Griechenland Die Regierung spart, das Volk streikt

Die Schulen sind dicht, die Bahnen stehen still, die Fähren bleiben im Hafen: Griechische Gewerkschaften haben zum Generalstreik aufgerufen - aus Protest gegen ein neues Sparprogramm.

Straßenszene in Athen
REUTERS

Straßenszene in Athen


In Griechenland ist an diesem Freitag ein Generalstreik gegen die von den internationalen Gläubigern geforderten Sparpläne angelaufen. Mehrere Gewerkschaften hatten zuvor einen 48-stündigen Streik für Freitag und Samstag ausgerufen. Busse und Bahnen fuhren in Athen und anderen Städten des Landes nicht. Auch die staatlichen Schulen blieben am Freitag geschlossen. Die Müllabfuhr und die Eisenbahn sollen für drei Tage bestreikt werden.

In der Ägäis blieben die meisten Fähren am Freitag ebenfalls in den Häfen. Der Seeleutestreik soll bis Dienstagmorgen dauern. Am Freitag, Samstag und Sonntag sind Demonstrationen in Athen und anderen Städten geplant. Auch die Journalisten legten die Arbeit für zwei Tage nieder. Im Radio und Fernsehen gab es nur Musik und Filme. Lediglich eine private Radiostation sendete ein Not-Nachrichtenprogramm, das nur über die Streiks und die Reformen berichtete.

Der Flugverkehr fand dagegen normal statt, teilte der Flughafen Athen mit. Auch Supermärkte und Läden waren geöffnet. Für das Wochenende sind große Demonstrationen in Athen und anderen Städten geplant.

Die Streiks und Proteste richten sich gegen neue Sparmaßnahmen, über die das griechische Parlament am Sonntag abstimmen soll. Dabei geht es um Rentenkürzungen und Steuererhöhungen.

Die internationalen Gläubiger haben die Sparmaßnahmen zur Bedingung für Auszahlung weiterer Milliardenkredite gemacht, auf die sich das Land und die anderen Eurostaatenim Sommer vergangenen Jahres geeinigt hatten. Kommt das Geld nicht wie vereinbart, droht Griechenland in diesem Sommer erneut die Staatspleite.

Seit dem ersten Hilfspaket im Jahr 2010 hat Griechenland bereits mehrere drastische Sparrunden hinter sich. Weil die Wirtschaft aber gleichzeitig abstürzte und Steuereinnahmen wegfielen, reichten die Maßnahmen nie aus, um die geplanten Haushaltsziele zu erfüllen.

stk/dpa



insgesamt 213 Beiträge
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Kritik 06.05.2016
1.
Dieses Land war, ist und bleibt ein Failed State, Griechenland wird auf Dauer am Tropf der EU hängen und von den anderen EU-Staaten alimentiert werden. Am meisten bedaure ich Länder wie die Slowakei oder die Baltischen Staaten, die von ihren Bürgern ebenfalls einen Obolus einfordern müssen, damit es den toten Rentnern und den blinden Taxifahrern in Griechenland weiterhin gut geht.
wastl300 06.05.2016
2. Armes Griechenland
Sie müssen dafür büsen, dass die europäische Bankenrettung funktioniert. Die Bürger haben nur ein erbärmliches Leben, am Rande des Existezminimums. Die Superreichen dürfen weiterhin keine Steuern zahlen, und ihr "Erspartes" in Steueroasen deponieren. Gefangen im Kapitalistischen System ohne wirklich einen Ausweg aus der Falle zu haben.
erzengel1987 06.05.2016
3. mh
Als hätte Griechenland eine militärische Niederlage erlitten. Lasst Banken doch einfach Pleite gehen wird schon nichts passieren. Geld wird eh neues gedruckt war bisher noch niemals ein Problem.
legat-dukat 06.05.2016
4. armes Griechenland
Und wieder mal sind die normalen Bürger dazu verdammt, die Suppe auszulöffeln. Auch Deutschland, als eines der größten Export Länder, hat schuld an der Lage Griechenlands. Die Deutschen arbeiten zu Großteil zum Mindestlohn, nur damit deutsche waren im Ausland günstiger sind. Ferner hält sich auch Deutschland nicht an das Inflationsziel in der EU. Aber nur so geht es, wenn mehrere Staaten eine gemeinsame Währung haben.
echoanswer 06.05.2016
5. Über den griechischen Bürger sollte sich hier keiner aufregen
Das Geld fließt in u.a. deutsche Banken, die riskante Kredite an einen insolventen Kunden vergeben haben. Die Zinsen streichen die Banken ein, das Risiko trägt der Steuerzahler, der jetzt die Zinszahlungen übernimmt. Es wird Zeit, dass "to big to fail" ein Ende hat. Die Verbrecher in den Vorständen der Banken spekulieren genau auf diese Regel und gehen völlig verantwortungslos mit dem Geld aller, außer ihrem eigenen, um. Macht die Deutsche Bank zu, dann haben die Griechen mehr Geld um ihr Land zu sanieren.
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