Griechenland-Zweifel des Bankchefs Ackermann vergrätzt Merkel

Die Kanzlerin stellt sich gegen den Chef der Deutschen Bank. Weil Josef Ackermann öffentlich Zweifel an Griechenlands Zahlungsmoral geäußert hat, ist Angela Merkel offensichtlich verstimmt: Über ihre Sprecherin lässt sie dem mächtigen Finanzmanager ausrichten, derlei Sätze seien grund- und nutzlos.
Ackermann, Merkel: Deutsche-Bank-Chef sorgt für Verstimmung in der Bundesregierung

Ackermann, Merkel: Deutsche-Bank-Chef sorgt für Verstimmung in der Bundesregierung

Foto: Wolfgang Kumm/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Josef Ackermanns Auftritt bei ZDF-Talkerin Maybrit Illner sorgt für Verstimmung in der Bundesregierung: Der Deutsche-Bank-Chef hatte gesagt, er bezweifle, dass Griechenland die Hilfskredite vollständig zurückzahlen kann. Die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach wies die Äußerungen am Freitag zurück: Sie entsprächen nicht der Auffassung der Regierung.

Zwar sei es "nicht die Art der Bundeskanzlerin", eine öffentliche Rüge auszusprechen, sagte Heimbach. Sie sehe aber "keinen Anlass und keinen Nutzen" für derartige Spekulationen. Direkt kommentieren wollte die Sprecherin Ackermanns Äußerungen nicht.

Wörtlich hatte Ackermann gesagt: "Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln." Dazu bedürfte es "unglaublicher Anstrengungen". Dennoch müsse das Land stabilisiert werden. Wenn Griechenland fiele, würde die Krise mit großer Sicherheit auf andere Länder übergreifen und könnte zu einer Art Kernschmelze führen.

"Es ist nicht an der Bundesregierung, die Meinungsäußerung von Herrn Ackermann zu kommentieren oder zu bewerten", sagte Heimbach. Man halte das griechische Sparprogramm jedoch für realistisch und habe "keinen Zweifel an der Entschlossenheit" der griechischen Regierung, es in den nächsten Jahren umzusetzen.

"Sind auf das Vertrauen der Märkte angewiesen"

Auch aus dem Finanzministerium kam Kritik an Ackermann: Mit den Hilfen gehe es darum, das Vertrauen an den Märkten zurückzugewinnen, sagte ein Sprecher. "Wir sind darauf angewiesen, dass das Vertrauen zurückkehrt."

Dazu dürften Ackermanns Äußerungen nicht unbedingt beitragen. Sie sorgten daher auch bei Analysten für Kopfschütteln. "Das hat mich überrascht. Ich weiß nicht, warum er das macht", sagte Konrad Becker von Merck Finck. "Wenn so ein wichtiger Mensch in der Finanzbranche Zweifel hat, ob die das schaffen, dann belastet das die Märkte."

Von Finanzexperten erhielt Ackermann dagegen Rückendeckung. "Er hat die Wahrheit erzählt", sagte Finanzprofessor Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum. Auch Olaf Kayser von der LBBW sieht das so: Es spreche für Ackermann, dass er die Dinge beim Namen nenne.

cte/Reuters/dpa
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