Griechenlands Ex-Finanzminister Varoufakis "Wir haben Fehler gemacht"

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis behält gerne recht, doch nun hat er in einem CNN-Interview Fehler eingeräumt. Die Hauptschuldigen an der Krise sieht er allerdings weiterhin woanders.

Griechischer Ex-Finanzminister Varoufakis: "Schwer, Verantwortung zu übernehmen"
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Griechischer Ex-Finanzminister Varoufakis: "Schwer, Verantwortung zu übernehmen"


Mit einer Nachfrage hat CNN-Anchorwoman Christiane Amanpour dem früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis ungewohnt einsichtige Töne entlockt. Aber nur zwei kurze Momente lang.

"Wir haben Fehler gemacht, daran gibt es keinen Zweifel", sagte Varoufakis dem US-Sender in einem Interview. Zuvor hatte er argumentiert, es falle ihm schwer, Verantwortung für eine Politik zu übernehmen, aufgrund derer er zurückgetreten sei. Das wollte Amanpour nicht so stehen lassen und bohrte nach: "Glauben Sie, dass Sie überhaupt irgendetwas vermasselt haben?" Varoufakis: "Es gab Fehler, natürlich. Man muss schon sehr eigensinnig sein, um zu sagen, dass man überhaupt keine Fehler gemacht hat." Welche Fehler das sein sollen, ließ Varoufakis allerdings offen.

Schnell fand er zu seiner gewohnten Haltung zurück, als es darum ging, den Schuldigen für diese Fehler auszumachen. "Aber der Kern der Sache, Christiane, ist", erklärte er der Moderatorin, "dass die sehr mächtige Troika der Gläubiger nicht daran interessiert war, zu einer vernünftigen, ehrlichen und für beide Seiten nutzbringenden Übereinkunft zu kommen."

Eines sei für ihn gewiss, so Varoufakis: "Sie waren sehr viel mehr interessiert daran, die Regierung zu demütigen und abzusetzen oder zumindest sicherzugehen, dass sie über die eigene Politik stolpert und sich selber zu Fall bringt, als sie an einem Abkommen interessiert waren, dass zum Beispiel sicherstellen würde, dass sie das meiste ihres Geldes zurückbekommen."

Auch nach seinem Rücktritt bleibt Varoufakis ein gefragter Gesprächspartner. Ende vergangener Woche sagte er dem britischen Sender BBC, das Reformprogramm werde als "größtes Desaster volkswirtschaftlichen Managements" in die Geschichte eingehen: "Dieses Programm wird scheitern, egal wer sich um die Umsetzung kümmert."

Bislang ist Griechenland nach Einschätzung von EU-Beamten bei der Erfüllung der Reformforderungen im Zeitplan. Das Land hat am Montag seine überfälligen Raten an den IWF und weitere fällige Forderungen der EZB beglichen. Zuvor hatte die Regierung in Athen eine Brückenfinanzierung in Höhe von 7,16 Milliarden Euro vom europäischen Rettungsfonds EFSM erhalten. Für die Menschen hat die neue Woche geöffnete Banken gebracht - und höhere Preise.

bos

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Atheist_Crusader 21.07.2015
1.
"Wir haben vielleicht irgendwie mal kurz ein paar kleine, unbedeutende Fehler gemacht... aber schuld sind trotzdem die Anderen!" Ja, sehr einsichtig. Und was ist das eigentlich mit dieser griechischen Besessenheit von ihrer angeblichen Demütigung? Woher diese Überzeugung, dass es die ganze EU auf ihre Würde abgesehen hätte? Und vor allem: Wo ist die Demütigung in ein paar längst nötigen Einschränkungen des Lebensstils? Ich würde es eher "Realität" und "Grundschulmathematik" nennen.
thomas_gr 21.07.2015
2.
Er hat doch Recht. Die Troika ist verantwortlich für den gigantischen Schaden in Europa
ernale 21.07.2015
3.
was will Spon uns denn nun mitteilen? Dass 2001 mit Hilfe von Goldmann-Sachs die Griechen die Aufnahme in die EU schafften. Will Spon uns mitteilen, dass 2008 mit der Krise (Bankenzock) die Griechen gezwungen wurden, mit über 30 Milliarden seine Banken zu retten? Das heißt, das durch die Finanzkrise gerüttelt GR (der Bürger) musste nun die Verursacher auch noch retten? Und wer stand dann auf dem Plan? Die Troika, die in Zusammenarbeit mit den Griechen seitdem das Land noch mehr niedergemacht hat....und jetzt? 23% MwSt., so kurbelte unsere Regierung unsere Krise nicht an...!! und steht heute als Weltmeister da...hier wird mit zweierlei Maß gemessen, ich kann V. verstehen, aber nicht mehr Spon, dass dauernd auf den Griechen herumgeritten wird. Merke was wir in 10 Jahren haben? Die selben Verhältnisse wie in GR. Aber nicht, weil die Bürger so faul sind, sondern weil uns die Großspekulanten niedergemacht haben
NuclearSavety 21.07.2015
4. Wen ineressiert eine Meinung von Yanis...
... grosse Show gemacht, hat nix gerissen, mit allem gescheitert was er anfasst, danach aus Trotz zurückgetreten ... warum wird der noch interviewt? Da kann man ja auch Gutenberg zu wissenschaftlicher Ethik befragen ...
Hinrich Rohleder 21.07.2015
5.
"ES gab Fehler"....haha.
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