09 Milliarden Euro gewesen. Die Spareinlagen erreichten damit den niedrigsten Stand seit mehr als sechs Jahren.

Besonders stark war der Abzug der Kundengelder vor den Wahlen am 17. Juni. Damals berichteten Insider, pro Tag würden bis zu 900 Millionen Euro abgehoben. Nach Angaben der griechischen Notenbank hat sich die Lage nach der Wahl wieder gebessert. Vor zwei Wochen hatte Notenbank-Chef Georgios Provopoulos von einer "Rückkehr der Ersparnisse in einer zufriedenstellenden Geschwindigkeit" gesprochen.

Die Verhandlungen über ein neues Sparpaket wurden vertagt

Seit dem vergangenen Wochenende hat sich die Krise in Griechenland allerdings wieder zugespitzt. Vor allem in Deutschland werden Stimmen laut, die einen Austritt des Landes aus der Währungsunion fordern.

Der Chef der Sozialistischen Partei, Evangelos Venizelos, warnte am Donnerstag vor solchen Gedankenspielen. Wer glaube, Griechenland müsse geopfert werden, der irre sich. "Es wird der Selbstmord der Euro-Zone werden", sagte Venizelos.

Derzeit verhandeln die griechischen Regierungsparteien über den neuen Sparplan des Landes. Eigentlich wollten sie den Plan noch am Donnerstag den Experten der sogenannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) präsentieren. Doch offenbar verzögern sich die Verhandlungen. Die Gespräche würden am Montag fortgesetzt, teilte Sozialisten-Chef Venizelos nach einem dreistündigen Treffen mit Ministerpräsident Antonis Samaras und Fotis Kouvelis von der Partei der Demokratischen Linken mit.

Bei den Verhandlungen geht es um Einsparungen in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden Euro für die kommenden zwei Jahre. Am härtesten dürften diese Maßnahmen abermals die Rentner treffen. Übereinstimmenden Medieninformationen zufolge soll es künftig in Griechenland keine Renten mehr geben, die 2200 Euro übertreffen.

Weitere Kürzungen soll es auch im Gesundheitsbereich geben. Wie die griechische Presse unter Berufung auf Regierungsquellen berichtete, soll künftig zahlen, wer häufig zum Arzt geht. Wenn die Arztkosten 1500 Euro im Jahr übertreffen, soll der Versicherte demnach für jeden weiteren Arztbesuch zehn Euro zahlen. Bei einem Krankenhausaufenthalt soll der Patient 15 Prozent der Kosten selbst tragen.

stk/AFP/dpa


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