Rettungsfonds Griechenland will zu viel gezahlte Milliarde wiederhaben

Verzweifelt sucht Griechenland nach neuen Geldquellen - und ist dabei offenbar fündig geworden. Das pleitebedrohte Land möchte vom Euro-Rettungsfonds EFSF 1,2 Milliarden Euro zurückhaben, die es selbst erst kürzlich dorthin überwiesen hat.
Akropolis in Athen: Verzweifelt auf der Suche nach Geld

Akropolis in Athen: Verzweifelt auf der Suche nach Geld

Foto: ARIS MESSINIS/ AFP

Hamburg/Brüssel - Woher bekommt Griechenland das dringend benötigte Geld, um seine Rechnungen zu bezahlen? Die internationalen Geldgeber zögern noch damit, ausstehende Hilfszahlungen freizugeben. Doch die Regierung in Athen hat bereits eine mögliche Alternative entdeckt: Sie möchte 1,2 Milliarden Euro vom Rettungsfonds EFSF zurückhaben.

Das Geld stammt ursprünglich aus dem zweiten Hilfspaket für Griechenland aus dem Jahr 2012. Damals wurde ein Teil der Hilfen speziell für die Rettung griechischer Banken reserviert. Da nicht alles davon gebraucht wurde, waren bis Anfang dieses Jahres noch 10,9 Milliarden Euro übrig, die Griechenland aber auf Geheiß der Euro-Finanzminister vor wenigen Wochen an den EFSF zurückgezahlt hat.

Nun ist der Regierung in Athen offenbar aufgefallen, dass sie womöglich zu viel zurückgezahlt hat. Hilfen über insgesamt 1,2 Milliarden Euro, die schon zu Zeiten der Vorgängerregierung in mehreren kleinen Tranchen für die Stützung kleinerer Banken geflossen waren, waren nicht von den 10,9 Milliarden Euro abgezogen worden. Stattdessen hatte der griechische Bankenrettungsfonds die Summen aus seiner Portokasse bezahlt - also zum Beispiel aus eingenommen Gebühren.

Dieses Geld könnte Griechenland nun sehr gut gebrauchen. Das Land kratzt derzeit die letzten Reserven zusammen, um Ende des Monats Renten und Beamtenbezüge bezahlen zu können. Die 1,2 Milliarden Euro würden da enorm helfen.

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem habe den EFSF gebeten, den Sachverhalt zu prüfen, sagte ein Sprecher des Rettungsfonds auf Anfrage. An diesem Mittwoch sollen sich die Staatssekretäre der Euro-Gruppe auf Arbeitsebene mit dem Thema befassen. Entscheiden müssen am Ende aber die Finanzminister selbst - und zwar einstimmig.

Die Rückzahlung wäre eine Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen, solange sich die Auszahlung der eigentlich zugesagten Milliardenhilfen verzögert. Die sollen nämlich erst fließen, wenn die griechische Regierung in Brüssel ein überzeugendes Reformkonzept vorgelegt hat. Nach Angaben aus Athen soll das bis spätestens kommenden Montag passieren.

stk/dpa-AFX
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