Abgabenexplosion in Griechenland "Als Nächstes besteuern sie die Luft zum Atmen"

Diesen Sonntag stimmt das griechische Parlament über drastische Steuererhöhungen ab. Bier, Hotels, Lebensmittel - fast alles soll spürbar teurer werden. Wie denken die Griechen darüber?

Kaffeeröster Notaras
Konstantinos Tsakalidis

Kaffeeröster Notaras

Von und Konstantinos Tsakalidis (Fotos)


Alexis Tsipras bleibt seinem Grundsatz treu: "Wenn etwas floriert, besteuere es." Seine Regierung hat dem Parlament in dieser Woche ein Gesetz über Steuererhöhungen von 1,8 Milliarden Euro im Jahr vorgelegt. Das entspricht einem Prozent der Wirtschaftsleistung. In Deutschland wären das 30,3 Milliarden Euro. Es trifft jeden Griechen - vom Fünf-Sterne-Hotelier über Biertrinker und Internetnutzer bis hin zu Rauchern.

Dabei sind erst vor Kurzem die Renten erneut gekürzt und die Einkommensteuer angehoben worden. Die Regierung in Athen hofft damit, die Euro-Finanzminister zu erweichen: Sie sollen in der kommenden Woche die nächste Kredittranche für Griechenland freigeben.

Der Unmut unter den Griechen ist groß - verständlicherweise. Nur zu gut erinnern sie sich an Tsipras' Versprechen, dieser Strategie ein Ende zu bereiten. Sie hat sich ja nicht nur als unpopulär erwiesen, sondern überdeutlich auch als erfolglos: Trotz stetiger Anhebungen lag etwa das Aufkommen aus der Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr um 3,5 Milliarden Euro niedriger als noch 2009 - zum Teil, weil zu hohe Steuern die Nachfrage abschnüren. Und zum anderen Teil deshalb, weil viele Griechen nur eine Möglichkeit sehen, über die Runden zu kommen: den Fiskus zu betrügen, wo immer es geht.

Was bedeuten die drastischen Steuererhöhungen für die Bevölkerung? Wir haben Griechen in Thessaloniki befragt, vom Studenten bis zum Geschäftsführer.

Übersetzung aus dem Englischen: Florian Diekmann



insgesamt 179 Beiträge
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verbraucher6787654 22.05.2016
1. Gezielte Destabilisierung
Hinter jeder einzelnen Entscheidung in Europa kann nur das Ziel der Destabilisierung stehen. Ich kann es mir anders nicht mehr erklären. Lösen Steuererhöhungen neuerdings Investitionsbereitschaft aus?
kayhawai 22.05.2016
2. Nicht mehr erklärbar
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man diese Groteske als Realsatire abtun. Die "einfachen Griechen" werden bis zur absoluten Armut belastet, während Millionäre und vor allem Reeder-Milliardäre - auch unter der Linksregierung - weiterhin KEINEN CENT Steuern zahlen! Die Lagarde- Liste mit den ca. 2.000 Namen griechischer Steuer-Großbetrüger ist auch von der jetzigen Regierung nicht angerührt worden. Dass sich die Wut der Griechen nicht gegen diese Ungeheurlichkeiten richtet, ist nicht mehr erklärbar.
wotcom 22.05.2016
3. Bald_ist_es_gschafft
Griechenland in der Steinzeit. Ich rate, nein ich bitte alle die über dieses Land herfallen, moralisch, verbal und auf sehr unappetitlich andere Art und Weise. Sehen Sie sich, ganz unvoreingenommen an, was unsere SUPEROEKONOMEN UND VOLKSTRETER dort anrichten. Das Land wird von IWF, EU, TROIKA mit deren Methoden und deren Weisheit gerettet. So sieht das Schicksal eines Landes in der EU aus, das von seinen Nachbarn besiegt wurde!
smartphone 22.05.2016
4. Jedes Computerspiel..
..welches eine gewisse Form von Wirtschaftssimulation darstellt , offenbart dem Spieler typische Reglungsalgorithmen... Wenn ich dem Volk nix zu fressen gebe ,verhungert es , kein Baumaterial keine Löhne und kein Properitätspotential ... ZU hohe STeuern dezimieren dito das Volk .... Spielen sie zB mal ANNO 1602 usw ... Man könnte natürlich auch sage, daß ein Fußgefesselter nur schwer 12s auf 100m rennt ... Man muß sich schon fragen ,welche (End)Ziele man via Troika verfolgt ...denn die wahren Zeitbomben sind ja nach wie vor Italien, Spanien und bei genauer Betrachtung auch Frankreich . Bekanntlich erstickt zuviel Rauch in der Umgebung auch die Tiere vermeintlich unberührter Ecken ( D, CH , NL )
fackelimohr 22.05.2016
5. Bankrott
All diese Konsum-basierten Steuererhöhungen erdrosseln langsam und sicher den Patienten, d.h. die griechische Wirtschaft.
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