Deutsch-griechischer Streit Varoufakis spricht von "offener Feindseligkeit"

Im Streit mit den internationalen Geldgebern plädiert Griechenlands Finanzminister Varoufakis für bessere Umgangsformen. Man sei inzwischen bei "offener Feindseligkeit" angekommen. Das müsse aufhören.

Finanzminister Varoufakis: "Es muss aufhören"
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Finanzminister Varoufakis: "Es muss aufhören"


Düsseldorf - Athens Finanzminister Gianis Varoufakis hat deutsche und griechische Politiker dazu aufgerufen, sich nicht mehr gegenseitig zu beschimpfen. "Von diesem toxischen Schwarzer-Peter-Spiel profitieren einzig Europas Feinde", kritisierte Varoufakis in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt".

Im Streit um die Verlängerung von Finanzhilfen war es in den vergangenen Wochen zu verbalen Attacken auf beiden Seiten gekommen. Deutsche Politiker warfen Varoufakis und seinem Ministerpräsidenten Alexis Tsipras vor, "ihre Hausaufgaben" nicht zu machen und sich nicht an Absprachen zu halten. Aus Athen kamen markige Sprüche, die die Rettungspolitik der Euro-Partner mit Foltermethoden verglichen.

Man sei inzwischen bei "offener Feindseligkeit" angekommen, schreibt Varoufakis nun in seinem Gastbeitrag. "Es muss aufhören."

Dass diesem Appell nicht alle folgen werden, ist offensichtlich. Jüngster Grund zur Aufregung für deutsche Politiker scheint der Vorstoß der griechischen Regierung, ausgerechnet Russland um Hilfe für seine angeschlagene Wirtschaft zu bitten. Tsipras versuche, auf dem Rücken der griechischen Bevölkerung die EU-Staaten auszuspielen, sagte der CSU-Politiker und Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, SPIEGEL ONLINE. "Sein Kokettieren mit Russland erschwert eine konstruktive Lösung mit Europa in den Finanzfragen."

Auch der Stinkefinger, den Varoufakis 2013 als Ökonom in Richtung Deutschland gezeigt haben soll, wird dem heutigen griechischen Finanzminister von vielen Deutschen immer noch übel genommen.

Varoufakis hatte bereits früher bestritten, eine solche Geste gemacht zu haben. Zu seinen Worten von damals steht er aber, wie er im "Handelsblatt" deutlich macht. So verteidigt er, bereits Anfang 2010 dafür plädiert zu haben, griechische Staatsschulden abzuschreiben und keine neuen Kredite der europäischen Partner anzunehmen. "Tatsache ist, dass Griechenland kein Recht hatte, sich zu einer Zeit, als seine öffentlichen Schulden nicht mehr zu bewältigen waren, Geld von den deutschen oder anderen europäischen Steuerzahlern zu borgen."

Seiner Ansicht nach sei damals schon abzusehen gewesen, dass die geplante Rettungspolitik die Einkommen der Menschen so sehr würde einbrechen lassen, dass auch die Bedienung der neuen Kredite unmöglich werden würde. "Fünf Jahre nach Umsetzung der ersten Rettungsaktion steckt Griechenland weiter in der Krise", so der 54-Jährige.

stk/dpa

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Crossi71 30.03.2015
1. Echt lustig
Auf konstruktive Kritik reagieren sie mit immer exzessiveren Beleidigungen und Nazivergleichen und nun sollen beide damit aufhören? Also welche Beleidigungen hat Herr Schäuble den bislang ausgesprochen? Oder Frau Merkel?Ich kann beide nicht ausstehen, aber beleidigend sind beide nie.
meinung2013 30.03.2015
2. dazu fehlt Schäuble die Souveränität
weltmännisch sieht anders aus, dals das, was Schäuble abliefert und dass Deutschland weiter zahlen wird, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Also könnte der alte Mann einfach mal den Mund halten, das käme Deutschland billiger.
skaiser5 30.03.2015
3. Frühe Einsicht doch zu spät
Frühe Einsicht doch zu spät "Tatsache ist, dass Griechenland (2010) kein Recht hatte, sich zu einer Zeit, als seine öffentlichen Schulden nicht mehr zu bewältigen waren, Geld von den deutschen oder anderen europäischen Steuerzahlern zu borgen." Auch wenn hier von allen Seiten nur noch Demagogie betrieben wird, um in der Öffentlichkeit nicht als Schuldiger dazustehen: Diesen Worten ist (fast) nichts hinzuzufügen. Außer, dass es auch in Deutschland schon immer Menschen gab, die wussten, dass Griechenland im Euro nichts zu suchen hat. Leider haben viele, viele in Deutschland, insbesondere auch Journalisten, dazu beigetragen, derartige Äußerungen als Europa-feindlich zu diskreditieren.
hestonhill 30.03.2015
4. Varoufakis sollte sich gelegentlich fragen,
wer für diese offene Feinseligkeit verantwortlich ist. Allmählich dürfte jeder erkannt haben, dass der griechische Finanzminister mit allen Mitteln versucht, irgendwie an Geld für sein Land zu kommen, das dieses niemals zurückzahlen wird. Jeder mit der Sache befasste Politiker weiß das, aber keiner spricht es aus. Griechenland will die Kriterien nicht erfüllen und weigert sich beharrlich, die geforderten Nachweise vorzulegen. Selbst wenn dies geschieht, wird es kurze Zeit später wieder heißen, man fühle sich daran nicht mehr gebunden. Die Dreistigkeit, mit der Varoufakis insbesondere den Vertretern Deutschlands gegenüber auftritt, sorgt nicht nur für Verstörung, sondern auch für Verärgerung. Da verwundert es auch nicht, wenn Herr Schäuble deutliche Worte findet.
Kurt2.1 30.03.2015
5. .
Die offene Feindseligkeit gibt es erst, seit diese Warmduscher an der Macht sind. Über Umgangsformen sollte der Salonkommunist selbst einmal nachdenken. Eine Anzugsordnung sagt etwas über den Respekt aus, den man seinen Mitmenschen entgegenbringt. Daran lässt Varoufakis es selbst reichlich fehlen. Unterm Strich ist festzustellen, dass Athen seinen Kontrahenten ständig die eigenen Unzulänglichkeiten vorwirft. Das ist ziemlich billig.
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