Griechenlands Rate an den IWF Sie haben nicht gezahlt

Die Frist ist um Punkt Mitternacht ergebnislos verstrichen: Griechenland hat seine fällige Schuldenrate von 1,55 Milliarden Euro an den IWF nicht zurückgezahlt. Damit ist das Land faktisch pleite.
Regierungschef Tsipras: Kein Geld für den Internationalen Währungsfonds

Regierungschef Tsipras: Kein Geld für den Internationalen Währungsfonds

Foto: AP/dpa

Seit Mitternacht ist Griechenland das erste Industrieland, das seine Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht rechtzeitig begleicht. Bis 24 Uhr hätte Athen eine Kreditrate in Höhe von 1,55 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen müssen. Wie zuvor von Finanzminister Gianis Varoufakis angekündigt, bleibt Athen das Geld schuldig. Zuvor hatte Athen vergebens um eine Fristverlängerung gebeten.

Um kurz nach Mitternacht stellte der IWF in Washington nun den Zahlungsverzug fest. "Ich kann bestätigen, dass die fällige Rate aus Griechenland nicht erhalten wurde. Wir haben den Exekutivrat informiert, dass Griechenland nun in Zahlungsverzug ist und erst wieder Hilfen vom IWF erhalten kann, wenn der Rückstand beglichen wurde", teilte IWF-Sprecher Gerry Rice mit.

Der Exekutivrat, das oberste Entscheidungsgremium des Währungsfonds, dürfte nun eine Mahnung an Athen aussprechen.

Erst nach einem bis zu zwei Jahre langen Prozess könnte Griechenland aus dem Fonds ausgeschlossen werden. Bisher scheint eine solche Eskalation noch in weiter Ferne. IWF-Chefin Christine Lagarde hat am Wochenende noch einmal deutlich gemacht, dass sie gerne weiterverhandeln will.

Der Euro-Rettungsfonds EFSF könnte nun sofort die gesamten Kredite über rund 130 Milliarden Euro zurückverlangen, die er Griechenland im Namen der Eurostaaten bisher gewährt hat. Wahrscheinlich wird EFSF-Chef Klaus Regling aber erst einmal nur seine Rückzahlungsansprüche anmelden, sie aber noch nicht ausüben.

Die großen Ratingagenturen wollen Griechenlands Zahlungsunfähigkeit noch nicht als Staatsbankrott werten. Selbst wenn Griechenland am 20. Juli die 3,5 Milliarden Euro aus Staatsanleihen nicht bedienen könnte, die die Europäische Zentralbank (EZB) in ihren Bilanzen hält, wäre das für die Agenturen kein Grund zum Handeln. Für sie ist die Pleite erst dann perfekt, wenn das Land seine Verpflichtungen gegenüber privaten Gläubigern nicht mehr erfüllt.

Gleichwohl senkten Standard & Poor's (S&P) und Fitch die Einstufung der Kreditwürdigkeit des Landes weiter. Einen Zahlungsausfall bei durch private Geldgeber gehaltenen Staatsanleihen halten sie nun für wahrscheinlich.

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