Griechische Finanzkrise Sarkozy und Berlusconi versprechen Athen Hilfe

Europa bereitet sich auf den Ernstfall vor: Die Eurostaaten haben sich offenbar auf den Zinssatz für Hilfskredite an Griechenland geeinigt, Frankreich und Italien sagen ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung zögert noch - und wird deswegen von US-Finanzinvestor Soros kritisiert.

Staatschefs Berlusconi und Sarkozy: Hilfszusagen an Griechenland
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Staatschefs Berlusconi und Sarkozy: Hilfszusagen an Griechenland


Frankfurt/Paris/Athen - Angesichts der zunehmenden Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands bereitet sich die Europäische Union langsam aber sicher auf den Fall X vor. "Wir sind bereit einzugreifen, wenn Griechenland es verlangt", sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Freitag.

Die Euro-Staaten haben sich einem EU-Vertreter zufolge bereits über die Konditionen für mögliche Hilfskredite an Griechenland geeinigt. "Eine Einigung ist erreicht", sagte ein Eingeweihter nach dem Treffen des Wirtschafts- und Finanzausschusses in Brüssel, dem Finanzstaatssekretäre und nationale Notenbankvertreter angehören.

Die Zinsen seien ungefähr so hoch, wie es bei Hilfskrediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) üblich ist. Nach Reuters-Berechnungen wäre das eine Rate von rund fünf Prozent, was zumindest gegenüber dem aktuellen Marktzins von über sieben Prozent eine Erleichterung wäre. Das genaue Volumen und die Dauer der Hilfsmaßnahmen sind noch offen. Nach Schätzungen soll das Paket mehr als 20 Milliarden Euro umfassen.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi haben in Paris ihre Zusage für ein mögliches Hilfsprogramm gegeben. "Griechenland hat unsere ganze Unterstützung", sagte Berlusconi beim französisch-italienischen Gipfel in Paris. Auf der Pressekonferenz erklärte Sarkozy, ein Hilfsplan sei von allen Staaten der Euro-Zone gebilligt worden. "Wir sind bereit, ihn zu jeder Zeit zu aktivieren."

Bundesregierung hält sich mit Versprechen noch zurück

Die Bundesregierung sieht hingegen weiter keinen Grund für ein Eingreifen in der Griechenland-Krise. "Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass Griechenland die Refinanzierung seiner Schulden gelingen wird", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums am Freitag in Berlin. Es lasse sich auch "kein Grenzzinssatz für den Katastrophenfall" festlegen. Das Volumen möglicher deutscher Hilfen bei einem Eingriff des IWF wollte er nicht beziffern. Ein Regierungssprecher betonte, jede Auszahlung bilateraler Darlehen müsse von den Eurostaaten einstimmig beschlossen werden.

Die deutsche Haltung ruft Kritik hervor: Der milliardenschwere US-Finanzinvestor George Soros gibt der Bundesregierung eine Mitschuld an den rekordhohen Risikoaufschlägen für griechische Staatsanleihen. "Wenn Deutschland sich darauf einlassen würde, Geld zu günstigeren Konditionen zu geben, würden die Marktzinsen fallen", sagte Soros am Freitag in Cambridge. "Ich hoffe, dass Deutschland erkennen wird, dass das Gerede über Kredite zu Marktzinsen die falsche Medizin ist. Das würde Griechenland in den Abgrund treiben."

Die genauen Konditionen von möglichen Hilfskrediten werden nach Angaben der EU-Kommission erst im Bedarfsfall festgelegt. Über den Zins werde erst entschieden, wenn Griechenland um Hilfe bittet, sagte Kommissionssprecherin Amelia Torres am Freitag in Brüssel. Van Rompuy sagte, über die noch offenen Fragen bei den Hilfskrediten würden die Euro-Finanzminister in der kommenden Woche entscheiden.

Euro reagiert positiv auf die Gerüchte um baldige EU-Hilfen

Der Kurs des Euro ist nach den Gerüchten über eine Einigung in der EU deutlich gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3456 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte der Euro noch zeitweise bei 1,3341 Dollar notiert. "Gerüchte über eine Einigung hinsichtlich der Modalitäten des Notfallplans von EU und IWF für Griechenland haben den Euro beflügelt", sagte You-Na Park, Devisenexpertin bei der Commerzbank. Dies habe die Märkte etwas beruhigt.

Auch die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen gingen merklich zurück. Es lasse sich aber noch nicht sagen, ob diese mögliche Einigung dauerhaft zu einer Entspannung führen werde, sagte Park.

Unterdessen hat die Rating-Agentur Fitch die Bonität des hochverschuldeten Griechenland um zwei Stufen herabgesetzt. Die Kreditwürdigkeit des Landes wird von der Agentur nach Angaben vom Freitag nun mit der Note BBB- bewertet. Bislang hatte Griechenland die Note BBB+. Zudem sei laut Fitch der Ausblick negativ.

