Schuldentilgung beim IWF Der griechische 756-Millionen-Trick

Die griechische Regierung konnte einen 756-Millionen-Euro-Kredit offenbar nur noch mit einem Trick begleichen: Mehreren Berichten zufolge zapfte sie ausgerechnet eines ihrer Konten beim IWF an, um den IWF auszuzahlen.
IWF-Chefin Lagarde, griechischer Finanzminister Varoufakis: Millionen verschoben

IWF-Chefin Lagarde, griechischer Finanzminister Varoufakis: Millionen verschoben

Foto: YVES HERMAN/ REUTERS

Die griechische Regierung muss zu immer kreativeren Mitteln greifen, um ihre Schulden noch zurückzuzahlen. Am Montag musste sie eine Kreditrate in Höhe von 756 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) überweisen. Sie tat das - obwohl zuvor gewarnt worden war, dass dann später im Monat nicht mehr alle Pensionen und Löhne für Staatsangestellte ausgezahlt werden können.

Nun hat die Athener Regierung offenbar doch noch einen Weg gefunden, beides zu bezahlen, wenn auch einen höchst ungewöhnlichen.

Athen habe die eigenen Kapitaleinlagen beim IWF angezapft, um die IWF-Kreditrate zu tilgen, berichten die Nachrichtenagentur Reuters und mehrere griechische Zeitungen übereinstimmend. 650 Millionen Euro kamen demnach von einem Konto des Landes beim IWF. 100 Millionen Euro habe die Regierung aus ihren eigenen Barreserven mobilisiert.

IWF-Mitgliedsländer unterhalten bei dem Fonds zwei Konten: Auf einem sind die Einlagen des Landes beim IWF geparkt, das zweite ist für Notfälle gedacht. "Wir haben auf das Notfallkonto zugegriffen", sagte ein Regierungsvertreter. Nach Angaben der Athener Zeitung "Kathimerini" hat der IWF dieser Transaktion zugestimmt. Vom IWF war auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Das IWF-Konto muss im kommenden Monat wieder aufgefüllt werden. Damit würden aber die Verpflichtungen, die Griechenland im Juni allein an den IWF zu erfüllen hat, auf knapp 2,2 Milliarden Euro steigen.

Das vom Kapitalmarkt abgeschnittene Griechenland ist zur Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen dringend auf weitere Kredite des IWF und des Euro-Rettungsschirms EFSF angewiesen. Allerdings streitet die neue Regierung seit Monaten mit den Geldgebern über die Reformauflagen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Wochenende mit Blick auf die leeren Kassen in Athen vor einer überraschenden Staatspleite gewarnt.

Mittlerweile scheint die Athener Regierung aber schon wieder etwas neues Geld zusammengekratzt zu haben. So hat sie nach eigenen Angaben rund 600 Millionen Euro auf verschiedenen staatlichen Ebenen eingetrieben. Bis Montag hätten Regionalregierungen 64,5 Millionen Euro überwiesen und andere staatlichen Einrichtungen weitere 535,8 Millionen Euro, teilte ein Regierungssprecher am Dienstag in Athen mit. Die griechische Regierung hatte die Kommunen und andere Behörden kürzlich aufgefordert, Barreserven an die Notenbank weiterzuleiten.

ssu/gec/dpa/Reuters
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