Zukunft des Euro Heiße Wochen für Athen

Eine unkontrollierte Staatspleite in Griechenland wird immer wahrscheinlicher. Weil der Euro-Rettungsschirm ESM erst nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im September in Kraft treten kann, muss der Regierung in Athen irgendwie über den Sommer geholfen werden.

Akropolis in Athen: Unkontrollierte Staatspleite so wahrscheinlich wie nie
dapd

Akropolis in Athen: Unkontrollierte Staatspleite so wahrscheinlich wie nie

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Die Erfolgsmeldungen vom März, als die Euro-Länder Finanzhilfen für Griechenland im Umfang von 130 Milliarden Euro freigaben, sind lange vergessen. Jetzt gilt es sogar als unsicher, ob Griechenland ohne Pleite durch den August kommt. Wieder einmal muss das Land von Woche zu Woche mit der Unsicherheit leben, wie es weitergeht. Eine Übersicht über die nächsten Termine in der Euro-Krise:

Am 24. Juli reist ein Team der Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) nach Athen, um erneut zu prüfen, ob die Griechen bei ihren Sparbemühungen schnell genug vorankommen. Von dem Ergebnis wird es abhängen, ob die Regierung eine neue Tranche aus dem zweiten Rettungspaket erhält.

Die Troika will ihren Bericht voraussichtlich frühestens Ende August vorlegen - dann könnte dem Land das Geld bereits ausgegangen sein. Bisher haben die internationalen Geldgeber über den temporären Rettungsfonds EFSF in fünf Tranchen 39,4 Milliarden Euro an Griechenland ausgezahlt; das Geld ist vor allem in den Schuldendienst geflossen.

Milliardensumme im August fällig

Am 20. August läuft eine weitere Staatsanleihe aus - ohne eine neue Finanzspritze kann die griechische Regierung die 3,8 Milliarden Euro, die an diesem Tag an die EZB fällig werden, nicht auszahlen. Nach Informationen des SPIEGEL könnten die Euro-Notenbanken als Notlösung mit einer Art Kreislaufgeschäft selbst den Kredit ablösen: Der griechische Staat könnte neue kurzfristige Staatsanleihen herausgeben - sogenannte T-Bills - und sie an die griechischen Banken verkaufen. Diese wiederum reichen die Papiere bei der griechischen Notenbank ein - als Sicherheit für neue Nothilfen.

Möglich wäre auch, dass die EZB die Rückzahlung stundet, bis der Bericht der Troika vorliegt. Gleichzeitig hat die EZB mitgeteilt, dass sie von Mittwoch an keine Staatsanleihen Griechenlands mehr als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften akzeptieren wird. Über die Wiederzulassung der Papiere werde erst nach dem nächsten Bericht der Troika über den Stand der Reformen in dem Euro-Land entschieden. Faktisch hat dieser Schritt allerdings kaum Auswirkungen, denn bei der Notenbank in Athen werden die Staatsanleihen weiterhin akzeptiert.

Im Grundsatz haben die Euro-Länder Griechenland zugesagt, bei der Deckung des kurzfristigen Finanzbedarfs im August zu helfen. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte in der vergangenen Woche versichert, man werde schon eine Lösung für das akute Problem finden.

Warten auf das Bundesverfassungsgericht

Die internationale Gemeinschaft muss das finanzielle Überleben Griechenlands mindestens bis zum 12. September sichern, denn dann entscheidet das Bundesverfassungsgericht über den Euro-Rettungsschirm ESM. Erst nach dem Start des ESM gilt die Ansteckungsgefahr für andere Krisenländer wie Spanien oder Italien als einigermaßen beherrschbar.

Die griechische Regierung hat unterdessen darum gebeten das mit der Troika vereinbarte Ziel, das Haushaltsdefizit bis Ende 2014 unter die EU-Obergrenze von drei Prozent zu drücken, um zwei Jahre zu verschieben. Schätzungen zufolge könnte das die internationalen Geldgeber bis zu 50 Milliarden Euro zusätzlich kosten.

