Schuldenkrise Was Griechenland wirklich will

Schuldenschnitt? Neue Rettungskredite? Ende der Sparpolitik? In den kommenden Wochen entscheidet sich, wie es mit Griechenland weitergeht. Ein Überblick, was die Regierung in Athen erreichen will - und was die Geldgeber davon halten.
Griechischer Finanzminister Varoufakis, Ministerpräsident Tsipras: Was ihr wollt

Griechischer Finanzminister Varoufakis, Ministerpräsident Tsipras: Was ihr wollt

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP

Hamburg - Die Erleichterung war groß, als sich Griechenland und seine Geldgeber vor eineinhalb Wochen auf eine Verlängerung des Rettungsprogramms einigten. Beide Seiten erklärten sich zum Sieger - doch schnell wurde klar: Der härteste Kampf kommt erst noch.

Obwohl der schillernde Finanzminister Giannis Varoufakis fast täglich neue Interviews gibt, scheint zunehmend unklar, was die griechische Regierung eigentlich will.

Ein Überblick zeigt die Haltung Athens zu den wichtigsten Themen - und erklärt, was die Geldgeber aus den anderen Eurostaaten davon halten.

Kurzfristige Hilfe

Laut der Vereinbarung der Euro-Finanzminister sollen die restlichen 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm erst fließen, wenn die griechische Regierung genaue Reformvorschläge ausgearbeitet hat und die Kreditgeber diese geprüft haben. Das soll bis Ende April geschehen. Bis dahin könnte es für Griechenland schon sehr eng werden. Das Land muss allein im März Kredite von 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Hinzu kommen mehrere Hundert Millionen Euro an Zinszahlungen, die in den kommenden Wochen fällig werden. Brauchen die Griechen also schon früher Hilfe von außen? Klicken Sie auf die Fotos, um die Haltung der jeweiligen Seite zu erfahren.

Schuldenschnitt

Griechenland ist das am höchsten verschuldete Land in Europa. Rund 320 Milliarden Euro Verbindlichkeiten lasten auf dem griechischen Staat, das entspricht etwa 175 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Hilfskredite der internationalen Geldgeber haben dieses Problem verschärft. Ging man ursprünglich davon aus, dass Griechenland seine Schulden bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung senken könnte, gilt das mittlerweile als utopisch. Um die Schulden zurückzuzahlen und die fälligen Zinsen zu leisten, braucht Griechenland erneut Hilfe von außen. Wäre ein umfassender Schuldenschnitt die bessere Lösung?

Drittes Rettungspaket

Was passiert nach Juni? Dann laufen die europäischen Hilfen aus dem zweiten Rettungspaket endgültig aus. Vom IWF könnte es bis März 2016 zwar noch ein paar Milliarden Euro geben, doch die dürften bei Weitem nicht ausreichen, um die Zahlungsverpflichtungen Griechenlands zu decken. Irgendwie braucht das Land also wieder Hilfe. Angeblich diskutieren die Eurostaaten deshalb schon über ein drittes Rettungspaket mit Krediten im Umfang von 30 bis 50 Milliarden Euro. Wäre das sinnvoll?

Sparkurs

Seit Beginn der Griechenland-Krise im Jahr 2010 hat das Land unter dem Druck der internationalen Geldgeber ein Sparpaket nach dem anderen verabschiedet. Selbst wenn nicht alles immer glatt lief und wie angekündigt umgesetzt wurde: Die Anstrengungen für die Bürger waren gewaltig. Die öffentlichen Ausgaben wurden um rund 25 Prozent gekürzt. Ähnlich stark ging die Wirtschaftsleistung zurück. 2014 schaffte das Land zum ersten Mal wieder einen sogenannten Primärüberschuss: Ohne die Ausgaben für den Schuldendienst nahm der Staat mehr ein als er ausgab. Laut dem geltenden Rettungsprogramm müsste Griechenland seinen Primärüberschuss in diesem Jahr eigentlich auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigern, ab 2016 sind sogar 4,5 Prozent angepeilt. Ist das zu schaffen?