Nach der Finanzkrise Athen will Schulden früher begleichen

Die griechischen Staatsfinanzen erholen sich, Finanzminister Staikouras will dem Internationalen Währungsfonds sein Geld früher zurückzahlen. Auch der deutsche Bundestag muss zustimmen.

Christos Staikouras, Griechenlands Finanzminister in der Regierung von Kyriakos Mitsotakis
Louisa GOULIAMAKI / AFP

Christos Staikouras, Griechenlands Finanzminister in der Regierung von Kyriakos Mitsotakis


Athen will einen Teil seiner Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) frühzeitig tilgen. Der griechische Finanzminister Christos Staikouras unterzeichnete am Montag einen entsprechenden Antrag an den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und die Eurogruppe. "Unser Land gewinnt damit an Glaubwürdigkeit und Selbstvertrauen", erklärte Staikouras.

Das Verfahren könnte mehrere Wochen dauern, weil auch die Parlamente einiger Euroländer - darunter der Bundestag - die Aktion genehmigen müssen, hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen.

Es gehe dabei um IWF-Kredite in Höhe von 2,9 Milliarden Euro. Die Rendite dafür liegt bei 4,91 Prozent. Mit der frühzeitigen Tilgung hofft Athen rund 70 Millionen Euro Zinskosten zu sparen, teilte Staikouras weiter mit.

Die Schulden Griechenlands ohne die geplante frühzeitige Tilgung beim IWF betragen nach Angaben des Finanzministeriums 8,8 Milliarden Euro. Der IWF hatte sich am griechischen Rettungsprogramm seit 2010 mit knapp 32 Milliarden Euro beteiligt. Den größten Teil haben die Griechen bereits zurückgezahlt.

Griechenlands letztes Spar- und Reformprogramm endete im August 2018. Athen steht seitdem zunehmend wieder auf eigenen Beinen und kann sich selbst Geld am Kapitalmarkt leihen. Die Renditen für zehnjährige griechische Staatsanleihen liegen zurzeit bei 1,5 Prozent. Auf dem Höhepunkt der schweren Finanzkrise im Jahr 2012 lagen diese Renditen bei mehr als 35 Prozent. Die Höhe der Rendite spiegelt nicht nur das Ausfallrisiko der Anleihen. Sie belastet auch die Finanzierungskosten eines Staates, der dann umso mehr Geld für den Schuldendienst verwenden muss.

mamk/dpa-afx



insgesamt 9 Beiträge
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willibaldus 16.09.2019
1.
Griechenland könnte die IWF Kredite auch mit neu aufgelegten Staatsanleihen (Krediten) vom Markt ablösen. Also aus 4.91 % zu zahlenden Zinsen 1.5% machen. Oder war das so gemeint? Bin mir nicht sicher. Ich denke nicht, dass Griechenland die Schulden beim IWF aus einem Haushaltsüberschuss ablösen kann.
HerrPeterlein 16.09.2019
2. Griechenland ist doch so schlimm
Jahrelang hieß es doch, wie böse und schlimm die Griechen sind, das Ende des Euro und der EU ist quasi schon da. Wie passt das jetzt zu dieser und anderen Meldungen? Was sagen die ewigen Kritiker jetzt?
hagebut 16.09.2019
3. Wird Griechenland es schaffen?
Ganz ehrlich: Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, eine Volkswirtschaft mit einer Staatsverschuldung von 175 % zum BIP und einer Arbeitslosigkeit von 25 % würde nicht steil abstürzen, hätte ich das als Unsinn abgetan. Man lernt immer wieder Erstaunliches dazu. Die Schuldenuhr zeigt im Moment immer noch eine Verschuldung von knapp 173 % zum BIP. Die Arbeitslosenquote beträgt knapp 20 %. Aber es scheint irgendwie zu laufen. Gut, dass die sozialistische Regierung weg ist. Allein diese Tatsache gibt der Wirtschaft Aufschwung. Die neue Regierung müsste eigentlich nichts anders machen. Also unterstützen wir das doch und gehen verstärkt dort in Urlaub. Mein Ziel dort ist meistens Poros, auch wenn es dort in den letzten Jahren "lebhaft" geworden ist. Es gibt dort eine Schiffsverbindung nach Athen und Tagesausflüge auf die Insel Hydra. Sehr zu empfehlen. Selbstverständlich kaufen wir auch immer griechische Lebensmittel in Deutschland, soweit verfügbar. Lieber eine Unterstützung so, von der man selbst noch etwas hat, also wieder retten zu müssen. Ob Letzteres zu verhindern ist, bin ich mir immer noch nicht sicher. Harren wir halt.
petro28 16.09.2019
4. Finanzpolitik
Die ganze Art wie sich Staaten finanzieren, indem sie Geld am Kapitalmarkt leihen, ist doch irgendwie krank. Da wird es immer Gewinner und Verlierer geben. Leider treffen die negativen Auswirkungen immer die Schwächsten.
kohle+reibach 16.09.2019
5. Griechen unterstützen??? Never ever!
Zitat von hagebutGanz ehrlich: Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, eine Volkswirtschaft mit einer Staatsverschuldung von 175 % zum BIP und einer Arbeitslosigkeit von 25 % würde nicht steil abstürzen, hätte ich das als Unsinn abgetan. Man lernt immer wieder Erstaunliches dazu. Die Schuldenuhr zeigt im Moment immer noch eine Verschuldung von knapp 173 % zum BIP. Die Arbeitslosenquote beträgt knapp 20 %. Aber es scheint irgendwie zu laufen. Gut, dass die sozialistische Regierung weg ist. Allein diese Tatsache gibt der Wirtschaft Aufschwung. Die neue Regierung müsste eigentlich nichts anders machen. Also unterstützen wir das doch und gehen verstärkt dort in Urlaub. Mein Ziel dort ist meistens Poros, auch wenn es dort in den letzten Jahren "lebhaft" geworden ist. Es gibt dort eine Schiffsverbindung nach Athen und Tagesausflüge auf die Insel Hydra. Sehr zu empfehlen. Selbstverständlich kaufen wir auch immer griechische Lebensmittel in Deutschland, soweit verfügbar. Lieber eine Unterstützung so, von der man selbst noch etwas hat, also wieder retten zu müssen. Ob Letzteres zu verhindern ist, bin ich mir immer noch nicht sicher. Harren wir halt.
Die Griechen unterstützen oder sogar Urlaub dort machen? Haben Sie schon die Hitlerbilder der Kanzlerin und unseres Finanzministers vergessen? Und zum Dank kommen die jetzt schon wieder mit Reparationsforderungen um die Ecke? Nein, danke. So langsam reicht es mir mit diesem Volk.
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