Auch wenn Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die Debatte über einen Austritt Griechenlands aus der europäischen Währungsunion mit der Aussage, solch ein Schritt habe "längst seinen Schrecken verloren", am Wochenende wieder neu entfacht hatte: Die EU-Kommission widersprach der Einschätzung deutlich. Ein Sprecher sagte am Montag in Brüssel: "Griechenland soll und wird in der Euro-Zone bleiben." Zwar gebe es bei der Umsetzung der vereinbarten Spar- und Reformmaßnahmen "bedeutende Verzögerungen", die Regierung in Athen sei sich aber sehr der Tatsache bewusst, dass Versäumnisse aufgeholt werden müssten.



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
_meinemeinung 23.07.2012
1. Beweis des Megaschwachsinns
Zitat von sysopdapdEine unkontrollierte Staatspleite in Griechenland wird immer wahrscheinlicher. Weil der Euro-Rettungsschirm ESM erst nach dem Bundesverfassungsgerichts-Urteil im September in Kraft treten kann, muss der Regierung in Athen irgendwie über den Sommer geholfen werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845902,00.html
Wenn jetzt Griechenland den Staatsbankrott erklärt, ist das der beste Beweis für den Megaschwachsinn, der bisher in der Sache verzapft wurde. EIne Staatspleite vor zwei Jahren wäre wohl weit weniger teuer geworden als jetzt, mindestens die schon reingepumpten Milliarden wären anderswo besser verwendet worden. Ach, was sage ich, die sind ja alle in die Kassen der internationalen Finanzmafia geflossen, besser kann man das Geld doch nicht verwenden....
BettyB. 23.07.2012
2. Schön, aber...
wieso "muß" Griechenland über den Sommer geholfen werden. Ein eindeutig manipulativer Artikel...
kokolemle 23.07.2012
3. Woher weis man den ob das BVG den ESM stattgibt?
"Weil der Euro-Rettungsschirm ESM erst nach dem Bundesverfassungsgerichts-Urteil im September in Kraft treten kann" Diese Aussage sagt schon, wie naiv man hier ist. Man kann doch nicht in die Zukunft schauen, wie das BVG entscheiden wird. Also bitte etwas mehr Vorsicht bei der Berichtserstattung.
observerd 23.07.2012
4. Es ist bereits genug Druck
Zitat von kokolemle"Weil der Euro-Rettungsschirm ESM erst nach dem Bundesverfassungsgerichts-Urteil im September in Kraft treten kann" Diese Aussage sagt schon, wie naiv man hier ist. Man kann doch nicht in die Zukunft schauen, wie das BVG entscheiden wird. Also bitte etwas mehr Vorsicht bei der Berichtserstattung.
auf die Richter ausgeübt worden und wer realistisch ist weiss dass dieser Druck noch zunehmen wird ... Gewaltenteilung ist etwas für die Schulbücher.
artusdanielhoerfeld 23.07.2012
5. Jetzt wird es offenbar
Zitat von _meinemeinungWenn jetzt Griechenland den Staatsbankrott erklärt, ist das der beste Beweis für den Megaschwachsinn, der bisher in der Sache verzapft wurde. EIne Staatspleite vor zwei Jahren wäre wohl weit weniger teuer geworden als jetzt, mindestens die schon reingepumpten Milliarden wären anderswo besser verwendet worden. Ach, was sage ich, die sind ja alle in die Kassen der internationalen Finanzmafia geflossen, besser kann man das Geld doch nicht verwenden....
Keineswegs, die Politiker wissen genau was sie tun. Denn um die Rettung Griechenlands ging es nie. Die ganze Finanzkrise ist nur inszeniert worden, um den ESM mit seinen supranationalen Kompetenzen einzurichten. Ohne Krise hätte keiner einem Gouverneursrat zugestimmt, der zukünftig über die Verwendung unserer Steuergelder entscheiden kann. So läuft der Hase.
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