Bis Ende Mai benötigt die Regierung in Athen rund zehn Milliarden Euro, um die Rekordschulden in Höhe von mehr als 300 Milliarden Euro zu begleichen. Trotz aller Beruhigungsversuche der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und der Athener Regierung verbesserten sich auch am Freitag die Bedingungen kaum, zu denen sich das Land am Kapitalmarkt mit frischem Geld versorgen kann. Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou betonte, sein Land plane derzeit nicht, die Nothilfen in Anspruch zu nehmen.

lgr/Reuters/dpa/APN/AFP

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Seite 1
ALG III 09.04.2010
1. Da
Zitat von sysopEuropa bereitet sich auf den Ernstfall vor: Die Eurostaaten haben sich offenbar über die Konditionen für Hilfskredite geeinigt, Frankreich und Italien sagen ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung zögert noch - und wird deswegen von US-Finanzinvestor Soros kritisiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688182,00.html
Natürlich ist es schade, wenn deutsche Steuergelder jetzt nach Griechenland fliessen. Aber vernünftigerweise bin ich dafür. Merkel soll (und wird) ihr eisernes *Njet* aufgeben und sich den Südpartnern Italien und Frankreich anschliessen. Wir haben die europäische Familie nicht gegründet, um beim ersten Familienkrach das Handtuch zu werfen.
running_on_empty 09.04.2010
2. Der angeklebte Schwanz wackelt mit dem Hund
Tja, wer hätte das gedacht: da hat Papandreou den Spieß munter umgedreht und treibt nun Madame Non alias Angela Merkel vor sich her. Motto: wenn Ihr nicht zahlt, dann melden wir halt Bankrott an und lassen Eure Banken in die Röhre gucken. Spätestens diesen Wink mit dem systemrelevanten Zaunpfahl dürfte Berlin ad hoc verstehen! Auf die Schleusen: rettet Griechenland und unsere Banken! Und wenn wir schon dabei sind, direkt die Rechnung für die übrigen PIIGS bitte! Ach, da ist ja auch Italien bei. Hm, und die wollen jetzt Griechenland retten? Wie nennt man so etwas? Einen Schneeballkredit? Egal: während der Euro fröhlich nach oben treibt (vergangene Woche war das Gegenteil angeblich gut für den Export), schnallen wir hier in Deutschland einfach den Gürtel enger, verzichten auf Lohnerhöhungen und Investitionen in Bildungseinrichtungen und wünschen uns den Schäuble als allerletzte Spassbremse des fleissig zahlenden Mittelstandes...
Jordan Sokoł 09.04.2010
3. Vorsicht, Der Zug fährt ab! Zusteigen verboten!
Zitat von sysopEuropa bereitet sich auf den Ernstfall vor: Die Eurostaaten haben sich offenbar über die Konditionen für Hilfskredite geeinigt, Frankreich und Italien sagen ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung zögert noch - und wird deswegen von US-Finanzinvestor Soros kritisiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688182,00.html
Ohne Link: Oh, Oh! - Wenn Soros Merkels Haltung kritisiert, dann drohen ihm Wettgewinne auf Devisen- kursentwicklungen verloren zu gehen. Leider steht zu befürchten, daß unsere Regierung nicht anders kann, als den Griechen unter die Arme zu greifen. Dann aber bitte nicht zu den Bedingungen der Griechen (ohne IWF), sondern zu unseren. - Im Augenblick sind die Devisenspekulanten a la Soros am längeren Hebel. Jetzt rächt sich das lange Zögern von Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb. - Sie hätten sich längst im Alleingang den Zugriff auf die Spekulationsgewinne sichern können und müssen. Jordan Sokoł
existentialist09 09.04.2010
4. Und da sage noch mal jemand....
Zitat von sysopEuropa bereitet sich auf den Ernstfall vor: Die Eurostaaten haben sich offenbar über die Konditionen für Hilfskredite geeinigt, Frankreich und Italien sagen ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung zögert noch - und wird deswegen von US-Finanzinvestor Soros kritisiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688182,00.html
Politiker hätten keinen Humor. Italien bürgt für Griechenland...na klasse, selten so gelacht.
joe sixpack 09.04.2010
5. Frankreich und Italien sagen ihre Unterstützung zu.
Zitat von sysopEuropa bereitet sich auf den Ernstfall vor: Die Eurostaaten haben sich offenbar über die Konditionen für Hilfskredite geeinigt, Frankreich und Italien sagen ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung zögert noch - und wird deswegen von US-Finanzinvestor Soros kritisiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,688182,00.html
Das ist ja toll, lass die mal machen. Sind ja beides unheimlich liquide Laender.
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